Ein neuer Blick auf die Reformation - Internationaler Kongress in Wittenberg

14.07.2017 von Corinna Bertz in Im Fokus, Wissenschaft
Die führenden Reformationsforscher aus aller Welt reisen für den Kongress „Kulturelle Wirkungen der Reformation“ im August nach Wittenberg. Die internationale Tagung, die vom 7. bis zum 11. August an der Stiftung Leucorea stattfindet, wird vom Universitätsbund Halle-Jena-Leipzig ausgerichtet, Schirmherrin ist Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka. Über das Programm und die Aufgabe der Wissenschaft im Jubiläumsjahr spricht Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke, Rektoratsbeauftragter für das Reformationsjubiläum der Uni Halle und Vorstandsvorsitzender der Leucorea. Der Kongress zu den kulturellen Wirkungen der Reformation schließt zeitlich direkt an den 13. Internationalen Kongress für Lutherforschung in Wittenberg an.
Kongress-Logo (Gestaltung: Barbara Dimanski)
Kongress-Logo (Gestaltung: Barbara Dimanski)

Ist das der wissenschaftliche Höhepunkt im Jubiläumsjahr?

Ernst-Joachim Waschke: Für unsere Universität und den Universitätsbund ist dieser internationale und interdisziplinäre Kongress fraglos der wissenschaftliche Höhepunkt im Reformationsjahr. Wir erwarten 160 Teilnehmer, darunter die führenden Wissenschaftler ihres Fachs. Gemeinsam werden wir uns mit den Wirkungen der Reformation beschäftigen, die bis in die Gegenwart reichen. Die Wirkungen der Reformation gehen übrigens nicht allein auf Luther zurück, deshalb sind im Kongress-Logo neben Luther auch die Reformatoren Johannes Calvin und Ulrich Zwingli zu sehen. Uns interessieren vielmehr die verschiedenen Ausprägungen der Reformationen. Inhaltlich gibt es zwischen den beiden Tagungen natürlich eine Verbindung: Der Internationale Kongress für Lutherforschung beschäftigt sich mit Luther sowie theologischen und kirchengeschichtlichen Fragen des 16. Jahrhunderts. Wir setzen uns anschließend mit der Prägekraft der Reformation auf Alltag und Kultur sowohl im Reformationsjahrhundert als auch in den darauf folgenden Jahrhunderten auseinander.

Die Kongressteilnehmer diskutieren auch über das Für und Wider des Konzepts „Kulturelle Wirkungen der Reformation“. Ist die Wissenschaft sich nicht darüber einig, dass die Reformation kulturelle Auswirkungen hatte?

Natürlich gibt es auch in diesem Punkt Anlass zur Diskussion. Heute kann man fast jeden Begriff nehmen und behaupten, dass er sich irgendwie auf Luther zurückführen ließe. Nehmen Sie den Individualismus, den die einen auf die europäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts und andere auf das 19. Jahrhundert und Sigmund Freud zurückführen. Wieder andere argumentieren, dass diese Idee bereits bei Luther auftaucht, und zwar in Bezug auf die biblische Lektüre: Jeder soll selbst Gottes Wort lesen und sich damit in eigener Verantwortung auseinandersetzen. Ein weiteres Beispiel: Es gibt auch die Thesen, dass der Protestantismus eine der Wurzeln des Kapitalismus sei oder dass wir der Reformation das deutsche Schulwesen verdanken. Es gilt, alle solche Thesen kritisch zu überprüfen.

Kongress: Kostenfreie Teilnahme für Studierende und Konzert

Studierende, die ihre Immatrikulationsbescheinigung vorlegen, können den Kongress kostenlos besuchen. Doktoranden zahlen eine ermäßigte Kongressgebühr. Alle Interessierten werden um eine verbindliche Anmeldung über die Website des Kongresses bis zum 20. Juli 2017 gebeten. Auch der Besuch einzelner Tage ist möglich und kann direkt vor Ort gebucht werden.

Das Akademische Orchester der Universität Halle wird im Rahmen des Kongresses am 9. August um 20.30 Uhr in der Wittenberger Schlosskirche musikalische Zeugnisse der Reformation erklingen lassen. Karten sind für 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, an der Abendkasse, für Kongressteilnehmer im Zuge der Anmeldung und ab 7. August auch im Kongressbüro in der Stiftung Leucorea, Collegienstraße 62, erhältlich.

Luthers Leucorea: Forschung in Wittenberg

Zwei durch das Land geförderte Forschungsprojekte an der Leucorea, Stiftung an der Universität Halle, widmen sich der Geschichte und Wirkung der Reformation. Über die Forschergruppe „Das ernestinische Wittenberg: Universität und Stadt (1486 – 1547)“ und das Graduiertenkolleg „Kulturelle Wirkungen der Reformation“, das unter Leitung der Reformationsgeschichtlichen Sozietät der Universität Halle in Kooperation mit der Leucorea eingerichtet worden ist, berichtet das Onlinemagazin.

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