"Man darf sich ruhig mal in ein Problem verbeißen"

22.11.2018 in Im Fokus, 20 Fragen
An dieser Stelle wird’s persönlich ... Den Fragebogen des Unimagazins beantwortet diesmal Prof. Dr. Wolf Zimmermann. Seit 2015 ist der Informatiker Prorektor für Studium und Lehre der Universität.
Wolf Zimmermann
Wolf Zimmermann (Foto: Michael Deutsch)

1 | Warum leben Sie in Halle und nicht anderswo?
Mir gefällt es sehr gut in Halle und der Region.

2 | Wenn nicht Informatiker, was wären Sie dann geworden?
Mathematiker.

3 | Was war an Ihrer Ausbildungs- bzw. Studienzeit am besten?
Hier möchte ich ungern einen Aspekt herausheben. Das Studium hat mir natürlich sehr gefallen. Aber auch die dort gewonnenen Studienfreunde, insbesondere auch die Zeit in der WG im Studentenwohnheim möchte ich nicht missen.

4 | Welchen Rat fürs Überleben würden Sie Studierenden heute geben?
Die Studierenden (vor allem die Studienanfänger) sollten neugierig auf ihr Fach sein – gerade dann, wenn es anders ist als die eigenen Vorstellungen. Außerdem sollte man Geduld und Beharrlichkeit mitbringen. Man darf sich ruhig mal in ein Problem verbeißen und mit anderen Kommilitoninnen bzw. Kommilitonen diskutieren. Außerdem ist es wichtig sich Freiräume zu schaffen, seine Hobbies und seine Freundschaften zu pflegen.

5 | Wenn Sie Rektor einer Universität wären, was würden Sie als erstes tun?
Die Beantwortung dieser Frage überlasse ich dem amtierenden Rektor.

6 | Was ist für Sie die erste Aufgabe der Wissenschaft?
Wissenschaft ist Erkenntnisgewinn und zwar in allen Disziplinen. Dies sollte neutral und unvoreingenommen erfolgen.

7 | Was haben Intelligenz und Menschlichkeit miteinander zu tun?
Nichts.

8 | Worüber ärgern Sie sich am meisten?
Über die ständig abnehmende Qualität der Schulbildung. Es wird tendenziell immer mehr Wert auf Auswendiglernen von Faktenwissen und immer weniger auf das Denken gelegt. Das sieht man beispielsweise an den diesjährigem Matheabitur in Sachsen-Anhalt. Bezeichnenderweise kamen die ersten Beschwerden vom Philologenverband. Wenn über die Schwierigkeiten von Studierenden in der Studieneingangsphase gesprochen wird, dann wird immer nur über die Hochschulen und deren Lehrende gesprochen. Der andere Akteur – nämlich die Schulen – wird  praktisch nie erwähnt und kritisiert. Diese Einseitigkeit ärgert mich.

9 | Was bringt Sie zum Lachen?
Gute Witze. Gute Satire. Witzige Filme

10 | Was schätzen Sie an Ihren Freunden?
Dass sie für mich da sind und ich für sie.

11 | Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Das sollen andere entscheiden.

12 | Was erwarten Sie von der Zukunft?
Hier sehe ich mit größerer Sorge der Zukunft entgegen (aber ich glaube das ist und war schon immer normal). Einerseits ermöglicht die Technik – zu der mein Fach sicherlich einiges beigetragen hat – in vielen Feldern wie z.B. Medizin, Verkehr, Kommunikation eine rosige Zukunft. Dieselbe Technik birgt aber auch Gefahren wie beispielsweise Überwachung des Einzelnen, Einschätzung von Personen auf Grund statistischer Korrelationen, die dann für Fakten gehalten werden. Ein anderer Punkt, der mir Sorge bereitet, ist der Klimawandel. Auch hier könnte sicherlich die Digitalisierung unterstützend wirken. Ich fürchte aber, dass die Politik wegen kurzfristiger wirtschaftlicher Einzelinteressen nicht in der Lage sein wird, entsprechend zu handeln. Ich glaube, die Bevölkerung ist da schon einen Schritt weiter.

13 | Woran glauben Sie?
An das Gute im Menschen – bis zum Beweis des Gegenteils.

14 | Welchen bedeutenden Menschen unserer Zeit hätten Sie gern als Gesprächspartner?
Da gibt es viele. Faszinierend wäre sicherlich Barack Obama. Wenn auch bereits verstorbene Persönlichkeiten mit betrachtet werden, würde ich Nelson Mandela an erster Stelle nennen.

15 | Wer war oder ist für Sie der wichtigste Mensch in Ihrem Leben?
Da möchte ich niemanden hervorheben, außer vielleicht meine Eltern. Ohne deren (für sie nicht immer einfache) Unterstützung wäre ich heute nicht das, was ich bin.

16 | Welchen Ort der Welt möchten Sie unbedingt kennen lernen?
Die Antarktis.

17 | Womit verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
Ich spiele Akkordeon im Orchester der Musikschule Mansfeld-Südharz. Es ist ein unglaublich vielseitiges Instrument, das leider viel zu oft auf die volkstümliche Musik reduziert wird,

18 | Was wären Ihre drei Bücher für die Insel?
Winnetou I, Winnetou II, Winnetou III

19 | Wenn Sie einen Wunsch frei hätten…?
Ich wünsche mir, dass solche Kürzungsdebatten für unsere Universität wie 2013 und 2014 endgültig der Vergangenheit angehören. Aber wahrscheinlich bleibt das ein frommer Wunsch.

20 | Ihr Motto?
Habe Freude an dem, was Du gerade machst.

Aus der Vita

  • geboren 1962 in Stuttgart
  • 1982-1987: Studium an der Universität Karlsruhe
  • 1990: Promotion an der Universität Karlsruhe
  • 1998: Habilitation an der Universität Karlsruhe
  • 1998-1999: Vertretungsprofessur an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • 1999: Gastprofessor am Institute National Polytechnique Grenoble (Frankreich)
  • seit 2000: Professor für praktische Informatik mit Schwerpunkt Programmiersprachen in Halle

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