Einst Weinbau, jetzt Spitzenforschung

26.04.2018 von Ines Godazgar in Im Fokus, Varia
Das Areal zwischen Heide und Saale wurde in der Vergangenheit höchst unterschiedlich genutzt. Die Flurbezeichnung „Weinberg“ entstand, weil auf diesem Gebiet seit dem 13. Jahrhundert in der Tat mehrere urkundlich belegte Weinberge lagen, deren Früchte von Bedeutung für die mittelalterliche Weinkultur waren, so dass sie der Chronist Dreyhaupt 1750 sogar mit den guten Tropfen aus dem Rheintal verglich.
Das Chemische Institut der MLU, aufgenommen am 3. September 1964 auf dem Weinberg Campus.
Das Chemische Institut der MLU, aufgenommen am 3. September 1964 auf dem Weinberg Campus. (Foto: UAHW, Rep.40 V, Nr. 398)

Die erste nachweisbare Besiedlung war 1844 die ehemalige „Landes- und Pflegeanstalt zu Nietleben“. 1935 wurde sie geschlossen und ihre Gebäude in die seit 1934 in unmittelbarer Nachbarschaft entstandene Heeres- und Luftnachrichtenschule integriert. Schließlich wurde entlang der Heideallee eine Kaserne gebaut.
Zu DDR-Zeiten waren auf dem Gelände in Heide-Süd bis zu 9.000 sowjetische Soldaten stationiert. Das Gelände war von einer geschlossenen Mauer umgeben und damit bis zum Abzug der Truppen 1991 für die Außenwelt nahezu hermetisch abgeriegelt.

Etwas mehr tat sich im westlichen Teil des Areals. Dort wurde die Universität aktiv. Zwischen 1952 und 1955 war in der heutigen Kurt-Mothes-Straße bereits das Chemische Institut gebaut worden. In den nächsten Jahren folgten weitere Gebäude, darunter das Institut für Pharmazie in der heutigen Wolfgang-Langenbeck-Straße, das zwischen 1963 bis 1965 entstand. Außerdem fiel Anfang der 70er Jahre der Startschuss für den Bau des Universitätsklinikums, das fortan entlang der Ernst-Grube-Straße in die Höhe wuchs. Ursprünglich vor allem gedacht zur Versorgung der Einwohner Halle-Neustadts, ging es 1979 in den Besitz der MLU über.

Aber auch im außeruniversitären Bereich gab es Zuwachs: 1958 gründete der Biochemiker Kurt Mothes im Auftrag der Deutschen Akademie der Wissenschaften der DDR das Institut für Biochemie der Pflanzen, aus dem nach der Wende das heutige Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie hervorging. 1960 folgte die Gründung des Instituts für Festkörperphysik und Elektronenmikroskopie, ebenfalls eine Einrichtung der DDR-Akademie der Wissenschaften, das später zum Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik wurde.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands begannen die Planungen für die Ansiedlung mehrerer neuer universitärer Forschungseinrichtungen. Außerdem ließen sich zunehmend außeruniversitäre Institutionen nieder, darunter 1992 als eine der ersten die Fraunhofer-Gesellschaft; heute ist das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS hier angesiedelt.

1993 entstand das erste Technologie- und Gründerzentrum. Bereits fünf Jahre danach wurde das Bio-Zentrum eingeweiht, das fortan als Schnittstelle zwischen angewandter Forschung, Entwicklung und Produktion fungierte. Das war eine Initialzündung für die Ansiedlung vieler weiterer Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Sie alle bilden heute den größten Technologiepark Mitteldeutschlands, der zugleich der größte Innovationsstandort der Region ist.

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