Letztes „Rektorat im Dialog“ in diesem Jahr: Mehr Anerkennung für die Lehre

12.12.2018 von Tom Leonhardt in Campus
Wie lässt sich die Internationalisierung weiter vorantreiben? Gibt es genügend Anreize für eine gute Lehre? Und: Wie kann man den wissenschaftlichen Nachwuchs besser unterstützen? Das waren die zentralen Fragen der mittlerweile fünften Station von „Rektorat im Dialog“. Diesmal war das Rektorat in der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zu Gast.
"Rektorat im Dialog" fand diesmal in der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät statt.
"Rektorat im Dialog" fand diesmal in der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät statt. (Foto: Tom Leonhardt)

Die Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ist nicht nur eine der ältesten Fakultäten, sie ist mit mehr als 4.600 Studierenden auch die größte an der MLU. Die beiden Fachbereiche – die Rechts- und die Wirtschaftswissenschaften – verbinde auch eine ähnliche Geschichte, wie Dekan Prof. Dr. Henning Rosenau zu Beginn des zweistündigen Austauschs erklärte: Beide Fächer wurden nach der Wende grundlegend neu strukturiert und aufgebaut. Das sei eine intensive Arbeit gewesen, die sich aber gelohnt habe: Im CHE-Ranking etwa erreicht die hallesche Juristenausbildung regelmäßig Spitzenplätze.

Aktuell habe die Fakultät eine Auslastung durch Studierende von 208 Prozent. Diese sei mit der momentanen Personalausstattung gerade so zu bewältigen, so der Dekan. Und so kam Rosenau auch auf das erste dringliche Problem des Juristischen Bereichs zu sprechen: Aufgrund der Sparbeschlüsse von 2004 würde die Fakultät im Jahr 2026 nur noch über zwei von aktuell vier Professuren für Strafrecht verfügen. Die Konsequenz: Damit wäre die Fakultät nicht mehr in der Lage, die gesetzlichen Vorgaben für die Ausbildung von Juristen zu erfüllen. An diesem Punkt machte Rektor Prof. Dr. Christian Tietje, selbst Professor für Wirtschaftsrecht an der Fakultät, eine sehr konkrete Zusage: Mindestens eine dritte Strafrechtsprofessur werde man erhalten, über weitere Maßnahmen müsse man später diskutieren.

Danach wurde die Diskussion für das Publikum geöffnet. Viel Zeit nahmen Beiträge zum Thema Internationalisierung ein. Für internationale Forscherinnen und Forscher sei es ein Problem, dass die Kommunikation mit der Verwaltung ausschließlich in deutscher Sprache stattfinde, so eine Wortmeldung. Hier räumte Kanzler Markus Leber Verbesserungsbedarf ein. Gleichzeitig mahnte der Prorektor für Forschung Prof. Dr. Wolfgang Paul die Fakultät, die nötigen Zuarbeiten für eine Übersetzung der Promotionsordnung der Fakultät zu liefern. Diese sei zwar nicht rechtlich bindend, für internationale Promovierende aber eine gute Orientierung.

Welche konkreten Ziele das Rektorat in punkto Exzellenz verfolge, war eine weitere Frage aus dem Publikum. Prorektor Paul sagte, die Forschungskommission habe den Beschluss gefasst, sich auch an der nächsten Runde der Exzellenz-Strategie von Bund und Ländern wieder zu beteiligen. Zudem ermunterte Paul die Anwesenden, mehr Anträge für EU-geförderte Projekte zu stellen. Hier habe die Universität noch viel ungenutztes Potential.

Das Wort Exzellenz beschränke sich aber nicht nur auf die Forschung, betonte der Prorektor für Studium und Lehre Prof. Dr. Wolf Zimmermann, es gebe auch die Exzellenz in der Lehre. Auf die Anmerkung aus dem Publikum, es fehlten aber die Anreize, eine gute Lehre zu betreiben und sich in diesem Bereich weiterzubilden, versprach der Prorektor: Man werde über Konzepte nachdenken, um eine gute Lehre und etwa die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen für diesen Bereich stärker zu honorieren.

Als letztes großes Thema wurden die Herausforderungen bei bürokratischen Prozessen und Verwaltungsvorgängen innerhalb der Universität besprochen. Zum Beispiel bei der Ausgestaltung von befristeten Beschäftigungsverhältnissen sowie der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gebe es auf Universitätsebene Verbesserungsbedarf, so eine Meldung aus dem Publikum. Kanzler Markus Leber kündigte an, die Leitlinien „Gute Arbeit in der Wissenschaft“ im kommenden Jahr noch einmal aktualisieren zu wollen. Prof. Dr. Johanna Mierendorff, Prorektorin für Personalentwicklung und Struktur, berichtete zudem von einer Rektoratskommission Personalentwicklung, die im April 2019 ihre Arbeit aufnehmen und unter anderen diese Themen bearbeiten soll.

Am Ende des zweistündigen Austauschs bedankte sich Rektor Tietje für die intensiven Diskussionen und die offenen, kritischen Anmerkungen. Noch bis Anfang Februar 2019 werde das Rektorat in den Fakultäten zu Gast sein und diskutieren. Danach wolle man eine erste Bilanz ziehen und mögliche Änderungen prüfen.

Die nächste Veranstaltung von „Rektorat im Dialog“ findet am Dienstag, 15. Januar 2019, 12 bis 14 Uhr, in der Philosophischen Fakultät I statt. Ort: Adam-Kuckhoff-Str. 35, Hörsaal I.

 

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