„Wir streben nach Zukunft“

30.01.2019 von Tom Leonhardt in Campus
Gibt es ein Konzept des Rektorats für den Weinberg Campus? Wie können Verwaltungsprozesse an der Universität effizienter werden? Um diese Fragen drehten sich weite Teile der Diskussion beim dritten „Rektorat im Dialog“ im Jahr 2019. Rektor Prof. Dr. Christian Tietje und sein Team waren dieses Mal zu Gast in der Naturwissenschaftlichen Fakultät II.
Wolfgang Paul, Wolf Zimmermann, Christian Tietje, Johanna Mierendorff und Markus Leber (v.l.) waren diesmal im Dialog in der Naturwissenschaftlichen Fakultät II.
Wolfgang Paul, Wolf Zimmermann, Christian Tietje, Johanna Mierendorff und Markus Leber (v.l.) waren diesmal im Dialog in der Naturwissenschaftlichen Fakultät II. (Foto: Tom Leonhardt)

Forschungsstark, international sichtbar und mit viel „Hunger nach mehr“. So beschrieb Dekan Prof. Dr. Wolfgang Binder seine Fakultät zu Beginn der Veranstaltung. In den Jacob-Volhard-Hörsaal am Weinberg Campus waren viele Professorinnen und Professoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch einige Studierende gekommen. In seiner Begrüßung betonte Rektor Prof. Dr. Christian Tietje, dass man an der Naturwissenschaftlichen Fakultät II sehr gut sehe: „Die Martin-Luther-Universität ist keine Lehruniversität.“ Allerdings sei sie auch kein Max-Planck-Institut, das sich allein auf die Forschung konzentrieren könne.

Die Diskussionsrunde war wieder schnell eröffnet. Die erste Wortmeldung zielte auf die Frage ab, ob das Rektorat ein Konzept für den Weinberg Campus habe. Zu wenig sichtbar in der Stadt sei dieser. Gleichzeitig fehle es an Räumen für freies Arbeiten. „Für den Ideenaustausch braucht es eigene Räume und nicht nur Büros oder Labore“, pflichtete Rektor Tietje bei. Kanzler Markus Leber ergänzte, er beobachte einen bundesweiten Trend zu mehr Flächen für freies Arbeiten an Universitäten. Um diese zu realisieren, sind aber vorher noch weitere Gespräche mit dem Land nötig. Dieses Thema nehme das Rektorat in die Verhandlungen für die nächsten Zielvereinbarungen mit dem Land mit. Auch die Forschung benötige mehr Platz, warf Dekan Binder ein: „Wir streben nach Zukunft.“ Die Universität habe eine Prioritätenliste für Bauvorhaben, sagte Tietje. Diese werde aktuell neu aufgestellt und Vorschläge seien willkommen. Allerdings müssten dringend nötige Bau- und Sanierungsvorhaben aus den Vorjahren zunächst abgearbeitet werden. Auch die Nachhaltigkeit sei ein wichtiges Thema, hierfür wolle das Rektorat in Anlehnung an ein Papier der Hochschulrektorenkonferenz konkrete Punkte erarbeiten.

Die momentane Situation am ITZ sorgt auch in der Naturwissenschaftlichen Fakultät II für Unmut. Die Physikerin Prof. Dr. Ingrid Mertig fasste ihre Nöte zusammen: Das Versand von E-Mails dauere zu lange, was zu Problemen bei der Beantragung von Drittmitteln führen könne. Zudem fehle es an Mitarbeitern für die Beschaffung von Geräten und auch die allgemeine Infrastruktur sei nicht gut ausgebaut. „Das Thema hat bei uns hohe Priorität“, versicherte Tietje.

Ob und wie sich Prozesse in der Verwaltung effizienter gestalten lassen, nahm großen Raum in der Diskussion ein. Prof. Dr. Dariush Hinderberger vom Institut für Chemie schlug zum Beispiel ein Programm vor, mit dem Angehörige der Universität auf mögliche Schwachstellen in den Verwaltungsprozessen hinweisen könnten. Ob sich Stellenbesetzungsverfahren stärker vereinheitlichen und kurze Überbrückungsstellen nach Abschluss der Promotion oder Habilitation einrichten lassen, wollte der Polymerforscher Prof. Dr. Thomas Thurn-Albrecht wissen. Diese Überbrückungsstellen hätten sich in der Vergangenheit bewährt, da damit ehemalige Doktoranden zum Beispiel ihre Nachfolger einarbeiten und ihre nächsten Karriereschritte planen könnten. Kanzler Markus Leber antworte: Stellenbesetzungen betreffen immer das Arbeitsrecht, weshalb in der Regel Einzelfälle entstehen. Ob sich die Übergangslösungen in die Leitlinie „Gute Arbeit in der Wissenschaft“ der Universität einarbeiten lassen, wolle er prüfen. Eine Alternative wären Forschungsstipendien, ergänzte Prof. Dr. Johanna Mierendorff, Prorektorin für Personalentwicklung und Struktur. Prof. Dr. Wolfgang Paul, Prorektor für Forschung, kündigte zudem an, den Umgang mit Doktoranden an der Universität stärker vereinheitlichen zu wollen. „Hier gibt es viele Baustellen“, sagte er. Gute Kenntnisse über das Promotionsgeschehen an der Uni seien in vielen Bereichen äußerst wichtig.

Auch die Berufungsverfahren spielten während der Diskussion eine Rolle: Zu langwierig seien die Verfahren, häufig stünden nur geringe Mittel zur Verfügung, um mit anderen Angeboten konkurrieren zu können, berichteten gleich mehrere Wissenschaftler. Der Faktor Zeit sei bisher unterschätzt worden, sagte Tietje. Man arbeite daran, die Verfahren effizienter zu gestalten. Dazu gehöre jedoch auch, den Prozess besser zu dokumentieren, um zusätzliche Rückfragen aus dem Ministerium zu vermeiden. Hier seien auch die Fakultäten in der Pflicht. Mit Blick auf die Finanzen sagte der Rektor, dass die Universität für das Jahr 2019 über einen strukturell guten Haushalt verfüge. Allerdings sei es – gerade für experimentelle Fächer – schmerzhaft, dass das Land das Budget für Großgeräte gekürzt habe. Wie sich das Budget der Universität in den kommenden Jahren entwickelt, hänge zum Beispiel auch davon ab, in welcher Form der Hochschulpakt verstetigt werde. Bislang sei das unklar und es gebe viele Überlegungen, die Finanzierung an bestimmte Indikatoren zu koppeln. „Der alleinige Indikator Regelstudienzeit eignet sich hierfür nicht“, sagte Prof. Dr. Wolf Zimmermann, Prorektor für Studium und Lehre, denn dieser ermögliche allein keine Aussage über die Qualität der Lehre.

Am Ende des zweistündigen Austauschs bedankten sich Rektor und Dekan für die zahlreichen Wortmeldungen. Man werde nach dem letzten „Rektorat im Dialog“ in der kommenden Woche die angesprochenen Punkte aufarbeiten und Lösungen für die Herausforderungen entwickeln, so Rektor Tietje.

Die letzte Veranstaltung von „Rektorat im Dialog“ findet am Dienstag, 5. Februar 2019, 12 bis 14 Uhr, in der Medizinischen Fakultät statt. Ort: Ernst-Grube-Straße 40 in 06120 Halle, Universitätsklinikum Halle, Lehrgebäude FG 6, Hörsaal 3 und 4.

 

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