Eine Frage, verschiedene Perspektiven: Was bedeutet Exzellenz?

21.11.2018 von Manuela Bank-Zillmann in Campus
„Probleme und Analysen, aber noch keine Lösungen.“ Diese Bilanz zog Rektor Prof. Dr. Christian Tietje am Ende der zweiten Station von „Rektorat im Dialog“ in der Theologischen Fakultät. Vorausgegangen waren zwei Stunden des intensiven Austauschs über ganz verschiedene Themen und Herausforderungen – von Arbeitszeitkonten über Schlangen vor der Mensa bis hin zur Frage: Was bedeutet Exzellenz?
Auf dem Podium bei "Rektorat im Dialog": Daniel Cyranka, Markus Leber, Johanna Mierendorff, Christian Tietje, Wolf Zimmermann und Wolfgang Paul (v.l.)
Auf dem Podium bei "Rektorat im Dialog": Daniel Cyranka, Markus Leber, Johanna Mierendorff, Christian Tietje, Wolf Zimmermann und Wolfgang Paul (v.l.) (Foto: Friederike Stecklum)

Wie fühlt man sich eigentlich an einer Fakultät, die es mindestens genauso lange gibt wie die Universität selbst – also über schlappe 500 Jahre? An der Männer wirkten wie Luther, Melanchthon, Semler oder Schleiermacher? Prof. Dr. Daniel Cyranka fragte dies gleich zu Beginn seiner Vorstellung der Fakultät und stellte zugleich fest: „Es ging hier immer um Aufbrüche und Veränderungen“. Denn Theologie, so Cyranka weiter, insbesondere gute Theologie, lasse sich auf die Gegenwart und die Zukunft ein und frage nach dem Menschen und seiner Zukunft. Vor diesem Hintergrund freue er sich sehr, dass das Rektorat zum Gespräch gekommen sei. In den Hörsaal 2 im Haus 30 in den Franckeschen Stiftungen folgten denn auch rund 70 Zuhörer dem Gespräch – für die eher kleine Fakultät mit zehn Professuren und rund 530 Studierenden zeugte das von sehr großem Interesse.

Den Gedanken von Veränderungen griff Rektor Christian Tietje auch gleich auf, ist sein Rektorat ja angetreten, um Neues auf den Weg zu bringen. Gleichwohl, so Tietje, habe Veränderung immer etwas Ambivalentes und dürfe kein Selbstzweck sein. Sie könne auch nicht „von oben“ verordnet werden, auch deswegen wolle man mit allen Mitgliedern der Universität – soweit möglich – immer wieder ins Gespräch kommen.

An der Fragerunde beteiligten sich auch die Professoren.
An der Fragerunde beteiligten sich auch die Professoren.
(Foto: Friederike Stecklum)

Die Fragerunde war diesmal schnell eröffnet. Ein Student berichtete zum Beispiel von den langen Schlangen vor der Mensa in den Stiftungen während der Mittagszeit – eine Einrichtung des Studentenwerks, an der die Auswirkungen der Überlast, die die Universität schultern muss, ebenfalls nicht spurlos vorübergehen. Ein Mitarbeiter fragte nach den Zahlen westdeutscher Studierender an der Universität und wie es gelänge diese hierherzulocken, was der Rektor mit Blick auf ein sehr gutes Abschneiden beim CHE-Ranking in vielen Bereichen und einer ausgezeichneten Marketing-Kampagne beantworten konnte. Tatsächlich liegt die Zahl zurzeit bei knapp 40 Prozent. Eine Mitarbeiterin beklagte fehlende Pausenräume und aus ihrer Sicht unklare Regelungen bei der Buchung von Pausenzeiten bei der Arbeitszeiterfassung. Hierzu gab Kanzler Markus Leber nicht nur die Erläuterung, was die geltende Regelung bindend vorschreibe, sondern auch den Ausblick, dass er zu Aspekten der Dienstvereinbarung im Gespräch mit dem Personalrat sei.

Breiten Raum in der Diskussion nahm die Frage ein, wie man Doktoranden ermöglichen könne, in möglichst angemessener Zeit und vor allem in einer Zeit von maximal sechs Jahren, die sich aus der Befristung des Beschäftigungsverhältnisses ergibt, zu promovieren. An den rechtlichen Rahmenbedingungen könne man hier nichts ändern, so der Tenor im Rektorat, man könne aber zum Beispiel auch daran arbeiten, die Betreuungsverhältnisse zu optimieren, so Prof. Dr. Johanna Mierendorff, Prorektorin für Struktur und Personalentwicklung.

Großen Widerhall fand auch die Frage, was eigentlich „Exzellenz“ für das Rektorat bedeute – diese Frage wurde auf verschiedenen Ebenen auch unterschiedlich beantwortet. So führte etwa der Prorektor für Forschung Prof. Dr. Wolfgang Paul aus, dass wissenschaftlich gesehen „Exzellenz immer die Exzellenz des Einzelnen ist. Was das jeweils ist, ist fachspezifisch verschieden.“ Darüber hinaus gebe es aber auch die Exzellenzinitiative des Bundes, bei der die MLU bisher nicht erfolgreich gewesen sei. Seine Analyse: „Wir sind hier nicht gut aufgestellt. Die Initiative zielt darauf ab, Verbünde zu schaffen. Wir müssen auch in Verbünden denken. Und wir müssen jetzt gute Ideen für die nächste Runde entwickeln.“ Exzellenz beschrieben der Rektor und der Prorektor für Studium und Lehre Prof. Dr. Wolf Zimmermann aber auch als Exzellenz in der Lehre und mit der Optimierung von Studienbedingungen. So könne man etwa prüfen, ob die Studieneingangsphase flexibler zu gestalten sei – gemäß den individuellen Voraussetzungen der Studierenden. Auch eine umfassende Personalentwicklung mit Konzept sei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Exzellenz, führte Prorektorin Mierendorff aus.

Das kommende „Rektorat im Dialog“ findet am 27. November 2018, 12 bis 14 Uhr, in der Naturwissenschaftlichen Fakultät I statt. Ort: Wolfgang-Langenbeck-Str. 4, Hörsaal Pharmazie.

 

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