Premiere zum 100-Jährigen: Die Geschichte des Uni-Fördervereins

11.02.2019 von Katrin Löwe in Varia
Zum ersten Mal ist die Geschichte der Vereinigung der Freunde und Förderer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (VFF) aufgearbeitet worden. Deren Präsident Dr. Ralf-Torsten Speler hat akribisch in Archiven und an anderen Universitäten recherchiert und dabei auch überraschende Neuigkeiten entdeckt. Die entstandene Chronik wurde im Januar öffentlich vorgestellt, Rektor Prof. Dr. Christian Tietje erhielt das erste Exemplar.
Ralf-Torsten Speler (re.) bei der Übergabe des ersten Exemplars an Rektor Christian Tietje
Ralf-Torsten Speler (re.) bei der Übergabe des ersten Exemplars an Rektor Christian Tietje (Foto: Maike Glöckner)

Es war Sonntag, der 6. Mai 1917, als sich 83 Personen im Hörsaal IX im Löwengebäude zur Gründung der „Akademischen Vereinigung Halle-Wittenberg“ an der damaligen Vereinigten Friedrichs-Universität einfanden. Die Idee war zu dieser Zeit freilich nicht mehr ganz neu: Wenige Monate zuvor schrieb Max Zell, Generaldirektor der Halleschen Pfännerschaft Aktiengesellschaft und später Vorstandsmitglied des Fördervereins, noch an den Kurator der Uni, dass bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges angeregt worden war, eine Vereinigung von Freunden der Universität zu gründen, „welche durch freiwillige Beiträge, Stiftungen u.a.m. Geldmittel zur Verfügung stellen sollte zu besonderen Forschungsarbeiten an unserer Universität, für welche staatliche Mittel im Haushaltsplan nicht bereitgestellt werden konnten.“ Sechs Wochen nach ihrer Gründung hatte die Vereinigung bereits rund 500 Mitglieder, die jährlich 7.000 Reichsmark Beitrag zahlten – neben einem Stiftungskapital von 100.000 Reichsmark. Zu den wichtigsten Geldgebern zählte anfangs der hallesche Bankier Heinrich Lehmann, der zum Schatzmeister gewählt wurde.

Dass die „Akademische Gesellschaft“, wie sie zunächst auch genannt wurde, der erste deutsche Universitäts-Förderverein überhaupt war, ist ein Ergebnis der Recherchen von Dr. Ralf-Torsten Speler, heutiger Präsident der VFF sowie ehemaliger Kustos und Archivleiter der Universität. Akribisch hat er fast zwei Jahre lang recherchiert, hat im Uni-, im Stadt- und im Landesarchiv Sachsen-Anhalt Akten gewälzt, andere Universitäts-Archive und -Vereine angeschrieben. Und so herausbekommen, dass an Hochschulen in Bonn und Erlangen erst ein wenig später, im Juli 1917, Fördervereine gegründet wurden. Nachzulesen ist das inzwischen in der Chronik der VFF, einem 96 Seiten starken Buch, das im Universitätsverlag Halle-Wittenberg erschienen ist und zum Neujahrsempfang der Universität am 18. Januar zum ersten Mal öffentlich vorgestellt wurde. „Ich bin froh, dass ich das umsetzen konnte“, sagt der Autor heute. „Es ist notwendig gewesen.“ Erstmalig, heißt es auch auf einem Flyer zum Buch, werde damit ein „bislang vernachlässigter Aspekt der halleschen Universitätsgeschichte vorgestellt.“ Bundesweit gebe es nur zwei Werke dieser Art, sagt Speler, das andere ebenfalls seit 2018 an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main.

Erzählt werden die Geschichte der VFF und ihre Bedeutung für die hallesche Alma Mater anhand ihrer jeweiligen Vorstände – die ersten vier Vorsitzenden im Übrigen waren jeweils Rektoren beziehungsweise Altrektoren. Am Anfang stand mit Adolf Schmidt ein Mediziner, der nicht nur schon dem US-amerikanischen Präsidenten die Hand geschüttelt, sondern 1913 in Halle auch den ersten deutschen Medizinischen Fakultätentag gegründet hatte. Sein Nachfolger wurde ein Mann, mit dem Buchautor Speler eine besondere Geschichte verbindet: der Mathematiker August Gutzmer, an der Uni Nachfolger von Georg Cantor. Auf ihn stieß Speler in der Blattsammlung zum Vereinsregister des Amtsgerichts in der Merseburger Außenstelle des Landesarchivs. Zuvor hatte er in der Hauptstelle in Magdeburg Berge von Akten durchforstet, ohne dort noch auf große Neuigkeiten zu stoßen. „In Merseburg gab es nur eine einzige Akte, aber ich habe mir gesagt: Die siehst du dir nun auch noch an.“ Und siehe da: Es handelte sich um Gerichtsunterlagen, die Gutzmer, den späteren Präsidenten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, als zweiten Vereinsvorsitzenden auswiesen. Eine Neuigkeit für Speler, die den Archivbesuch in Merseburg länger dauern ließ als geplant.

