„Klimawandel ist ein globales Problem"

21.11.2019 von Sarah Huke in Campus
Sie hat Greta Thunbergs Rede beim UN-Klimagipfel in New York live verfolgt, beim globalen Klimastreik am 20. September mit Zehntausenden in den Straßen Manhattans demonstriert. Pia Jorks studiert an der Uni Halle Politik- und Wirtschaftswissenschaften und engagiert sich in dem Verein „Klimadelegation“. Nächste Woche nimmt sie an der Uni an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der "Public Climate School" teil.
Pia Jorks (Mitte) engagiert sich für den Klimaschutz.
Pia Jorks (Mitte) engagiert sich für den Klimaschutz. (Foto: privat)

Wie kam es, dass Sie nach New York gereist sind?
Pia Jorks: Ich bin seit 2017 Mitglied des Vereins „Klimadelegation“ und seit 2019 Vorstandsvorsitzende. Wir wurden kurz vor dem Klimagipfel der Vereinten Nationen vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefragt, ob wir eine Vertreterin oder einen Vertreter als Teil der deutschen Delegation mit nach New York schicken könnten. Nachdem wir uns intern abgesprochen haben, stand fest, dass ich die Anliegen der Jugend in diesem Jahr dort vertreten soll. Die Arbeit unseres Vereins fokussiert sich auf internationale Klimapolitik. Über die Konferenzteilnahme hinaus setzen wir uns durch Klimabildung, Projekt- und Lobbyarbeit für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels, die sogenannte Klimagerechtigkeit und Jugendpartizipation ein. Heißt: Wir gehen unter anderem an Schulen oder halten Seminare und Vorträge. Außerdem stellen wir eigene Projekte auf die Beine, um Jugend aus ganz Europa am Rande der nächsten Klimakonferenz im Dezember zusammenzubringen. 
 
Im Vorfeld des Welt-Klimagipfels haben Sie am globalen Klimastreik und dem Jugendklimagipfel teilgenommen...
Genau. Kurz nach meiner Ankunft fand der globale Klimastreik statt. Greta Thunberg war auch da und es war ziemlich beeindruckend, mit diesen vielen Menschen durch New York zu laufen und zu demonstrieren. Am darauf folgenden Tag trafen sich viele junge Menschen zum Jugendklimagipfel. Dort haben wir eine Plattform bekommen, um die Petition „All in for Climate Action“ – die rund eine Million Mal unterzeichnet wurde – vorzustellen und um neue Lösungen und Forderungen miteinander zu besprechen. Die Ergebnisse des Jugendgipfels wurden dann auch auf dem UN-Klimagipfel von drei jungen Menschen vorgetragen – eine davon war Greta Thunberg mit ihrer Rede, die für sehr viel Aufsehen sorgte. Es war ein ziemlich cooles Zeichen, dass wir als Jugend gleich an zweiter Stelle nach dem UN-Generelsekretär reden durften.

Was haben Sie selbst auf dem UN-Klimagipfel gemacht?
Auf dem Klimagipfel war ich Beobachterin und habe Bewertungen abgegeben, die über die sozialen Medien, aber auch die Presse verbreitet wurden. Ich habe unter anderen mit der ARD, dem ZDF, dem Mitteldeutschen Rundfunk und auch dem Deutschlandfunk gesprochen. Durch den UN-Klimagipfel ist der internationale Aspekt des Klimaschutzes wieder verstärkt in der Presse behandelt worden. Das ist gut, denn der Klimawandel ist ein globales Problem, das keine nationalen Grenzen kennt. Gleich nach der Konferenz habe ich mich auch mit Svenja Schulze, der deutsche Umweltministerin, zum kritischen Gespräch getroffen und mich mit der deutschen Delegation – die auch die Verhandlungen für Deutschland dort führt – ausgetauscht, meine Eindrücke kritisch geschildert, Forderungen gestellt, Einschätzungen abgeholt und auch gegeben.

