Erbsen einmal anders

05.11.2018 von Ines Godazgar in Wissenstransfer, Varia
Auf den ersten Blick sind Hülsenfrüchte nicht unbedingt das, was man als hippe Speise bezeichnen würde. Ihr Image schwankt zwischen betulicher Hausmannskost und Blähungen - zu Unrecht, wie Emilie Wegner meint. Die Ernährungswissenschaftlerin hat an der MLU studiert, gründet ihre eigene Firma. „Hülsenreich“ heißt sie und stellt künftig aus den unterschätzten heimischen Früchten leckere Snacks her. Erbsen, Bohnen und Linsen liefern eine Menge an Proteinen und Ballaststoffen.
Emilie Wegner in ihrem Element - aus Hülsenfrüchten stellt sie Snacks und Dips her.
Emilie Wegner in ihrem Element - aus Hülsenfrüchten stellt sie Snacks und Dips her. (Foto: Maike Glöckner)

Es ist Zeit für das tägliche Brainstorming. An der Tafel im Büro des kleinen Teams von „Hülsenreich“ stehen Begriffsketten, die Appetit machen: Kichererbse-Süßkartoffel-Jalapeno zum Beispiel. Oder Rote Linse-Tomate-Chili und Weiße Bohne-Spinat-Sesam. Rezepturen, aus denen später neuartige Dips entstehen sollen. „Aktuell experimentieren wir mit einer avocadofreien Guacamole“, erzählt Emilie Wegner, die gerade von einer Hülsenfrüchte-Konferenz in Budapest zurückgekehrt ist.

Wesentlich weiter fortgeschritten ist inzwischen die Entwicklung eines anderen Produkts, dessen Konzeption in den vergangenen Monaten in dem kleinen Startup auf dem Weinberg Campus vorangetrieben worden ist: Tortilla-Chips auf der Basis von Schwarzen Bohnen, die schon wegen ihrer untypischen Farbe ein echter Hingucker sind und nun auch als erstes Hülsenreich-Produkt auf den Markt gebracht werden sollen. „Dafür haben wir sehr viel ausprobiert“, sagt die 23-jährige Gründerin, die gemeinsam mit Simon Vogt und Gunnar Schulze das Kernteam von Hülsenreich bildet.

Alle Experimente fanden im Labor des Ideen-Inkubators statt, den der Gründerservice der MLU ermöglicht hat. Darin haben an einer Firmengründung interessierten Studierende oder Mitarbeiter die Möglichkeit, in der Praxis an der Vervollkommnung einer eigenen Idee zu arbeiten. Dort steht auch ein so genannter Doppelschnecken-Extruder, in dem die vorher entwickelten Rezepturen unter Druck und Hitze zu Chips verarbeitet werden können. „Das sind für uns hervorragende Bedingungen“, sagt Emilie Wegner, „denn so können wir kleinere Mengen unserer Produkte quasi unter industrienahen Bedingungen herstellen.“

Schon immer war die gebürtige Berlinerin eine Anhängerin guten Essens. Während eines Auslandsjahres in Neuseeland wohnte sie bei einem Ernährungswissenschaftler, der sie zusätzlich noch mit seiner Begeisterung für gesunde Ernährung ansteckte. Die Folge: Emilie Wegner begann, einen Foodblog zu schreiben, in dem sie eigene Rezeptideen veröffentlichte. Und schließlich nahm sie an der MLU ein Studium der Ernährungswissenschaften auf, das sie 2017 mit dem Bachelor abschloss.

Eine Reihe von Snacks lässt sich aus den Früchten herstellen.
Eine Reihe von Snacks lässt sich aus den Früchten herstellen.
(Foto: Maike Glöckner)

Doch wie wird man von der Absolventin zur Firmengründerin? „Wenn ich etwas nicht kenne, dann will ich es ausprobieren“, meint Emilie Wegner. Und so kam es, dass sie eines Tages auf der Suche nach neuen Zutaten für ihre Experimentalküche auf die Kichererbse stieß. Sie bestellte sich im Internet einen Zehn-Kilo-Sack Kichererbsenmehl. „Kleiner waren sie nicht zu haben, und so musste ich mir überlegen, was ich damit anfangen könnte.“ Heraus kamen zum Beispiel herzhafte Puddings, Quiches und Cracker, alles auf Basis von Kichererbsen. Letztere waren so lecker, dass Emilie Wegner zunehmend auch gefragt wurde, ob man die Eigenkreationen irgendwo kaufen könne. Und so war die Idee für die Gründung einer eigenen Firma geboren.

Mit einer Dose voller Kichererbsen-Cracker stellte sie ihre Idee schließlich 2016 beim Gründerservice der MLU vor. Dort zeigte man sich ziemlich aufgeschlossen und half ihr bei den weiteren Schritten. So musste die Machbarkeit des Unternehmens gecheckt werden, ein Businessplan aufgestellt und ein Labor sowie Mitstreiter gefunden sowie außerdem finanzielle Fördermöglichkeiten geprüft werden. Schließlich gelang es, eine so genannte Vorgründungsförderung aus EU-Mitteln einzuwerben. Durch sie ist es nun möglich, dass Emilie Wegner und ihr Team bis 2019 als wissenschaftliche Mitarbeiter an der MLU angestellt sind. „Dadurch können wir uns ohne Druck um unser Projekt kümmern“, sagt sie.

Und das nimmt immer mehr Gestalt an. Die Entwicklung der Rezeptur für die Tortilla-Chips auf Basis von Schwarzen Bohnen ist abgeschlossen. Demnächst fährt Emilie Wegner auf eine Messe, um sich Anregungen für deren spätere Verpackung zu holen. Im Frühjahr 2019 sollen sie erstmals im größeren Rahmen produziert und verkauft werden. Parallel dazu sind der Aufbau eines Online-Shops und eine Crowdfunding-Kampagne geplant.

Emilie Wegner glaubt an ihre Idee und an ihr Produkt. Der Ballaststoffgehalt von Hülsenfrüchten ist enorm hoch. „Das hat sich inzwischen herumgesprochen“, sagt sie. Und auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit seien Hülsenfrüchte eine hervorragende Quelle für gesunde Ernährung. Schließlich gedeihen sie in heimischen Gefilden und sind relativ anspruchslos. Emilie Wegner: „Das sind wichtige Vorteile, die künftig immer stärker in den Fokus treten werden.“

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Gründung

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