Preisgekrönte Arbeit zu Klima- und Landnutzungsszenarien für Nordghana

05.09.2018 von Katrin Löwe in Wissenschaft, Forschung, Personalia
Welchen Einfluss haben Änderungen in Klima und Landnutzung auf die Ernährungssicherheit und die Verfügbarkeit von Wasser im Norden Ghanas? Mit diesen Fragen hat sich Janina Kleemann, Mitarbeiterin am Institut für Geowissenschaften und Geographie, im Rahmen ihrer Dissertation befasst. Auf der Jahrestagung der deutschen geowissenschaftlichen Fachverbände in Bonn wird sie heute mit dem Bernd-Rendel-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft geehrt.
Janina Kleemann im Gespräch mit einem Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Beratungsdienstes in Nordghana.
Janina Kleemann im Gespräch mit einem Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Beratungsdienstes in Nordghana. (Foto: privat)

Das Interesse für Afrika war früh da: Noch vor ihrem Studium von Landschaftsökologie & Naturschutz in Greifswald lebte Janina Kleemann ein halbes Jahr in Südafrika, leitete Safari-Touren und befasste sich mit invasiven Arten sowie der Kartierung eines 20.000 Hektar großen Naturschutzgebietes. Dass ihre Dissertation die heute 33-Jährige ebenfalls auf den Kontinent führen würde, hatte mit einem Projekt zu tun, für das sie seit 2011 zunächst als wissenschaftliche Assistentin tätig war: das West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use (WASCAL). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat den Aufbau des Forschungszentrums im Rahmen seiner Afrika-Strategie mit 50 Millionen Euro gefördert. WASCAL ist heute in zehn westafrikanischen Ländern aktiv, hat Forschungsschwerpunkte in Ghana, Benin und Burkina Faso.

Für ihre Dissertation hat Kleemann insgesamt 95 Experten befragt. Neben deutschen Wissenschaftlern im Projekt gehörten dazu Vertreter landwirtschaftlicher Beratungsdienste in Nordghana, Wissenschaftler am WASCAL-Kompetenzzentrum in Burkina Faso, aber auch Experten aus ghanaischen Forschungseinrichtungen. Mit ihnen gemeinsam hat sie ein Modell der verschiedenen Klima- und Landnutzungsszenarien sowie landwirtschaftlicher Maßnahmen und ihren Einfluss auf sogenannte Ökosystemleistungen entwickelt. „Das Modell kann Zusammenhänge und Wahrscheinlichkeiten abbilden“, sagt die Forscherin. Ein Beispiel: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass den vor allem für den Eigenbedarf produzierenden nordghanaischen Kleinbauern bei einem niedrigen Jahresniederschlag, einem mittleren Haushaltseinkommen und zwischenzeitlichen Dürreperioden bis zur nächsten Ernte ausreichend Nahrung zur Verfügung steht? Das Zusammenspiel von Wetter- und Landnutzungsfaktoren sowie verschiedener landwirtschaftlicher Maßnahmen sei in dieser Komplexität dort noch nicht untersucht worden – und nicht mit so vielen beteiligten Wissenschaftlern, sagt Kleemann. Die Region gehört zu den ärmsten in Ghana.

Eingeflossen in die Arbeit sind auch Erkenntnisse wie die, dass die Verbesserung des Durchschnitteinkommens eher zur Ernährungssicherheit beiträgt als die Verbesserung landwirtschaftlicher Programme und der Bewässerung oder die Reduzierung von Bodenerosion und Verlusten bei der Nahrungsmittellagerung, wenn ein Teil des Einkommens zum Kauf und Einsatz von anorganischen Düngemitteln eingesetzt wird. „Der Boden in Nordghana ist stark ausgelaugt“, erklärt Kleemann. Anorganische Düngemittel sind jedoch relativ teuer und würden nur marginal eingesetzt. Berücksichtigt hat sie zum Beispiel auch, dass in der Trockenzeit rund 100.000 Menschen die Region in Richtung Südghana verlassen, um einer Nahrungsmittelknappheit zu entkommen und um Geld zu verdienen, das sie teilweise ihren Familien nach Nordghana schicken.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit können vor Ort unter anderem zur Beratung der Politik genutzt werden, sagt die Forscherin – mit dem Modell könnten zum Beispiel Sinnhaftigkeit und Auswirkungen von landwirtschaftlichen Programmen getestet werden. Den Hauptteil ihrer Arbeit hat Kleemann noch am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn geleistet. Seit Dezember 2017 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geowissenschaften und Geographie, Fachgebiet Nachhaltige Landschaftsentwicklung, der MLU. Betreut wird ihre Dissertation, deren Verteidigung noch aussteht, von Beginn an durch Prof. Dr. Christine Fürst, die seit 2016 Professorin für Nachhaltige Landschaftsentwicklung in Halle ist.

Der mit 1.500 Euro dotierte Bernd-Rendel-Preis wird jährlich an Nachwuchsforscherinnen und -Forscher der Geowissenschaften vergeben  – in diesem Jahr an zwei. Aktuell forscht Kleemann unter anderem zum Einfluss externer Ökosystemleistungen auf Deutschland sowie an der Anwendbarkeit des Ökosystemleistungkonzeptes in der Landnutzungsplanung.

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Geowissenschaften

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