Neue Sichtbarkeit für Frauen in der Literaturgeschichte

Ihre Forschung, sagt Marília Jöhnk, widmet sich vor allem dem Vergessenen und Marginalisierten. Den lateinamerikanischen Formen des Reiseberichts etwa, die lange keinen Platz in der Literaturgeschichte gefunden haben. Marília Jöhnk geht der Frage nach, wie der Reisebericht sich im 20. Jahrhundert neu erfunden hat, nachdem er zuvor von europäischen, meist männlichen Reisenden und deren Blick auf die Region geprägt war. „Ich habe analysiert, wie die Lateinamerikanerinnen und Lateinamerikaner über sich selbst schreiben und wie sie mit der kolonial geprägten Gattung des Reiseberichts umgehen“, so die Forscherin.
Eine zentrale Rolle spielt in ihrer Arbeit auch das 18. Jahrhundert. So hat sich Jöhnk in ihrer Habilitation damit befasst, wie Frauen in der Zeit der Aufklärung Mehrsprachigkeit und das Übersetzen nutzten, um sich auf dem männlich geprägten literarischen Markt zu behaupten. Die Arbeit führte sie schon 2020 für drei Monate ans Interdisziplinäre Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) an der MLU. Aktuell widmet sich Jöhnk in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „Lost in Archives“ vergessenen Literaturkritikerinnen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Eine Wanderausstellung des Projekts, an dem auch Forschende aus München beteiligt sind, soll 2027 an der MLU zu sehen sein.
Marília Jöhnk hat nach dem Bachelorabschluss in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main zwei Masterstudiengänge in Berlin absolviert: Europäische Literaturen und Romanische Literaturwissenschaft. 2020 wurde sie an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert, 2025 habilitierte sie sich in Frankfurt am Main. In Halle vertrat sie im Sommersemester 2026 bereits die Professur, auf die sie nun berufen wurde. An der MLU wolle sie die Forschung zu Lateinamerika und Spanien stärken und zu einer größeren Sichtbarkeit von Frauen in der Literatur beitragen, so Jöhnk. Und: „Ich bin gespannt auf den interdisziplinären Austausch und auf die breite Expertise zur Aufklärung an der MLU, die in Deutschland einmalig ist.“
Prof. Dr. Marília Jöhnk
Literatur- und Kulturwissenschaft Spaniens und Lateinamerikas
Tel: +49 345 55-23530
E-Mail: marilia.joehnk@romanistik.uni-halle.de