Ein Amt, zwei Kandidaten und die Vorstellungsrunde im Audimax

03.07.2018 von Katrin Löwe in Campus, Hochschulpolitik
Internationalisierung, die Stärkung der Forschung, ein Generationenwechsel oder Kommunikation – das sind einige der Herausforderungen, vor denen die hallesche Universität aus Sicht der beiden Kandidaten für das Amt des neuen Rektors steht. Am Montagabend haben der Musikpädagoge Prof. Dr. Georg Maas und der Wirtschaftsrechtler Prof. Dr. Christian Tietje sich und ihre Vorstellungen von der Zukunft der Uni im Audimax präsentiert.
Prof. Dr. Georg Maas (li). und Prof. Dr. Christian Tietje stellen sich zur Wahl des Rektors.
Prof. Dr. Georg Maas (li). und Prof. Dr. Christian Tietje stellen sich zur Wahl des Rektors. (Foto: Maike Glöckner)

Ein Last-Minute-Kandidat gegen einen Mitbewerber, der sich nach eigenen Angaben bereits vor Monaten entschieden hat zu kandidieren: Das war die Konstellation zur Vorstellungsrunde der beiden Männer, die zum 1. September 2018 die Nachfolge von Prof. Dr. Udo Sträter als Rektor der halleschen Universität antreten wollen. Er sei allerdings zuversichtlich, diesen „Nachteil“ in der Vorbereitung schnell ausgleichen zu können, sagte Prof. Dr. Georg Maas, der sich erst in der vergangenen Woche für eine Kandidatur entschieden hat.

20 Minuten lang hatten beide Kandidaten am Montagabend zunächst Zeit, sich und ihre Ziele zu präsentieren. Musikpädagoge Maas, per Losentscheid zuerst am Rednerpult, warf dabei seine Erfahrungen als Dekan der Philosophischen Fakultät II in die Waagschale. Die Fakultät habe in seiner jetzt ausklingenden zweiten Amtszeit - die erste dauerte von 2003 bis 2006 - politisch unter immensem Druck gestanden. „Ich habe versprochen, für jedes unserer Fächer zu kämpfen“, sagte er. Und: „Wie wir heute wissen: Es gibt uns noch.“ Maas sprach von innovativen Strukturveränderungen, nannte das 2016 neu gegründete Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften als einzigartigen Fächerverbund. Was in den vergangenen vier Jahren geschafft wurde, wolle er auf die Gesamtuniversität übertragen. Der 60-Jährige sprach von einer Volluniversität, an der auch kleine Fächer ihren Platz haben. Eine Herausforderung sei, zwischen der Breite und der Profilbildung durch national und international sichtbare Leuchttürme einen ausgewogenen Ausgleich zu schaffen. Er wünsche sich zudem eine stärkere Nutzung internationaler Verbindungen im Studium, so der Kandidat. Den bevorstehenden Generationenwechsel an der Uni müsse man als Chance verstehen. Sein Ziel sei eine stolze forschungsstarke Universität, Exzellenzcluster müssten zwar von innen entstehen, bräuchten aber eine Unterstützung durch die Universitätsleitung. In punkto Personalentwicklung sagte er, er sei enttäuscht, dass sich Halle im vergangenen Jahr nicht an der Ausschreibung für Juniorprofessuren aus dem Tenure-Track-Programm beteiligt hat. „Wir dürfen solche Gelegenheiten nicht verstreichen lassen.“ Besser werden müsse auch der Internet-Auftritt der Universität.

Mitarbeiter der Universität und Studierende verfolgten die Vorstellung der Kandidaten, stellten zum Teil auch Fragen.
Mitarbeiter der Universität und Studierende verfolgten die Vorstellung der Kandidaten, stellten zum Teil auch Fragen.
(Foto: Maike Glöckner)

Prof. Dr. Christian Tietje sprach ebenfalls von großen Herausforderungen, die aus seiner Sicht nicht primär von Geldsorgen geprägt seien. Dazu zählte er unter anderem den Generationswechsel an der Uni, die Themen Migration und Internationalisierung, Diversität und Chancengleichheit und die Exzellenz-Initiative des Bundes. Der 51-Jährige skizzierte sechs Punkte, die für ihn besonders wichtig sind: Kommunikation, Internationalisierung, Leistungssteigerung, Strukturverbesserungen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Gestärkt werden müsse neben externen Beziehungen besonders die interne Kommunikation, für die es bislang nicht einmal eine Stelle gebe, sagte er. „Wir wissen zu wenig voneinander.“ Bei der Internationalisierung sei mit dem International Office bereits viel geschehen, „aber wir haben noch viel ungenutztes Potential.“ Er wolle sich dabei mit seiner weitreichenden europäischen und internationalen Vernetzung einbringen. Die Internationalisierung will Tietje zudem - anders als sein Mitbewerber - ebenso wie den Bereich Diversität, Gleichstellung und Familie direkt beim Rektor ansiedeln, vorstellbar in Form von Stabsstellen. Tietje sprach sich für mehr Verbundforschung aus und eine stärkere Vernetzung kleiner Fächer, zu denen er sich ebenfalls ausdrücklich bekannte. Zudem wolle er die Grundlagen für eine CO2-neutrale Uni schaffen. Zielvereinbarungen mit dem Land soll es nach seinen Vorstellungen ab 2020 für die Dauer von fünf statt vier Jahren geben. Notwendig sei auch eine Bestandsaufnahme durch das neue Rektorat im Hinblick auf viele Streichungsbeschlüsse in der Vergangenheit. Diskussionen darüber müssten auf eine transparente, offene Grundlage gestellt werden.

Beide Kandidaten ließen sich im Übrigen bereits in die Karten schauen, was ihre Pläne für das Prorektoren-Team betrifft. Tietje setzt auf Prof. Dr. Wolfgang Paul (Institut für Physik) für das Prorektorat für Forschung, den derzeitigen Prorektor für Studium und Lehre Prof. Dr. Wolf Zimmermann und auf Prof. Dr. Johanna  Mierendorff (Institut für Pädagogik). Ihr Prorektorat soll künftig den Titel wissenschaftliches Personal, Personalentwicklung und Struktur tragen. Maas plant mit Prof. Dr. Wolf Widdra (Institut für Physik) als Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Prof. Dr. Heike Kielstein (Institut für Anatomie und Zellbiologie) als Prorektorin für Studium und Lehre sowie ebenfalls mit Mierendorff  als Prorektorin für Struktur und strategische Entwicklung. Die Prorektorenwahl findet am 11. Juli statt.

Rund anderthalb Stunden stellten sich die beiden Kandidaten im Anschluss an ihre Vorstellung den Fragen des Publikums. Es ging zum Beispiel um die Bedeutung von Inklusion, die Zukunft akademischer Lehrerausbildung, die Befristung von Stellen für Lehrkräfte mit besonderen Aufgaben, die Einbeziehung von Studierenden in Prozesse an der Uni. Und am Ende sogar um einen Blick ganz weit voraus: Würden beide auch für eine zweite Amtszeit kandidieren? Während Maas aus Altersgründen abwinkte, sprach Tietje von einem hohen, kaum zu erreichenden Ziel – mit Respekt vor dem derzeitigen Rektor. Aber: „Ich möchte sicherlich nicht am Ende einer ersten Amtszeit gescheitert dastehen, so dass sich die Frage gar nicht stellt.“

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Rektorwahl

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