KI trifft Landwirtschaft: Minister übergibt Millionenförderung

„Mit SYMBIOSA-KI fördern wir nicht nur ein wissenschaftlich herausragendes Projekt, wir stärken auch die Attraktivität unserer Wissenschaftslandschaft über die Landesgrenzen hinaus. Hier werden Pflanzenforschung, Digitalisierung und künstliche Intelligenz auf höchstem Niveau zusammengeführt“, sagte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann anlässlich der Übergabe des Förderbescheids. Die Mittel stammen vom Wissenschaftsministerium Sachsen-Anhalt und aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Es ist das erste Projekt, das im Rahmen des Förderprogramms „Sachsen-Anhalt Wissenschaft STEP“ gefördert wird.
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Entwicklung eines sogenannten biodigitalen Zwillings für Gerste, ein möglichst realitätsnahes, digitales Abbild der Pflanze. Dafür sammeln die Forschenden über das gesamte Pflanzenleben hinweg Daten: wann welche Gene aktiv sind, wie Wetter und Boden auf die Entwicklung wirken, wie die Pflanze wächst und welche Mikroorganismen im Boden und an den Wurzeln zu finden sind. Aus all dem entsteht mithilfe von künstlicher Intelligenz ein komplexes Modell, mit dem sich Pflanzenwachstum und -entwicklung unter verschiedenen Bedingungen simulieren lassen.
Im Rahmen des Projekts soll ein Prototyp entwickelt werden, der das Potenzial an zwei konkreten Fragestellungen illustriert. Die Ergebnisse des Projekts sollen als Grundlage für eine mögliche Ausgründung dienen, um aus dem Prototyp einen KI-basierten Assistenten zu entwickeln, der zum Beispiel Landwirte bei der Sortenwahl oder Pflanzenzüchter bei Entscheidungen unterstützt. Perspektivisch lässt sich der Ansatz auf andere Pflanzen- und vielleicht auch Tierarten erweitern.
Das neue Projekt schließt an die Arbeiten des von der MLU koordinierten Strukturwandelverbunds „DiP Sachsen-Anhalt – Modellregion der Bioökonomie“ an. In dessen Rahmen soll im südlichen Sachsen-Anhalt eine Modellregion für eine digitalisierte, klimaneutrale und wettbewerbsfähige pflanzenbasierte Bioökonomie etabliert werden. „Die Forschung zu Kulturpflanzen hat an der Universität eine große Tradition, insbesondere mit Blick auf die Anwendung in der Landwirtschaft. Die neue STEP-Förderung ist die optimale Ergänzung für die Arbeit des DiP-Verbundes“, sagte Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker.
Der Pflanzenforscher und DiP-Sprecher Prof. Dr. Klaus Pillen, der den Bescheid stellvertretend für den Projektleiter Dr. Thomas Schmutzer entgegennahm, ist von der Idee des Projekts überzeugt: „In der Medizin werden digitale Zwillinge künftig ein zentrales Element der Gesundheitsvorsorge bilden.“ Die Technologie lasse sich auch auf Pflanzen übertragen. „Wir wollen mit unserer Arbeit die Digitalisierung im Pflanzensektor voranbringen und dadurch neue Wertschöpfungsketten etablieren sowie bestehende weiter ausbauen.“
Weitere Artikel zum Thema
Ein Booster für die Bioökonomie
In Sachsen-Anhalt treibt das Projektkonsortium „Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten“ (DiP) die Verbindung von Hightech und pflanzlicher Wertschöpfung voran. Mit Drohnen, Genomforschung, Digitalisierung und nachhaltigen Produktionsmethoden entsteht eine Modellregion für die Zukunft der Bioökonomie. Artikel lesen


