Lehre für die Fridays-for-Future-Generation

02.07.2019 von Katrin Löwe in Campus, Studium und Lehre
„Was haben Hochwasser und Dürre in Halle mit dem Klimawandel und mir zu tun?“ Unter dieser Fragestellung stand ein Geo-Tag, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Halle mit Schülern des Elisabeth-Gymnasiums Halle nahe der Giebichensteinbrücke an der Saale durchgeführt haben. Er ist Teil eines Projekts an der MLU, in dem Bildungsmodule zu dem Thema entwickelt und evaluiert werden.
Wissenschaft und Lehre an der Saale: Dr. Detlef Thürkow (l.) bei der Messung der Windgeschwindigkeit mit einem Gymnasiasten.
Wissenschaft und Lehre an der Saale: Dr. Detlef Thürkow (l.) bei der Messung der Windgeschwindigkeit mit einem Gymnasiasten. (Foto: Katrin Löwe)

Sie gehören zu der Generation Schüler, die seit Monaten jeden Freitag auf die Straße gehen und für mehr Klimaschutz streiken. Die sich auch fragen, warum im Thailand-Urlaub eine Melone viermal in Plastik verpackt ist und Fische an Plastikmüll im Meer sterben. Ein Teil der Schüler des Elisabeth-Gymnasiums ist selbst schon auf den Fridays-for-Future-Demonstrationen gewesen. Jetzt waren die Neuntklässler der Schule die ersten, die die Ergebnisse eines Projektes von Geographen der Uni erleben und zu dessen Evaluierung beitragen: Auf einem Geotag befassten sie sich an der Saale mit Themen wie der Dürre 2018 und dem Hochwasser 2013, mit dem Unterschied von Klima, Wetter und Witterung, maßen selbst Temperatur, Windgeschwindigkeit Gewässergüte oder Fließgeschwindigkeit der Saale und werteten Klima- und Wetterdiagramme von Halle aus.

Seit März 2017 läuft an der MLU das Projekt „BIKAB - Bildungsmodule zur Klima-Anpassung für den Bildungssektor Sachsen-Anhalt“, finanziert mit Mitteln aus dem Hochschulpakt. Beteiligt sind daran Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Geoökologie und  der Didaktik der Geographie, aber auch das Zentrum für multimediales Lehren und Lernen (LLZ) der Uni, berichtete Dr. Detlef Thürkow, Projektleiter vom Institut für Geowissenschaften und Geographie. Seinen Fokus legt BIKAB auf den Klimawandel im Mitteldeutschen Trockengebiet – bereits in den Schulen sollen regionale und lokale Effekte des Klimawandels und notwendige Strategien stärker thematisiert werden.

Bis heute sind fünf moderne, internetbasierte Lernmodule rund um den Themenkomplex fertiggestellt, so Thürkow. Sie befassen sich mit Grundlagen des Klimasystems, dem Saale-Hochwasser von 2013, Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft, dem Weinbau in Mitteldeutschland und der Schneesicherheit für den Wintersport in mitteldeutschen Mittelgebirgen. Zu den interaktiven Modulen gehören Wissenstests, in Story-Maps sind zudem Fallbeispiele, 3D-Visualisierungen, virtuelle Landschaftsmodelle oder Vorher-Nachher-Bilder enthalten. Darüber hinaus haben die Wissenschaftler eine App entwickelt, mit der Schüler im Gelände Daten erfassen können.

Gedacht wird nicht nur daran, direkt mit Lehrern in Kontakt zu treten oder die Module über künftige Geographielehrer in deren Referendariaten und Praktika an die Schulen zu bringen, so Thürkow. „Wir wollen sie auch anderen deutschsprachigen Universitäten anbieten.“ Vorgestellt wird das Projekt auch international – zuletzt auf dem Annual Meeting der American Association of Geographers in Washington. Bis zum Ende des Jahres wird es noch laufen, „wir hoffen, dass es danach verlängert wird“, so Thürkow. Hauptsächlich gehören heute vier Mitarbeiter zum Projekt – neben Thürkow Dr. Anne-Kathrin Lindau, Dr. Gerd Schmidt und Alina Schürmann.

Die Lernmodule stehen unter https://klimawandel.geo.uni-halle.de/lernmodule online zur Verfügung.

 

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