„Es geht nicht darum, den Status quo festzuschreiben“

05.07.2018 von Katrin Löwe in Hochschulpolitik, Campus, Personalia
Christian Tietje ist am Mittwoch zum neuen Rektor der Universität gewählt worden. Der Wirtschaftsjurist erhielt im ersten Wahlgang von den Mitgliedern des erweiterten Senats 24 Stimmen und damit die absolute Mehrheit. Tietje tritt sein Amt als Nachfolger von Udo Sträter am 1. September an – und steht gleich vor wichtigen Aufgaben.
Christian Tietje im Pressegespräch nach seiner Wahl zum neuen Rektor
Christian Tietje im Pressegespräch nach seiner Wahl zum neuen Rektor (Foto: Maike Glöckner)

Rund zwei Stunden dauerte die Vorstellungs- und Diskussionsrunde im erweiterten Senat, die der Wahl vorausging. Die sehr intensive Befragung durch die Senatoren zeige, „dass das Interesse dieser Universität an der inhaltlichen Entwicklung ausgesprochen groß ist“, sagte Christian Tietje in dem sich anschließenden Pressegespräch gegenüber Journalisten. Er freue sich ausgesprochen, gewählt worden zu sein. Der Gegenkandidat, Musikpädagogik-Professor Georg Maas, hatte 16 Stimmen erhalten. Zwei der abgegebenen Stimmen waren ungültig.

Zu seinen ersten wichtigen Aufgaben zählt der neu gewählte Rektor die Verhandlungen über die neuen Zielvereinbarungen mit dem Land, die spätestens ab dem dritten Quartal 2018 konkret werden, die Herausforderungen in der Lehrerausbildung und die Aufstellung eines Haushaltes für das Jahr 2019. Die Universität habe lange unter den Sparbeschlüssen der Landesregierung gelitten, sagte Tietje. Jetzt wolle man keine Spardebatten mehr, auch keine versteckten. „Die Universität braucht Ruhe, aber nicht im Sinne von Stillstand, sondern um sich entwickeln zu können.“

„Es geht nicht darum, den Status quo festzuschreiben. Wir wollen weitere Strukturverbesserung, die nicht heißt: sparen“, stellte Tietje klar. Wie schon in seiner hochschulöffentlichen Vorstellung zwei Tage zuvor nannte der künftige Rektor eine verstärkte Internationalisierung, Diversität und Chancengleichheit, Exzellenz in Forschung und Lehre und eben die Lehrerausbildung als große Herausforderungen. Erklärtes Ziel sei, weiter in der ersten Liga der deutschen Universitäten zu sein – „und nirgendwo anders“. Mit dem vollständigen Berufungsrecht für Professorinnen und Professoren, das die Universität mit der geplanten Novelle des Hochschulgesetzes erhalten soll, müsse beim anstehenden Generationswechsel alles daran gesetzt werden, die besten Köpfe zu bekommen und die Chancengleichheit von Professorinnen und Professoren zu verbessern. Dabei gebe es auch inhaltlichen Gestaltungsspielraum für die Fakultäten in Kooperation mit der Hochschulleitung.

Tietje ist seit Oktober 2001 Professor an der Juristischen Fakultät und ist seit Langem in den Gremien der Universität aktiv. Er gehörte dem Senat von 2006 bis 2010 und 2014 bis 2018 an und ist auch im aktuellen Senat gewähltes Mitglied. Von 2010 bis 2014 war er Dekan der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Berufungen an andere Universitäten lehnte er mehrfach ab. Halle sei nicht nur eine der schönsten Städte, sondern vielleicht die schönste Stadt, in der man wohnen kann, sagte Tietje gestern in der Presserunde. Die Universität biete mit ihrer Kombination aus Exzellenz und kurzen Wegen Möglichkeiten für die Entfaltung von Kreativität. „Wir sind in vielen Bereichen hochinnovativ – jetzt schon.“ Das Arbeitsumfeld stimme für einen Wissenschaftler – auch in der Region mit dem Universitätsbund und außeruniversitären Forschungsinstituten.

Tietje tritt am 1. September die Nachfolge von Prof. Dr. Udo Sträter an, der in den Ruhestand geht. Die Wahl der Prorektoren findet am 11. Juli statt.

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