„Ich bin in drei bis fünf Minuten bereit für die Vorlesung“

16.06.2020 von Susann Lederer in Campus, Studium und Lehre
Präsentationen, Chat und Videos: Über MLUconf, das eigene Webkonferenzsystem der Uni Halle, hält Prof. Dr. Peter Imming im Stud.IP Vorlesungen ab – fast wie gewohnt. Über 100 Studierende folgen mehrmals wöchentlich seiner digitalen Vorlesung „Pharmazeutische/Medizinische Chemie“. Was der Pharmazeut an MLUconf schätzt, wie er die Veranstaltungen und seinen Arbeitsplatz organisiert, darüber spricht er im Interview.
Peter Imming hält digitale Vorlesungen über MLUconf.
Peter Imming hält digitale Vorlesungen über MLUconf. (Foto: Markus Scholz)

Waren Sie vor Ihren ersten MLUconf-Veranstaltungen skeptisch?
Peter Imming: Berührungsängste mit der digitalen Kommunikation hatte ich keine. Aus internationalen Projekten bin ich es gewohnt, vor dem Bildschirm zu sitzen und zu Leuten zu reden, die auf Bildschirme schauen. Ich hatte lediglich Sorge wegen der Übertragungsraten und möglichen technischen Störungen. Das war zum Glück unbegründet.

Was hat Sie von MLUconf, gegenüber anderen Diensten, überzeugt?
MLUconf ist über die Meeting-Funktion sehr gut mit dem Stud.IP vernetzt. Ich kann die Funktionen von Stud.IP nutzen, um beispielsweise Dateien hochzuladen, um an Studierende oder andere Lehrende Rückmeldungen zu geben. Ich habe einen „Vorlesungsraum“ kreiert. Darin finden termingerecht die Lehrveranstaltungen statt, und dazwischen können sich Studierende dort austauschen.

Nutzen Ihre Studierenden diese Austauschmöglichkeiten über MLUconf?
Ich weiß, dass sich manchmal kleinere Gruppen vor meiner Vorlesung in dem digitalen Vorlesungsraum treffen. Außerdem tauschen sie sich in Direktchats während meiner Vorlesungen aus, wie mit Sitznachbarn im Vorlesungssaal. Das ist für mich eine besonders wichtige Option in MLUconf.

Ziehen Sie darum die digitale Live-Vorlesung einer Aufzeichnung vor?
Die Kommunikation Studierender untereinander ist bedeutend für den Lernerfolg, man kann Verständnisprobleme direkt und schnell klären. Das hat die Live-Vorlesung einer Aufzeichnung voraus. Außerdem hilft eine feste Veranstaltungszeit bei der Konzentration. Wenn ich jedoch Stoff an der Tafel entwickeln will, nutze ich statt MLUconf die Opencast-Vorlesungsaufzeichnung vom LLZ. So können die Studierenden besser nachvollziehen, wie man zum Beispiel chemische Formeln schrittweise entwickelt.

Welche weiteren Funktionen von MLUconf helfen in der Lehre?
Die geteilten Notizen sind nützlich für Forschungsgruppenseminare, in denen graduierte Studierende gemeinsam Gedanken erarbeiten. Auch die Umfragen-Funktion ist sehr hilfreich. Mit ihr sammle ich schnell technisches oder auch fachliches Feedback von den Studierenden. Zu Beginn habe ich zum Beispiel immer die Verbindungsqualität per Umfrage eruiert, um sicher zu gehen, dass alle mich gut verstehen und der Vorlesung folgen konnten. Und bis auf wenige Ausnahmen hat auch alles funktioniert. Eine animierte GIF-Datei auf einer Folie führte mal zum kurzen Abbruch der Verbindung.

Mit wie vielen Studierenden sind Sie in die digitale Lehre gestartet?
Wir hatten zuerst ein Arbeitsgruppen-Treffen mit zehn Teilnehmern von verschiedenen Netzwerken und Endgeräten. Als nächstes kam schon die erste Vorlesung mit rund 100 Teilnehmern.

Wie gestalteten sich die Anfänge für Sie als Dozent, welche Mehraufwände mussten Sie auf sich nehmen?
Dr. Kathrin Jäger vom LLZ stand mir zur Seite, und auch die Erklärungen im LLZ-Wiki und auf den ITZ-Seiten haben bei den ersten Schritten geholfen. Vor der ersten Vorlesung brauchte ich eine Viertelstunde, um die Technik zu arrangieren. Mittlerweile bin ich in drei bis fünf Minuten bereit für die Vorlesung, habe also meine Bildschirme eingestellt, die Präsentation gestartet, die Kamera ausgerichtet.

