Gefragter Bienenexperte

31.01.2020 von Ronja Münch in Wissenschaft, Forschung
Prof. Dr. Robert Paxton von der Uni Halle ist als Bienenforscher so anerkannt, dass er jetzt sogar die Arbeit anderer Forscher in der Fachzeitschrift „Science“ kommentiert. Er selbst gibt sich angesichts dieser Auszeichnung bescheiden. Und möchte auch mal über seine eigene Forschung reden, schließlich hat er gerade selber ein wichtiges Paper veröffentlicht.
Prof. Dr. Robert Paxton
Prof. Dr. Robert Paxton (Foto: Michael Deutsch)

Prof. Dr. Robert Paxton ist ein gefragter Mann. Als Bienenforscher hat er sich in der Wissenschaftscommunity einen Ruf erarbeitet, er gehört zum Beispiel zu den meistzitierten Wissenschaftlern weltweit. Als „der Bienenforscher“ möchte er aber nicht bezeichnet werden. „Ich bin nur einer von mehreren“, so Paxton bescheiden. „Es ist ein Wunder, dass Science mich gefragt hat, ob ich den Artikel schreiben kann.“ Mit Wundern dürfte die Frage allerdings nichts zu tun haben, eher mit Paxtons jahrelanger harter Arbeit. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift kommentiert er die Forschung einer Kollegin. Paxton war zudem Gutachter der Veröffentlichung der Amerikanerin Prof. Dr. Nancy Moran (University of Texas). Ebenfalls in der aktuellen Ausgabe von „Science“ stellt diese zusammen mit ihrem Team eine neue Möglichkeit zur Bekämpfung von Varroamilben vor. „Was die Forscher gefunden haben, ist sehr interessant!“, sagt Paxton.

„Das ist ein äußerst raffinierter Ansatz“

Das große Problem der Imkerei in den vergangenen Jahrzehnten sind Varroamilben. Die Schädlinge seien die Hauptursache für den Verlust von Bienenvölkern, so Paxton. Sie fressen nicht nur die Bienenlarven, sie verbreiten außerdem Viren. Moran und ihre Kollegen haben in Bienen natürlich vorkommende Bakterien gentechnisch so verändert, dass diese bestimmte doppelsträngige RNA-Sequenzen produzieren. Für den Wirt – also Biene oder Milbe – ist das ein Signal, diese RNA-Sequenzen zu zerstören. Der Trick der Forscher: Sie beladen die Bakterien mit RNA-Sequenzen, wie sie auch in der Varroa-Milbe oder Viren vorkommen. Bei der Varroamilbe führt das anschließend zur Zerstörung der eigenen RNA-Sequenzen. „Eigentlich ist das eine Selbsttötung“, sagt Paxton. „Das ist ein äußerst raffinierter Ansatz.“ Es funktioniere wunderbar und sei noch dazu einfach und billig. Das Problem könne für einige Jahre gelöst werden, bis sich wieder Resistenzen entwickeln würden.

Ob er glaubt, dass diese Methode auch in Europa zum Einsatz kommen könne? „Sicherlich nicht“, so die schnelle Antwort. Denn es handelt sich eben um eine gentechnische Methode, der Einsatz dürfte damit auf Ablehnung stoßen. In den USA beispielsweise sei das jedoch möglich. Allerdings ist noch Forschung nötig, bisher sei die Methode nur mit einer Handvoll Bienen durchgeführt worden. Ob sie auch bei ganzen Völkern funktioniert, ist noch offen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich die gentechnisch veränderten Bakterien ausbreiten und dadurch auch harmlosen oder sogar nützlichen Milben schaden. Paxton kann sich übrigens gut vorstellen, selber in diese Forschung einzusteigen – über Kooperationen, weil ihm unter anderem die Labore mit der entsprechenden Sicherheitsstufe fehlen.

Bienen leben in Städten besser

Bei Paxton rufen bereits jetzt viele Journalisten an, die mit ihm über die Studie reden wollen. „Welche Studie?“ frage er dann. Denn Paxton hat am Mittwoch selber spannende Forschung in der ebenfalls renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. Seine Forschungsgruppe konnte beobachten, dass Bienen und Hummeln in Städten mehr bestäuben als auf dem Land. Untersucht wurde dies mithilfe von Insektenfallen und zunächst unbestäubten Rotkleepflanzen, die die Forscher in Berlin, Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Göttingen, Halle, Jena, Leipzig und Potsdam und deren Umland aussetzten. In einer vorherigen Studie hatten sie dies nur für Halle und Umland untersucht. „Ich habe nicht gedacht, dass die Bestäubung überall auf dem Land so schlecht ist“, sagt Paxton. „Das ist erstaunlich.“

Ganz besonders fleißig waren die Hummeln, die ebenfalls zur Gruppe der Bienen gehören. Andere Insekten wie Fliegen oder Schmetterlinge kamen in der Stadt hingegen schlechter zurecht. Dass Bienen – egal ob Honigbiene, Wildbienen oder Hummeln – in der Stadt gut zurechtkommen, führt Paxton auf deren Intelligenz zurück. Sie können gut mit häufigen Veränderungen umgehen, wenn etwa an einer Stelle Bäume beschnitten, an der anderen neue Blumenbeete angelegt werden. Andere Insekten schaffen die schnelle Anpassung nicht. „Fliegen und Schmetterlinge sind wahrscheinlich ein bisschen dümmer“, so der Bienenforscher. Er fordert eine Änderung der Agrarpolitik, da die schlechte Bestäubungsleistung auf dem Land seiner Einschätzung nach auf die Intensivierung der Landwirtschaft zurückzuführen ist. Und dagegen helfen auch keine genveränderten Bakterien. Auch bei der Entwicklung von Städten sollte an Grünstreifen und andere Maßnahmen für unsere gefährdeten Insekten nachgedacht werden, so Paxton.

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