Der Biologe und die Erfinder

23.04.2019 von Katrin Löwe in Wissenschaft, Wissenstransfer
Sein Metier sind Fragen zum Schutz geistigen Eigentums, zu Erfindungen aus der Wissenschaft heraus: Dr. Robert Szczesny arbeitet im neu strukturierten Referat „Transfer- und Gründerservice“ der Uni. Dafür hat der 41-Jährige selbst noch einmal ein Studium aufgenommen.
Robert Szczesny ist für den Transfer- und Gründerservice mit dem Fahrrad auf dem Campus unterwegs.
Robert Szczesny ist für den Transfer- und Gründerservice mit dem Fahrrad auf dem Campus unterwegs. (Foto: Markus Scholz)

In der Langen Nacht der Wissenschaften hat er von eher zufälligen Erfindungen berichtet – vom Eis am Stiel oder dem Post-it, das eigentlich mal ein Superkleber werden sollte. Dr. Robert Szczesny hat die Gäste zum Schmunzeln gebracht – aber auch zum Staunen mit seinen Erzählungen über rein hallesche Erfindungen. „Die Reaktionen waren gut, der Hörsaal jedes Mal voll, das war schon schön“, sagt er. Szczesny ist jahrelang als Technologiescout an der Uni tätig gewesen. Inzwischen ist er im Referat 6.3 „Transfer- und Gründerservice“ – bis Februar hieß es noch „Servicestelle Ideen-Schutz-Verwertung“ – vor allem für den Schutz geistigen Eigentums (intellectual property – IP), für Fragen zum Patent-, Wettbewerbs- und Urheberrecht oder für die Annahme und Prüfung von Erfindungsmeldungen aus den Reihen der Universität zuständig. Das klingt zwar nicht zuletzt auch nach viel Papier und Bürokratie. „Aber wenn man Spaß an Wissenschaft, Technik und Fortschritt hat, dann ist das überhaupt nicht trocken“, betont er.

Noch vor einigen Jahren hat der 41-Jährige, aus Wimmelburg bei Eisleben stammend, selbst auf dem Weinberg Campus im Labor gestanden. Ab 1997 hat er an der MLU Biologie studiert, wurde 2009 im Bereich der Pflanzengenetik promoviert und arbeitete anschließend für anderthalb Jahre in einem Kooperationsprojekt mit einem amerikanischen Unternehmen. Der Job im Labor – gearbeitet hat er zuletzt zu DNA-Bindeproteinen aus Bakterien – war interessant, sagt der Wissenschaftler. Aber: „Anwendungsorientierte Forschung mit auf die Beine zu bringen, das ist noch interessanter für mich.“ Als das Kooperationsprojekt 2012 auslief, kam ihm der Zufall zu Hilfe. An der Uni wurde gerade zum ersten Mal ein Technologiescout gesucht. Statt sich um Bakterien und Proteine zu kümmern, durchforstete Szczesny nun Publikationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der MLU, verschaffte sich einen Überblick über die Forschung in den einzelnen Fachbereichen, führte Gespräche. Immer mit der Frage: Kann man daraus etwas machen, ist ein Transfer aus der Forschung hinaus möglich? Um welche Verwertung es auch geht – die Anmeldung von Schutzrechten, eine Unternehmensgründung, überhaupt die Relevanz für Wissenschaft, Wirtschaft oder Gesellschaft: „Wir denken da sehr offen“, sagt er.

Sich auch in wissenschaftliche Veröffentlichungen aus anderen Fachbereichen hineinzudenken, ist dem bis Ende September 2018 als Technologiescout tätigen Biologen nicht schwergefallen. „Biologie ist ja an sich schon eine Querschnittswissenschaft“, sagt er. Und bis ins letzte Detail müsse man ein Paper gar nicht verstehen. „Darum ging es beim Scouting: Dass man eine erste Ahnung hat, dann das Gespräch mit dem Wissenschaftler führt und der Sache auf den Zahn fühlt.“ Rund ein Viertel der Forschenden suchen nach seinen Schätzungen von sich aus den Weg zu den Experten vom Transfer- und Gründerservice. „Ich habe auch festgestellt, dass viele sehr offen sind, wenn man sie anruft.“

Neu ist im Übrigen nicht nur der Name des Referats, in dem er – wenn auch nun mit anderem Aufgabengebiet – weiterarbeitet. Auch darüber hinaus gibt es Änderungen. Künftig etwa übernehmen externe Kanzleien die Patentanmeldungen im Namen der Universität und vertreten die Uni gegebenenfalls vor Gericht. Sie werden bedarfsbezogen und fachspezifisch hinzugezogen, was aus Szczesnys Sicht durchaus Vorteile hat. So könnten etwa auch mehrere Kanzleien parallel an unterschiedlichen Anmeldungen arbeiten. Diese Struktur werde inzwischen von immer mehr Hochschulen verfolgt, so der Referent. Er selbst versteht sich dabei als Kontaktstelle zwischen der Universität mit ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der einen und den Anwaltskanzleien auf der anderen Seite. Um diese Position so gut wie möglich auszufüllen, hat Szczesny 2017 noch ein weiteres Studium begonnen: Berufsbegleitend steuert er auf einen Masterabschluss im Patentingenieurwesen zu. „Lebenslanges Lernen ist toll, lebenslange Prüfung macht nicht so wirklich Spaß“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich sei der Schritt zu dem Studium aber nicht so groß gewesen. Immerhin habe er kein völliges Neuland betreten: „Als Scout war ich ohnehin bereits mit den Themen konfrontiert, habe dazu schon Seminare gegeben.“

Bereut habe er den Wechsel vom Labor an den Schreibtisch bis heute im Übrigen nicht, so Szczesny. „Das Spannende am Technologietransfer ist, dass man manchmal auch mit den richtigen Fragen oder Hinweisen Grundlagenforschung in eine Richtung leitet, bei der die Gesellschaft über den Erkenntnisgewinn hinaus etwas davon hat.“ Dabei gehe es ihm selbst gar nicht so sehr um die Kommerzialisierung von Wissenschaft, sondern um praktischen Nutzen. Zu seinen Aufgaben zählt dabei auch, den Stand der Technik zu recherchieren, wenn es um neue Erfindungen geht, die patentiert werden sollen. Im Übrigen gelte in Sachen Patentschutz nach wie vor eine wichtige Regel: Erst anmelden, dann publizieren.

Als Riesenvorteil sieht der IP-Manager, dass in den vergangenen Jahren am Weinberg Campus – dort sitzt auch er – so viel Wissenschaft zusammengezogen wurde. Das macht vor allem Absprachen mit den Forscherinnen und Forschern einfacher. „Man trifft sich auf einen Kaffee oder geht eben schnell mal rüber“, sagt er. Beziehungsweise fährt: Szczesny ist nicht nur in seiner Freizeit gern mit dem Fahrrad unterwegs und freut sich über jede Stunde, die er damit durch die Natur fahren kann. Er nutzt es auch für den Weg zur Arbeit und die eine oder andere dienstliche Tour auf dem Campus. „Ich bin mit dem Rad einfach schneller“, sagt der zweifache Familienvater.
 

Dr. Robert Szczesny
Abteilung 6 – Forschung, Transfer und Drittmittelservice
Referat 6.3 –  Transfer- und Gründerservice
Tel. +49 345 55-21414
Mail:robert.szczesny@verwaltung.uni-halle.de

 

Schlagwörter

Innovation

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