Veredelte Pflanzen und eine preisgekrönte Masterarbeit

23.02.2021 von Katrin Löwe in Personalia, Wissenschaft
Die Trägerinnen und Träger der diesjährigen Universitätspreise für besonders herausragende Arbeiten stehen fest. Einer von ihnen ist Kai Steffen Bartusch. Der mittlerweile in Zürich forschende Wissenschaftler hat sich in seiner Masterarbeit mit dem sogenannten Pfropfen von Pflanzen und den dabei ablaufenden Prozessen befasst.
Kai Steffen Bartusch an seiner neuen Wirkungsstätte mit Blick auf das Hauptgebäude der ETH Zürich.
Kai Steffen Bartusch an seiner neuen Wirkungsstätte mit Blick auf das Hauptgebäude der ETH Zürich. (Foto: Simona Crivelli)

Nicht nur Forschenden, sondern auch vielen Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern ist der Begriff durchaus geläufig: das Pfropfen. Dabei werden Teile zweier Pflanzen zusammengeführt und verwachsen zu einer neuen. Bekannt ist diese Methode vor allem aus dem Obst-, Zierpflanzen- und Weinbau, aber auch Tomaten, Auberginen oder Wassermelonen werden so seit einigen Jahrzehnten veredelt. Mit der Methode können zum Beispiel Gewächse herangezogen werden, die weniger anfällig für Krankheiten sind, eine bestimmte Größe erreichen sollen oder aber mehrere unterschiedliche Früchte tragen. Kai Steffen Bartusch hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Pfropfen beziehungsweise den dabei ablaufenden Prozessen befasst –  allerdings nicht im Gartenbau, sondern im Labor. Für seine aus dieser Forschung entstandene und mit der Note 1,0 bewertete Masterarbeit unter dem Titel „Elevated temperatures accelerate graft formation: a key factor for optimizing cotyledon micrografting“ hat er jetzt den mit 5.000 Euro dotierten SKWP-Preis der Universität erhalten, gestiftet von den Stickstoffwerken Piesteritz.

Konkret, erklärt der Hallenser, ging es in seiner von Prof. Dr. Marcel Quint betreuten Arbeit um das Pfropfen von Sämlingen im Labormaßstab – und den Einfluss der Temperatur darauf, wie gut und schnell sich die Gefäßsysteme der Pflanzen dabei verbinden. Getestet hat Bartusch das an der Modellpflanze Arabidopsis thaliana, der Acker-Schmalwand. „Eine Kernerkenntnis war, dass insbesondere hohe Temperaturen den Heilungs- und den Gefäßneubildungsprozess beschleunigen und zeitgleich auch die Erfolgsquote beim Pfropfen erhöhen können.“ Als hilfreich erwies sich eine Umgebungstemperatur von 27 Grad Celsius. Auch die molekularen Abläufe habe er sich angeschaut, so Bartusch. Bei erhöhten Temperaturen werde mehr des Pflanzenhormons Auxin gebildet, das an der Pfropfstelle die Gefäßneubildung beschleunigt. Der nächste Schritt wäre nun ein Test mit Nutzpflanzen, sagt der Wissenschaftler.

Bartusch hat in Halle zunächst ab 2015 Agrarwissenschaften studiert und den Masterstudiengang Bioinformatik angeschlossen. Pflanzen haben ihn schon immer fasziniert, sagt er – sein erstes Herbarium habe er im Alter von sieben Jahren angelegt, vor dem Studium ein freiwilliges Jahr im Gartenbau absolviert. Inzwischen ist der 23-Jährige Doktorand an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Halle habe er verlassen, um auch andernorts Erfahrungen zu sammeln. „In Zürich gibt es Spitzenforschung in meinem Fachbereich“, sagt er. Während des Masterstudiums hatte Bartusch bereits ein zweimonatiges Praktikum bei Dr. Charles W. Melnyk, einem der weltweiten Experten für das Mikropfropfen an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala (SLU), absolviert. Seine Zukunft sieht der junge Pflanzenwissenschaftler in der akademischen Forschung, gern auch wieder in Halle.

Weitere Preisträgerinnen und Preisträger

PD Dr. Ulrike Witten hat den Christian-Wolff-Preis 2021 erhalten. Gewürdigt wurde damit ihre Habilitation unter dem Titel „Inklusion und Religionspädagogik. Impulse für eine Inklusionstheoretisch reflektierte Religionspädagogik und eine religionspädagogische Inklusionstheorie“. Der Christian-Wolff-Preis ist mit 1.500 Euro dotiert.

Der Dorothea-Erxleben-Preis für eine herausragende Dissertation wurde in den Lebens- und Naturwissenschaften an Dr. Johannes Hunold verliehen. Titel seiner Arbeit war „EPR-spektroskopische Untersuchung der Solvatisierung amphiphiler Substanzen im wässrigen Medium“. Mit dem Anton-Wilhelm-Amo-Preis wurde Robin Richard Neumann für seine Masterarbeit „Orbital Magnetic Moment of Magnons“ geehrt. Beide Preise sind mit 1.000 Euro dotiert.

Für ihre besonderen akademischen Leistungen und ihr gesellschaftliches und interkulturelles Engagement wurde die Studentin Lina Maria Rayo Abella aus Kolumbien mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) 2021 ausgezeichnet. Er ist mit 1.000 Euro dotiert.

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Pflanzenforschung

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