Zehn Jahre Service Learning an der MLU: Freude durch Engagement

15.03.2018 von Friederike Stecklum in Studium und Lehre, Campus
Das Studienmodul „International engagiert studiert“ bringt an der Universität Halle gemeinnützige Organisationen und Studierende zusammen. In konkreten Projekten nutzen die Teilnehmer ihr Fachwissen und erarbeiten praktische Lösungen für gesellschaftliche Aufgaben und Probleme. Das Konzept dahinter ist das sogenannte Service Learning. Seit zehn Jahren bietet die Uni Halle die Möglichkeit, sich auf diesem Wege zu engagieren. Im Interview erläutern der Soziologe und Verwaltungswissenschaftler Dr. Holger Backhaus-Maul von der Uni Halle und die Erziehungswissenschaftlerin Christine Sattler von der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. die Entwicklung und anstehende Aufgaben.
Studierende des ASQ-Moduls "International engagiert studiert"
Studierende des ASQ-Moduls "International engagiert studiert" (Foto: Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.)
Dr. Holger Backhaus-Maul
Dr. Holger Backhaus-Maul
(Foto: Ideazione)

Service Learning feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum an der Uni Halle. Was verbirgt sich hinter der Methode?
Holger Backhaus-Maul: Die Tradition von Service Learning reicht bis in die 1960er Jahre in den USA zurück und ist dort anerkannt und bewährt. Es geht bei dieser Methode um die Frage: Wie kann man Lernen in Schule und Hochschule mit Engagement-Erfahrungen verknüpfen? Das Engagement findet in allen gesellschaftlichen Bereichen statt. Der Sozialbereich ist dabei nur eines von vielen denkbaren Handlungsfeldern.  

Christine Sattler: Das bedeutet, dass sich Studierende akademisches Fachwissen aneignen, dieses Wissen in konkreten Projekten im Gemeinwesen anwenden und mit ihren Erfahrungen die Lehre wieder bereichern.

Backhaus-Maul: Dieser Seitenwechsel ist beim Service Learning entscheidend: Studierende kommen mit ihrem Wissen aus der Universität in einen anwendungsbezogenen Bereich und probieren sich und ihr Wissen aus. Dabei sehen sie, wo und wie sie ihr Wissen einsetzen können und wo Grenzen sind. Umgekehrt ergibt sich für die gemeinnützigen Handlungsfelder und Non-Profit-Organisationen daraus die Möglichkeit, das was alltäglich getan wird, akademisch und kritisch beurteilen zu lassen.

Was erwartet die Teilnehmer des Seminars „International engagiert studiert“?
Sattler: Die Projektaufgaben werden im Vorfeld von den beteiligten Non-Profit-Organisationen formuliert. Das können eine Fragestellung oder eine Aufgabe sein, die eine Organisation hat und wofür sie Unterstützung sucht. Die Projekte werden in Teams aus internationalen und deutschen Studierenden realisiert, die aus diesen Fragen dann ihr jeweiliges Projekt entwickeln.

Backhaus-Maul: Wir bieten dann gemeinsam akademisch begleitende Lehrveranstaltungen an. Etwa zu inter- beziehungsweise transkulturellem Verstehen, Projektmanagement und fachspezifischen Themen.

Welche Projekte haben die Studierenden beispielsweise schon umgesetzt?
Sattler: Um nur einige Beispiele zu nennen: Für das grüne Klassenzimmer des Landesverwaltungsamtes haben Studierende ein Konzept für einen Schülerworkshop zum Thema Umweltschutz entwickelt und dieses umgesetzt. Die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft e.V. hat sich die Frage gestellt, wie andere Länder Krebsprävention in der Öffentlichkeit diskutieren und sichtbar machen. Mit Unterstützung von Studierenden aus der Biologie und den Medien- und Kommunikationswissenschaften haben sie herausgearbeitet, wie Öffentlichkeitsarbeitsstrategien in anderen Ländern zu diesem Thema aussehen. Besonders hilfreich war dabei, dass die Studierenden teilweise aus dem Ausland kamen und diese Frage mit Bezug auf ihr Herkunftsland analysieren konnten.

Christine Sattler
Christine Sattler
(Foto: Marcus-Andreas Mohr)

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen der Uni Halle und der Freiwilligen-Agentur entstanden?
Sattler: Das war ein beiderseitiges Aufeinander zugehen. Die Freiwilligen-Agentur wurde von Absolventen der Uni Halle gegründet und unterstützt Menschen dabei, sich gesellschaftlich zu engagieren. Seitens des Rektorats wurde vorgeschlagen, Service Learning curricular in einem Modul der Allgemeinen Schlüsselqualifikationen für Bachelor-Studierende zu verankern. Dieses Angebot gibt es seit zehn Jahren. Dabei besteht die Besonderheit des Service Learning-Angebots an der Uni Halle darin, dass sich internationale und deutsche Studierende in Teams gemeinsam engagieren. Diese Art der Internationalisierung ist das Alleinstellungsmerkmal der Uni Halle im Vergleich mit anderen, mittlerweile zahlreichen Hochschulen in Deutschland, die Service Learning anwenden und weiterentwickeln.

Sie haben den Aspekt der Internationalisierung bereits angesprochen. Welche Vorteile bietet dieser Fokus des Service Learnings für die Studierenden und die beteiligten gemeinnützigen Organisationen?
Backhaus-Maul: Die Teilnehmenden gewinnen vor allem durch die internationale Kommunikation untereinander wertvolle Kenntnisse und Erfahrungen. Denn sie müssen und dürfen Übersetzungsarbeit sprachlicher und kultureller Art leisten, also interkulturell lernen. Das läuft nicht immer einfach und selbstverständlich ab, wird aber durch unsere Veranstaltungen begleitet. Für die beteiligten Non-Profit-Organisationen bietet diese Art der Internationalisierung die Gelegenheit, sich selbst interkulturell zu öffnen.

Welche Höhepunkte gibt es mit Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre?
Sattler: Natürlich hat jedes Semester seine Höhepunkte, insbesondere in Form der Abschlussveranstaltung. Meine Highlights sind auf jeden Fall die Auszeichnungen, die das Studienmodul bekommen hat. Beispielsweise die Hochschulperle des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der Integrationspreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Backhaus-Maul: Die öffentliche und wissenschaftliche Anerkennung ist ein großer Meilenstein. Darüber hinaus können wir auf mehrjährige Förderungen unserer Arbeit unter anderem durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst und zahlreiche lokale Förderer, wie etwa die Volksbank Halle, zurückblicken. Ebenso hat uns das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in einem bundesweiten Verbund mit vier weiteren Hochschulen unterstützt. Aktuell stehen wir vor der Frage, wie es mit Hilfe des Rektorats, ausgewählter Fakultäten und aufgeschlossener Wissenschaftler gelingen kann, das Thema stärker innerhalb der Universität zu verankern und in die Lehre zu integrieren. Die über zehnjährigen Erfahrung, das Lernen und Lehren im Engagement Freude macht, könnte dabei hilfreich und nützlich sein.

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ASQEngagement

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