Spitzenphysiker zu Gast in Halle – „Er ist die ideale Ergänzung“

28.06.2018 von Tom Leonhardt in Wissenschaft, Forschung
Am Institut für Physik in Halle ist gerade ein besonders gefragter Wissenschaftler zu Gast: Dr. Manuel Bibes. Der französische Physiker gehört weltweit zu den führenden Forschern auf dem Gebiet der oxidischen Grenzflächen. Gemeinsam mit seinen Kollegen an der Martin-Luther-Universität entwickelt er neue Ideen für gemeinsame Forschungsprojekte und verbindet die Expertise vor Ort mit seiner eigenen Arbeit.
Stefan Förster bespricht mit Manuel Bibes, Ingrid Mertig und Wolf Widdra (v.l.) ein neues Experiment im Physik-Institut.
Stefan Förster bespricht mit Manuel Bibes, Ingrid Mertig und Wolf Widdra (v.l.) ein neues Experiment im Physik-Institut. (Foto: Maike Glöckner)

Der Terminkalender von Manuel Bibes ist gut gefüllt: In den vergangenen Tagen hatte er viele Treffen mit verschiedenen Arbeitsgruppen des halleschen Physik-Instituts. „Zuletzt war ich im Labor von Wolf Widdra und wir haben über neue Experimente gesprochen, die wir gemeinsam durchführen wollen“, berichtet der Forscher. Als nächstes steht eine Reise zum Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie auf dem Plan. Dort wird „BESSY II“ betrieben, eine deutschlandweit einzigartige Forschungsanlage, die von zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern genutzt wird.

Manuel Bibes ist Forschungsdirektor am renommierten Centre national de la recherche scientifique (CNRS) – Thales. Dort leitet er den Fachbereich „Oxitronics“. Zuvor war der Physiker unter anderem in der Arbeitsgruppe des französischen Physik-Nobelpreisträgers Prof. Dr. Albert Fert tätig. Seine Arbeit wurde schon vielfach mit Preisen ausgezeichnet, der Europäische Forschungsrat fördert ihn mit einem ERC Consolidator Grant. Dass Bibes aktuell in Deutschland auf Forschungsreise ist, geht auf eine Initiative der halleschen Physikerin Prof. Dr. Ingrid Mertig zurück. Sie hatte ihn erfolgreich für den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung nominiert. Das Preisgeld, 45.000 Euro, ist für mehrere Forschungsaufenthalte in Deutschland vorgesehen.

Ingrid Mertig und Manuel Bibes arbeiten beide auf einem speziellen Gebiet der Festkörperphysik, den oxidischen Grenzflächen. Sie kennen sich seit vielen Jahren: Als in Halle 2007 der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Sonderforschungsbereich (SFB) 762 „Funktionalität oxidischer Grenzflächen“ eingerichtet wurde, begann auch Bibes mit seiner Arbeit zu diesem Thema. Aus ersten Treffen auf Workshops und Tagungen wurden schließlich gemeinsame wissenschaftliche Veröffentlichungen. „Der hallesche SFB zu den Oxiden ist großartig. In Frankreich gibt es keine vergleichbare Forschungsförderung“, sagt Bibes. Auch Ingrid Mertig ist von ihrem Gast begeistert: „Manuel Bibes ist ein weltweit gefragter Experte für oxidische Grenzflächen. Er ist die ideale Ergänzung für unseren SFB.“

Durch den Bessel-Preis kann der bisherige Austausch zwischen der Universität Halle und dem CNRS – Thales weiter ausgebaut werden. Ein Beispiel: In seinem Labor arbeitet Manuel Bibes daran, neue Materialien auf der Nanoebene herzustellen und deren Eigenschaften zu erforschen. Eines dieser neuen Materialien ist ein spezielles Elektronengas, das er vor zwei Jahren entdeckte. Es besteht aus einer extrem dünnen Elektronenschicht. „Dieses Gas könnte uns im Bereich der Spintronik neue Funktionen eröffnen und auch für künftige Speicher- und Elektronikanwendungen von Nutzen sein“, sagt er. Bisher hat seine Arbeitsgruppe aber noch nicht alle Eigenschaften des Gases im Detail verstanden und beschrieben. Hier kommt die Expertise des halleschen Oberflächenphysikers Prof. Dr. Wolf Widdra ins Spiel: Er ist ein internationaler Experte im Gebiet der Charakterisierung von Oxiden und wird Bibes bei der Analyse unterstützen. Gemeinsam mit Ingrid Mertig will das internationale Forscherteam zudem die Resultate der neuen Experimente diskutieren, auswerten und besser verstehen. „Es ist spannend zu sehen, wie sich Experimente und Theorie ineinanderfügen – und sich unsere physikalischen Vorstellungen ergänzen“, sagt Mertig.

„Ich bin der Alexander von Humboldt-Stiftung sehr dankbar für die Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen und jetzt Teil der Humboldt-Familie zu sein“, sagt Bibes. Bereits sein erster Besuch in Halle und die Preisverleihung in Bamberg im Frühjahr dieses Jahres seien sehr inspirierend gewesen. Halle wird Bibes wahrscheinlich Ende des Jahres noch einmal für einen längeren Forschungsaufenthalt besuchen – dann will er auch seine Frau und seine beiden Kinder mit nach Mitteldeutschland bringen.

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