Nightline-Initiative: Ein Zuhörtelefon für Studierende

08.11.2023 von Wenke Dargel in Campus, Studium und Lehre
Egal ob bei Prüfungsstress, Einsamkeit oder Streit – die „Nightline“ ist eine anonyme Anlaufstelle für alle Studierenden, die jemanden zum Reden brauchen. Jeden Mittwoch- und Sonntagabend können sie die Nummer wählen. Das Angebot ist Teil eines europaweiten Netzwerks, in dem sich Studierende für Studierende engagieren.
Das Logo der Initiative
Das Logo der Initiative (Foto: Nightline Halle)

„Ich bin bei Nightline aktiv, weil ich glaube, dass mir das Angebot selbst hätte helfen können. Als ich ein psychisches Problem hatte und eine Therapie brauchte, ist es mir schwergefallen, mich zu öffnen und zu meiner Hausärztin zugehen und darüber zu reden“, sagt Peter, der eigentlich anders heißt: Damit sich Studierende am Telefon der Nightline öffnen können, ist eines ihrer Prinzipien die Anonymität auf beiden Seiten. Die Nightline soll ein niederschwelliges Angebot für Studierende bieten, die gerade jemanden zum Reden brauchen. „Manchmal weiß man ja selbst nicht genau, wo das Problem liegt. Ganz wertfrei zu reden kann helfen, die eigenen Gedanken zu ordnen und selbst neue Ideen zu entwickeln, wie man seine Situation verbessern kann“, ergänzt Maximilian, der auch bei Nightline aktiv ist. Ein Telefonat könne aber keine professionelle Psychotherapie oder ein Coaching ersetzen. „Wir sind ein Zuhörtelefon, kein Lösungstelefon. Aber dort, wo unser Angebot endet, beginnen andere, an die wir gerne weiterleiten“, sagt Maximilian.

Die hallesche Nightline-Initiative mit ihren 25 Mitgliedern ist Teil eines europaweiten Netzwerks von studentischen Zuhörtelefonen. Ursprünglich geht das Projekt in Halle auf die Forschung von Prof. Dr. Stefan Watzke zurück, der an der Universitätsmedizin den Bereich Medizinische Psychologie leitet. In mehreren Studien hat sein Team die psychische Gesundheit von Studierenden der MLU mit Hilfe von Fragebögen untersucht. Zwar sind Watzke zufolge solche Studien keine professionelle Diagnose, sie liefern aber gute Anhaltspunkte, wie es um die psychische Verfassung der Befragten bestellt ist. Im Falle einer Befragung unter 1.103 Medizinstudierenden gaben 19 Prozent an, unter mittleren bis schweren Depressionssymptonen zu leiden. „Unsere Zahlen decken sich mit anderen internationalen Studien zum Thema. Die Belastung mit depressiven Symptomen unter Studierenden ist so hoch, dass es sinnvoll ist, sich Gedanken über Prävention zu machen“, so Watzke. Dazu gehört auch das Angebot der Nightline, für das Watzke gemeinsam mit seiner Kollegin Tordis Kindt den Grundstein gelegt hat. Die Studien hätten zudem gezeigt, dass mangelnde soziale Unterstützung einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine Depression ist. „Und hier kann die Nightline helfen, weil sie die soziale Vernetzung und emotionale Unterstützung von Studierenden verbessert“, so Watzke.

Die Nightline-Mitglieder sind selbst Studierende unterschiedlicher Semester und Studiengänge. Sie durchlaufen eine spezielle Schulung, in der sie verschiedene Techniken zur Gesprächsführung sowie Hintergrundwissen über Belastungen von Studierenden und psychische Erkrankungen vermittelt bekommen. Regelmäßig reflektieren sie ihre Telefonate innerhalb ihrer Gruppe, um aus ihren Erfahrungen zu lernen und sich wechselseitig zu unterstützen. Seit der Gründung wird die hallesche Nightline vom Studentenwerk und Studierendenrat finanziell unterstützt. Nach drei Monaten hat sich das Angebot in Halle mittlerweile etabliert. „Es hat zu Beginn auch Abende gegeben, an denen niemand angerufen hat. In der letzten Zeit sind wir aber vermehrt angerufen worden. Unsere Werbekampagnen in den sozialen Medien haben Wirkung entfaltet“, resümiert Peter.

Die Nightline-Initiative ist über folgende Website https://nightline-halle.de/ und mittwochs und sonntags von 20 bis 24 Uhr per Telefon unter 0152/25132365 erreichbar.

 

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