Wie arrangieren Sie Ihren Arbeitsplatz?
Ich nutze zwei Bildschirme, von denen der größere die MLUconf-Oberfläche und die Präsentationsvorschau mit meinen Notizen anzeigt. Den anderen gebe ich in MLUconf für die Studierenden frei. Darauf läuft dann die Präsentation, oder ich teile eine andere App, beispielsweise ein Molekülzeichenprogramm, oder zeige ein kurzes Video. Den Mauszeiger habe ich in den Einstellungen zum Laserpointer geändert, damit die Teilnehmer ihn auch auf mobilen Bildschirmen gut verfolgen können. Das Headset macht bei mir keinen Unterschied zum Webcam-Mikrofon, das Mikrofon im Laptop allerdings ergibt eine weniger gute Tonübertragung. Und schließlich habe ich meine Kamera auf einen weißen Zettel ausgerichtet, den ich wie eine Tafel mit Skizzen und Notizen beschriften kann. Oder ich halte kleine Anschauungsgegenstände in die Kamera.

Zeichnen Sie Teile der Präsentation und der Bildschirme auf?
Für eventuelle künftige Nutzung nehme ich den Ton auf mit dem Bildschirm, auf dem die Präsentation läuft. So werden die Namen der Studierenden nicht mit aufgezeichnet. Ich mache das mit OBS Studio, für das es im LLZ-Wiki eine perfekte Anleitung gibt.

Was ist Ihr Gesamteindruck von MLUconf?
Technisch ist die Umsetzung absolut gelungen, durch die Anbindung ans Stud.IP und seine Funktionen kann ich MLUconf unkompliziert in meine Lehre einbinden. Von den Studierenden habe ich bislang ausnahmslos positives Feedback bekommen. Aber natürlich freue ich mich darauf, wenn die Präsenzlehre wieder stattfinden kann.

MLUconf-Tipps für Lehrende von Prof. Dr. Peter Imming:

  • Umfragen nutzen, um technische und Verständnisprobleme auch bei sehr großem Publikum sehr schnell aufzudecken
  • Mauszeiger als Laserpointer anzeigen (z.B. in den Einstellungen von PowerPoint)
  • Kamera auf Notizzettel zum Mitschreiben und Zeigen richten
  • Nicht das Laptop-Mikrofon benutzen
  • Bürobeleuchtung ausschalten, wenn „Schlieren“ und fortwährende automatische Hell-Dunkel-Anpassungen im Kamerabild auftreten

Kommentar schreiben

Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Kommentare

  • Martin Lindner am 21.06.2020 09:19

    Könnte einmal jemand diese famose Software MLUconf mit Zoom vergleichen? Zoom läuft nach unseren Erfahrungen viel, viel besser (hat natürlich auch seine Grenzen) und mach deutlich weniger Probleme als MLUconf. Neulich konnte uns auch niemand weiterhelfen, wie man bei MLUconf Breakout-Räume erstellt.

    Nach wir vor finde ich die Entscheidung für MLUconf als falsch, Zeitverschwendung und als Tool für das Genieren von Frustration. Auch die Tatsache, dass wir zu Beginn des Semesters mit der noch schwächeren Software Webex gestartet sind, finde ich eine recht unzulängliche Unterstützung für uns Lehrende. Bei einer Disputation (der ersten online-Disputation in einer der Fakultäten) lief dann auch mit MLUconf so ziemlich alles schief, was schief gehen kann.

    Aber das alles kann natürlich auch an mir liegen...
    Martin Lindner, Biologiedidaktik

  • Steven Achilles am 29.06.2020 09:59

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lindner,

    in Vorbereitung auf die Bereitstellung eines Videokonferenzsystems (und als Ergänzung zu DFNconf und Cisco WebEx) wurden diverse Systeme in Betracht gezogen. Uns ist bekannt, dass Zoom sehr viele Vorteile bietet; aber leider beinhaltet Zoom auch sehr viele Nachteile, die - ohne ins Detail zu gehen - die Vorteile deutlich überwogen haben.

    Es ist bedauerlich zu hören, dass Sie mit MLUconf Probleme haben. Insbesondere für die Nutzung von MLUconf in Verbindung mit Breakout-Räumen (siehe auch https://www.campus-halensis.de/artikel/ich-hatte-chaos-befurchtet-aber-das-blieb-aus/ ) und Dissertationsverteidigungen (siehe auch https://www.campus-halensis.de/artikel/vor-der-verteidigung-tafelubungen-mit-promovenden/ ) liegen uns positive Erfahrungsberichte vor.

    Wenn Sie wünschen, so können Sie die Mitarbeiter des ITZ bei technischen Problemen oder die Mitarbeiter des LLZ bei inhaltlichen Fragestellungen kontaktieren.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Steven Achilles

Auf unserer Webseite werden Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung verwendet. Wenn Sie weiter auf diesen Seiten surfen, erklären Sie sich damit einverstanden. Einverstanden