Ein starkes Engagement in Sachen Klimaschutz. Wie sind Sie dazu gekommen?
Eigentlich erst über mein Politikstudium hier in Halle. Ich interessiere mich sehr für internationale Politik, habe dazu verschiedene Seminare besucht und an dem Studierendenprojekt „National Model United Nations“ – einem der größten Planspiele der Welt – teilgenommen. Während meines ERASMUS-Aufenthalts in Frankreich habe ich dann viele Module zum Thema Nachhaltigkeit und Klima besucht. Dort ist mir auch die Ausschreibung zur COY13 – der Conference of Youth – in Bonn2017 aufgefallen, die die „Klimadelegation“ organsiert hat. Seitdem bin ich bei Klimakonferenzen oder Zwischenverhandlungen dabei, habe Praktika bei verschiedenen NGOs gemacht, zum Beispiel bei „Germanwatch“ oder der „Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen“ und engagiere mich quasi full-time neben dem Studium für das Klima.

Was möchten Sie Ihren Kommilitonen mit auf den Weg geben?
Wenn ihnen etwas am Herzen liegt, sollen sie einfach anfangen sich zu engagieren. Denn schon mit ein bisschen Engagement besteht die Chance, etwas zu bewegen und andere Menschen zu erreichen. Ein perfekt klimafreundliches Leben gibt es nicht, aber die Summe einzelner Aktionen macht es. Vielleicht nehmen sie die Bahn anstatt das Auto oder überlegen zweimal, ob sie einen neuen Pullover brauchen. Wichtig ist, dass sie Mut zur Veränderungen mitbringen. Und Klimaschutz nicht als Problem, sondern als Chance und als Lösung unserer Probleme sehen.

Umfangreiches Programm zur „Public Climate School“

In Halle und zahlreichen weiteren Universitäts- und Hochschulstädten findet ab kommenden Montag die Klimastreikwoche statt. Deren Kern ist die von  "Students for Future" organisierte "Public Climate School“, bei der auch in Halle zahlreiche Veranstaltungen stattfinden - von Vorträgen über Filmvorführungen und Workshops bis hin zur Fahrraddemo. Höhepunkt der Woche ist der weltweite Klimastreik am 29. November. Einen Überblick über alle Veranstaltungen gibt es auf der Facebook-Seite der Organisatoren.

Auch die Universität bietet in diesem Rahmen einige Veranstaltungen an. Eine Übersicht:

  • Wirtschaftspolitischer Dialog „Ressourcenschutz durch Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft“ mit Dr. Evelyn Hagenah (Bundesumweltministerium), 25. November 2019, 16 Uhr, Seminarraum I Große Steinstraße 73
     
  • „Re.imaging Activism – Die Große Transformation wirkungsvoll mitgestalten“ – interaktive Vorlesung mit mohio e.v., 26. November 2019, 9-11 Uhr Dozentenbibliothek Zivilrecht im Thomasianum, Universitätsplatz 10a
     
  • „Klimakommunikation – Brücken bauen statt Gräben ziehen – interaktive Vorlesung mit mohio e.v.; 26. November 2019, 11-13 Uhr, Dozentenbibliothek Zivilrecht im Thomasianum, Universitätsplatz 10a
     
  • „Klimawandel - Ursachen und die Dringlichkeit und Richtungen der Ursachenbekämpfung“ mit Prof. Dr. Hans-Ulrich Zabel, 26. November 2019, 14-16 Uhr, Dozentenbibliothek öffentliches Recht im Juridicum, Universitätsplatz 5
     
  • „Die Rolle der Universität in der Sozial-Ökonomischen Transformation" – Podiumsdiskussion mit Beteiligung von Rektor Prof. Dr. Christian Tietje, Dekanin Prof. Dr. Petra Dobner, Studentin Pia Jorks, 28. November 2019, 18.30-20.30 Uhr, Löwengebäude, Hörsaal XIV a/b, Universitätsplatz 11
     
  • „Geologische Fakten zur globalen Erwärmung“ – Vortrag im Rahmen der Reihe „Fridays for Future – Wissen für (H)alle", Prof. Dr. Michael Stipp, 29. November 2019, 16-17 Uhr, Hörsaal B im Melanchthonianum, Universitätsplatz 8/9

 

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