Dr. Karl Werner Hök: Ein großer Mäzen und Alumnus der Universität ist gestorben

13.05.2020 von Dr. Ralf-Torsten Speler in Personalia
Am 21. April ist der Mediziner und Kunstsammler Dr. Karl Werner Hök verstorben. Er hat an der halleschen Universität studiert und vor einigen Jahren den Universitätskunstbesitz um Druckgrafiken weltbekannter Künstler bereichert. Dr. Ralf-Torsten Speler, ehemaliger Kustos, hat einen Nachruf auf ihn verfasst.
Zur Ausstellungseröffnung überreichte der Mäzen Dr. Karl Werner Hök (links) dem damaligen Leiter der Zentralen Kustodie Dr. Ralf-Torsten Speler die handsignierte Grafik Salvador Dalis (1904-1989) „Der Himmlische Elefant“ als symbolisches Geschenk seiner Sammlung an die Universität.
Zur Ausstellungseröffnung überreichte der Mäzen Dr. Karl Werner Hök (links) dem damaligen Leiter der Zentralen Kustodie Dr. Ralf-Torsten Speler die handsignierte Grafik Salvador Dalis (1904-1989) „Der Himmlische Elefant“ als symbolisches Geschenk seiner Sammlung an die Universität. (Foto: Maike Glöckner)

Dr. Karl Werner Hök, seit vielen Jahren Mitglied der Vereinigung der Freunde und Förderer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, ist am 21. April 2020 nach einem erfolgreichen Leben als Mediziner und Kunstsammler verstorben. Zu Beginn dieses Studienjahres, am 17. Oktober 2019, hat Herr Dr. Hök, gesundheitlich schon beeinträchtigt, mit seiner Frau Brigitte unserer Universität das letzte Mal die Ehre erwiesen. Er nahm an den Jubiläumsfeierlichkeiten zum 40. Gründungstag der Zentralen Kustodie teil und wurde vom Rektor Prof. Dr. Christian Tietje herzlich begrüßt.

Die Universität verliert mit Karl Werner Hök einen verdienstvollen Alumnus und Mäzen. Seine Studentenakte im Universitätsarchiv belegt seine wechselvolle Lebensgeschichte im Kriegs- und Nachkriegsdeutschland. Karl Werner Hök wurde am 16. Januar 1932 in Berlin geboren, siedelte als Achtjähriger 1940 mit seinen Eltern nach Wien um und kam im Mai 1945 über Halberstadt nach Halle, wo er 1951 das Abitur am Giebichenstein-Gymnasium  „Thomas-Müntzer“ ablegte. Im gleichen Jahr immatrikulierte er sich als Medizinstudent an der halleschen Universität und beendete 1956 sein Studium. Mit dem Abschluss der Promotion übernahm er 1958 die Chefarztstelle in Wiesenburg im Fläming. 1960, ein Jahr vor dem Mauerbau, flüchtete er mit seiner Frau in die Bundesrepublik und trat eine Stelle als Assistenzarzt im Krankenhaus Osnabrück an. Seit 1969 arbeitete er als niedergelassener Gynäkologe im Baden-Württembergischen Brackenheim, der Geburtsstadt des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Der in Brackenheim und Umgebung bekannte Mediziner Hök war auch Mitglied der Vereinigung „Pfälzer Kunstfreunde“ und anderer Kunstvereine. Bemerkenswert ist auch seine praktische Ausübung des Webens am eigenen Webstuhl. Die Kunst des Teppichwebens hat er sich 2010 im fortgeschrittenen Alter durch einen Kurs an der Kunsthochschule „Burg Giebichenstein“ angeeignet.

Seine Kontakte zu Halle hat Karl Werner Hök niemals abgebrochen. Er fuhr zu Klassentreffen in die Saalestadt und hielt auch zu Studienfreunden in der DDR Kontakt. In Dankbarkeit an seine alte Studienstätte nahm der Pensionär Hök Kontakt zu seiner alten Universität auf, wurde nach der politischen Wende Mitglied der Vereinigung der Freunde und Förderer unserer Universität; und als Kunstsammler besuchte er die Zentrale Kustodie.

Nach Gesprächen über seine Studienzeit und den Aufbau seiner Kunstsammlertätigkeit erhielt ich als Leiter der Zentralen Kustodie am 2. November 2010 die erste Einladung von Dr. Karl Werner Hök nach Brackenheim, um seine Grafiksammlung kennenzulernen. Er besaß einen Namen als Kunstkenner in seiner Wahlheimat Baden-Württemberg. In seinem großen Haus in einer von Weinbergen umgebenen reizvollen Gegend wurde ich seitdem mehrmals von dem Kunstsammler und seiner Frau Brigitte herzlich willkommen geheißen. Die Aufenthalte in Brackenheim mit den interessanten Gesprächen über Kunst und seiner uns umsorgenden liebenswürdigen Gattin waren der Beginn einer Freundschaft zwischen dem Alumnus Karl Werner Hök und mir auch als Verantwortlicher des Universitätskupferstichkabinetts. Ich genoss seine humorvolle Art und Lebensfreude bei solchen geselligen Abenden, die auch seine Berliner Wurzeln erkennen ließen.

Mit der Schenkung von ca. 200 Druckgrafiken weltbekannter Künstler der Klassischen Moderne hat Dr. Karl Werner Hök den Universitätskunstbesitz um exzellente Kunstwerke bereichert. Mit seiner Sammlung von Gegenwartskünstlern hat das Universitätskupferstichkabinett den Anschluss an die internationale Kunst der Moderne erreicht. Die Höksche Sammlung ist eine große Bereicherung für das praxisbezogene Studium der Kunstgeschichte. Die akademische Studien- und Lehrsammlung ist somit auch für die Studierenden der Kunstgeschichte attraktiver geworden.

Die ihm zu Ehren veranstaltete Sonderausstellung vor acht Jahren, von Mai bis Juli 2012, unter dem Titel „Himmlischer Elefant. Von Picasso über Kokoschka, Dali bis Beuys – Der Universität geschenkt“ gab den Besuchern einen Eindruck von seinem ausgewählten Kunstgeschmack. Besonders wertvolle Stücke der Ausstellung, die nicht in seinem Sammlungsschrank untergebracht waren, wie Werke von André Masson, Joan Miró, Horst Janssen, Ernst Fuchs und viele andere, durfte ich für die Exposition als vorläufige Leihgaben von den Wänden seines Hauses abhängen. Das war eine große Geste.

Sammlerpersönlichkeiten, wie unser Alumnus Karl Werner Hök, stehen in der großen Reihe von Mäzenen, die die Lehr- und Lernmittelsammlungen unserer Universität in den letzten Jahrhunderten bereichert haben. Mit seinem Namen wird das Kupferstichkabinett unserer Universität immer verbunden bleiben.

Den Namen des einstigen Medizinstudenten und Förderers und Freundes unserer Alma mater Halensis et Vitebergensis werden wir in ehrendem Gedenken behalten.

 

Dr. Ralf-Torsten Speler ist Präsident der Vereinigung der Freunde und Förderer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er war von 1983 bis 2013 Leiter der Zentralen Kustodie der MLU.

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