93 Jahre nach der Bücherverbrennung: Gedenken und mahnende Worte

13.05.2026 von Katrin Löwe in Campus
Mit einer Gedenkveranstaltung in der Burse zur Tulpe ist am Dienstag an die Autorinnen und Autoren erinnert worden, deren Werke am 12. Mai 1933 von Nationalsozialisten auf dem Universitätsplatz verbrannt wurden - unter maßgeblicher Beteiligung von Uniangehörigen. Zu dunklen Kapiteln in der Geschichte dürfe man nicht schweigen, betonte Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker.
Rektorin Claudia Becker bei ihrem Grußwort auf der Gedenkveranstaltung. Sie betonte unter anderem, wie wichtig das Gedenken ist.
Rektorin Claudia Becker bei ihrem Grußwort auf der Gedenkveranstaltung. Sie betonte unter anderem, wie wichtig das Gedenken ist. (Foto: Markus Scholz)

„Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, dass nie wieder Bücher verbrannt werden“, sagte Rektorin Claudia Becker in ihrem Grußwort in der Burse zur Tulpe. Dorthin war die von „Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage“ organisierte Veranstaltung wegen des Regens kurzfristig verlegt worden. Die Geschichte, auch die der MLU, enthalte dunkle Kapitel – diese dürften nicht ignoriert werden, sagte Becker. Sie zeichnete ein Bild der Ereignisse des 12. Mai 1933, als auf dem Universitätsplatz ein „Scheiterhaufen aus Büchern“ loderte. Mehr als 1.000 Dozenten und Studenten hatten sich damals dort versammelt.

Die Rektorin schilderte auch die schrittweise Eroberung der Hochschule durch radikal nationalsozialistische und antisemitische Aktivisten ab den 1920er Jahren bis hin zu einer gewalttätigen Kampagne aus dem „Nationalsozialistischen Studentenbund“ heraus gegen andersdenkende Kommilitonen ab 1930. Dass es nicht zu einer Situation wie damals kommt, erfordere den Einsatz all jener, die weiterhin in einem freien, auf den Werten der demokratischen Grundordnung und des Grundgesetzes basierenden Land leben möchten, so Becker. Mit Verweis auf die am heutigen Mittwoch beginnenden Hochschulwahlen an der MLU ermunterte die Rektorin insbesondere Studierende dazu, ihr Wahlrecht auszuüben.

Becker spannte auch in einem weiteren Punkt den Bogen in die Gegenwart. Aus gutem Grund werde aktuell zu vielen Gelegenheiten die im Grundgesetz verankerte Wissenschafts- und Kunstfreiheit nach vorn gestellt, sagte sie. Die Freiheit der Wissenschaft sei die Grundlage zu erforschen, was aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll erscheine, „unabhängig davon, was aus einer bestimmten Weltsicht heraus unterstützt wird oder wogegen aus einer solchen Anschauung heraus gerade Sturm gelaufen wird.“ 

Der Vorsitzende des Studierendenrats Elias Zarrad betonte in seiner Rede insbesondere die treibende Rolle der Studenten bei der Bücherverbrennung 1933 – und in der Entwicklung zuvor. Die Universität habe ihnen beigebracht, juristische, altgriechische oder lateinische Texte zu interpretieren, habe das Handwerkszeug in Physik, Germanistik oder Medizin vermittelt – die meisten Studenten seien mit einem Abschluss nach Hause gegangen. Sie hätten aber keine Selbstständigkeit, keine Empathie und keine intellektuelle Redlichkeit gehabt. „Es muss uns eine Warnung sein, niemals die formal-akademische Bildung mit Humanität zu verwechseln.“

Neben der Rektorin und dem Stura-Vertreter richteten auch die städtische Beigeordnete für Kultur und Sport Dr. Judith Marquardt sowie Vertreter*innen der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“, der zivilgesellschaftlichen Initiative „Wir-Festival“ und der Kampagne „Zeitenwechsel“ Worte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein Team des Neuen Theaters präsentierte eine Collage aus Texten damals betroffener Autorinnen und Autoren wie Nelly Sachs, Erich Kästner und Bertolt Brecht und zeithistorischen Dokumenten.

Kategorien

Campus

Kommentar schreiben

Auf unserer Webseite werden Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung verwendet. Wenn Sie weiter auf diesen Seiten surfen, erklären Sie sich damit einverstanden. Einverstanden