Insgesamt gab es in den vergangenen 100 Jahren zehn Vereinsvorsitzende beziehungsweise Präsidenten, darunter auch der ehemalige Rektor, Altphilologe und Archäologe Otto Kern, in dessen Amtszeit 1925 der Beschluss fiel, auch Frauen in die Gesellschaft aufzunehmen. Bereits drei Jahre zuvor hatte der Verein den Namenszusatz „Gesellschaft der Freunde der Universität Halle-Wittenberg“ erhalten. Einen entscheidenden Einschnitt erfuhr die Vereinigung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Erst nach der Wende, nach 46 Jahren Zwangspause, wurde sie 1991 wiedergegründet – in Karlsruhe wohlgemerkt. „In den neuen Bundesländern gab es zu der Zeit noch kein Vereinsgesetz“, erzählt Speler. 1992 wurde die Gesellschaft dann auch formal zurück nach Halle geholt.
In den Folgejahren, so ist im Buch zu lesen, haben zwei Personen die Vereinigung besonders geprägt: Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der zum Ehrenvorsitzenden des VFF-Kuratoriums gewählt wurde, und der von ihm vermittelte Vorstandssprecher der Dresdner Bank Dr. Wolfgang Röller, der von 1992 bis 2007 – zunächst  gemeinsam mit Konsul Dr. Gerhard Holland – Präsident  war. „Wolfgang Röller ermöglichte zum Beispiel 1998 die Anschubfinanzierung der Einführung der Uni-Service-Card, finanzierte den Aufbau eines Alumni-Netzwerkes und hat Spendensummen in Millionenhöhe anlässlich der 500-Jahr-Feier der Universität im Jahr 2002 eingeworben“, so Speler.

Jubiläen spielten im Übrigen auch für die jetzt erschienene, mit Bildern und historischen Dokumenten ergänzte Chronik eine Rolle: Die Idee dazu entstand anlässlich der 100-Jahr-Feier der Vereinigung und des 200. Jubiläums der Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg im Jahr 2017. Heute hat die Vereinigung rund 320 Mitglieder – Speler hofft, dass mit der Chronik Interesse und Neugier geweckt und neue Mitstreiter gefunden werden können.

Die Chronik

Speler, Ralf-Torsten: 100 Jahre Vereinigung der Freunde und Förderer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – ältester Förderverein an einer deutschen Universität 1917-2017, Chronik, Universitätsverlag Halle-Wittenberg 2018, 96 Seiten, 109 Abbildungen, 19,80 Euro, ISBN 9-783869-771922

Erschienen ist das von der VFF herausgegebene Buch in einer Auflage von 1.000 Exemplaren. Erhältlich ist es sowohl in der Geschäftsstelle der Vereinigung, Universitätsring 14, als auch über den Verlag und in den halleschen Buchhandlungen Jacobi & Müller und Schweitzer am Campus.

 

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Kommentare

  • Christine Eichhorn -Berndt am 20.02.2019 08:45

    Wer und wie wird Mitglied der VFF?

    • Ramona Mitsching am 20.02.2019 12:44

      Sehr geehrte Frau Eichhorn-Berndt, Ihre Mitgliedschaft können Sie per E-Mail: ramona.mitsching@vff.uni-halle.de
      beantragen. Mitglied können nach unserer Satzung natürliche und juristische Personen werden.
      Gern stehe ich unter o.g. Adresse für weitere Fragen bzgl. der Mitgliedschaft zu Ihrer Verfügung. Alternativ erreichen Sie mich telefonisch unter 0345 522 912. Sollte ich nicht im Büro sein, speichert mein Telefon entgangene Anrufe und ich rufe zurück.
      Mit freundlichen Grüßen
      Ramona Mitsching
      Geschäftsführerin