„Ich konnte einen persönlichen Beitrag leisten“

28.05.2026 von Katrin Löwe in Personalia, Internationales
Seit sieben Jahren ist Anke Stahl als Bereichsleiterin beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) die Vertrauensperson für die MLU. In der kommenden Woche wird sie zum letzten Mal in dieser Funktion in Halle sein. Als gebürtige Hallenserin und Alumna der MLU hat Stahl auch während ihrer Auslandsaufenthalte in der Slowakei, Südkorea oder Vietnam nie den Kontakt zu ihrer Heimatstadt verloren.
Anke Stahl
Anke Stahl (Foto: privat)

Halle war und ist ein Ankerpunkt in ihrem Leben. Hier wurde Anke Stahl geboren, hier studierte sie bis 1985 an der MLU auf das Lehramt für Deutsch und Geschichte und arbeitete drei Jahre lang als Klassenlehrerin an einer Schule. Von hier aus ging sie ins Ausland und baute sich eine Karriere auf, die sie bis in die Bereichsleitung für Projekte, Forschung und Internationalisierung sowie Hochschulverbünde beim DAAD in Bonn führte. 

Die Verbindung zu Halle und der Universität sei immer geblieben, sagt Stahl. In den vergangenen Jahren sei sie sogar besonders intensiv gewesen: Denn Stahl war seit 2019 Vertrauensperson für die MLU. Das Amt sei beim DAAD einst geschaffen worden, damit die Hochschulleitungen und International Offices von mittleren und größeren Universitäten einen direkten Ansprechpartner beim DAAD für alle Fragen rund um Internationalisierung und Förderung haben, erklärt Stahl. 

Sie war zunächst für zwei andere Universitäten zuständig, griff nach einem Auslandsaufenthalt aber sofort zu, als das Amt für die Universitäten Halle und Leipzig vakant wurde. „Für mich war das ein Glücksfall, eine sehr schöne Gelegenheit, meine Alma Mater zu unterstützen und zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt hat.“

Ein bis zweimal im Jahr kam sie seitdem an die MLU, hielt Vorträge auf den „International Days“, informierte über Entwicklungen im DAAD und zu Förderprogrammen, beriet zu strategischen Entwicklungen im Bereich Internationalisierung. Neben der emotionalen Beziehung zu Halle als ihrer Geburts- und Studienstadt sei das ihre Motivation für das Amt als Vertrauenskontakt gewesen: „Ich konnte etwas zurückgeben, einen persönlichen Beitrag leisten.“

Auch außerhalb ihrer Aufenthalte seien die Kontakte nach Halle intensiv gewesen, sagt Stahl, insbesondere im Zusammenhang mit Projektförderungen und Beratung. Ein Ergebnis: Die MLU erhielt aus dem DAAD-Programm „FIT – Förderung internationaler Talente zur Integration in Studium und Arbeitsmarkt“ 1,2 Millionen Euro, um internationale Studierende nach dem Studium als Fachkräfte in der Region zu halten. „Das war eine kompetitive Auswahl, es hat mich sehr gefreut, dass meine Uni dabei ist“, sagt Stahl. 

Etwas zurückgeben möchte Anke Stahl auch für die gute Ausbildung, die sie an der MLU genossen habe. „Rückblickend schätze ich bis heute die Praxisnähe“, betont sie. Insbesondere in Methodik und Didaktik habe sie ausgezeichnete Dozenten gehabt, „das war ein wirkliches Glück auch für meine spätere Arbeit als Lektorin“. Nach ihrer Zeit an der halleschen Schule war Stahl 1988 zunächst an die MLU zurückgekehrt in der Hoffnung, über diesen Weg eine Stelle als Lektorin im Ausland zu bekommen. Sie habe die Welt kennenlernen wollen, hat sie zuletzt im Rahmen eines DAAD-Zeitzeugenprojekts zur DDR erzählt. Dass ihr Vater verhaftet worden war, weil er aus der DDR fliehen wollte, und mittlerweile im Westen Deutschlands lebte, verhinderte aber zunächst ihre internationale Karriere. Diese begann erst mit dem Mauerfall: Fünf Jahre arbeitete Stahl als Lektorin in der Slowakei, anschließend in Südkorea. Von dort aus ging sie 1998 in die DAAD-Zentrale nach Bonn, hatte aber von 2013 bis 2017 noch einmal einen Auslandsaufenthalt in Vietnam. Eine von vielen Begegnungen, die ihr in Erinnerung geblieben sind: Als sie sich dort im Bildungsministerium vorstellte, löste sie mit ihrer Herkunft und ihrem Studienort Begeisterung beim Gesprächspartner aus. Dessen Sohn hatte ebenfalls in Halle studiert.

Aber nicht nur beruflich ist Halle über die Jahre präsent gewesen. Kontakt habe sie immer gehabt, sagt Stahl: zu früheren Kolleginnen und Kollegen, den  Kommilitoninnen und Kommilitonen an der MLU, zu den ehemaligen Schülerinnen und Schülern der halleschen Schule, die sie alle ein bis zwei Jahre trifft. Seit fast 30 Jahren verfolgt sie über das Ehemaligen-Netzwerk „alumni halenses“ die Alumniarbeit der Universität. All das wird auch bleiben, wenn sie sich in diesem Sommer in den Ruhestand verabschiedet. Zuvor tritt sie in an der MLU in Halle aber noch einmal offiziell für den DAAD auf: bei einer Podiumsdiskussion am 3. Juni zu Herausforderungen für die Internationalisierung.

Zur Veranstaltung:

„Die resiliente Hochschule: Dialogveranstaltung mit dem DAAD zu aktuellen hochschulpolitischen Herausforderungen für die Internationalisierung“
3. Juni 2026, 14.15 - 15.45 Uhr
Hallischer Saal, Burse zur Tulpe
Universitätsring 5, 06108 Halle

In vielen Teilen der Welt stehen Hochschulen zunehmend unter politischem Druck. Dies wirft Fragen zur Internationalisierung von Hochschulen auf: 

  • Wie können internationale Kooperationen in angespannten Umfeldern etabliert und gepflegt werden? 
  • Welche Effekte sind bei der Gewinnung internationaler Studierender zu erwarten? 
  • Wie kann das Campusleben weiterhin weltoffen und vielfältig gestaltet und gelebt werden? 
  • Welche Implikationen haben politische Umwälzungen auf die Außenwirkung von Hochschulen und ihren Standorten?
  • Auf welche Weisen steht Wissenschaftsfreiheit international unter Druck und wie gehen Hochschulen damit um?

In der Podiumsveranstaltung wird über diese Fragen mit dem Ziel diskutiert, Erfahrungen und Diskussionsstände auszutauschen und Impulse für die zukünftige Internationalisierung mitzunehmen.

Auf dem Podium diskutieren: Anke Stahl (DAAD), Dr. Boris Wille (MLU, International Office), Prof. Dr. Petra Dobner (MLU, Institut für Politikwissenschaft), Moderation: Dr. Edda Willamowski (MLU, Seminar für Ethnologie)

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