Die Reformation bleibt Thema

04.01.2018 von Ines Godazgar in Varia
500 Jahre Reformation – mit zahlreichen Veranstaltungen hat die MLU dieses Jubiläum bereits in der Luther-Dekade begleitet. Höhepunkt war im Jubiläumsjahr 2017 ein Kongress zu den Wirkungen der Reformation, zu dem sich führende Wissenschaftler aus aller Welt in Wittenberg trafen. Als Rektoratsbeauftragter für das Reformationsjubiläum leitete Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke den Kongress gemeinsam mit Kollegen aus Jena und Leipzig. Der Theologe, der auch der Stiftung Leucorea vorsteht, zieht eine positive Bilanz der wissenschaftlichen Arbeit und verweist auf die gewichtige Rolle, die die Reformationsforschung weiterhin spielen kann.
Ernst-Joachim Waschke ist Reformationsbeauftragter der Universität.
Ernst-Joachim Waschke ist Reformationsbeauftragter der Universität. (Foto: Maike Glöckner)

Wie haben Sie sich als Beauftragter für das Reformationsjubiläum ganz persönlich auf das Lutherjahr vorbereitet?
Ernst-Joachim Waschke: Als Theologe war ich auf meinem Lehrstuhl an der MLU stets mit dem Alten Testament und seinen historischen Kontexten beschäftigt. Mein Interesse an Luther und der Reformation begann, als ich 2011 vom jetzigen Rektor, Prof. Dr. Udo Sträter, das Amt des Reformationsbeauftragten übernommen habe. In dieser Zeit habe ich versucht, mich in das Thema, vor allem in Luthers Bibelverständnis, einzuarbeiten.

Welche Veranstaltungen standen an der MLU im Zeichen der Reformation?
Es gab vielfältige Aktivitäten. Höhepunkt für mich war natürlich der internationale Kongress unter dem Motto „Kulturelle Wirkungen der Reformation“, der im August stattfand, und zu dem rund 200 Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete aus aller Welt nach Wittenberg kamen. Darüber hinaus haben wir sechs weitere große Kongresse und viele kleinere Tagungen mitgestaltet. Durch finanzielle Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt konnten fünf Promotionsstipendien vergeben werden, die wir an der Leucorea zu einem Graduiertenkolleg zusammengefasst haben. Die Promovenden arbeiten in diesem Verbund interdisziplinär. Sie nähern sich dem Thema „Wirkungen der Reformation“ jeweils mit einem anderen fachlichen Hintergrund, wodurch sowohl soziologische, theologische, kunsthistorische als auch philosophische und medizinhistorische Perspektiven zum Tragen kommen.

Was war das Ziel des Kongresses und wurde es in Ihren Augen erreicht?
In 13 breitgefächerten Sektionen – u. a. Bildung, Kunst, Musik, Recht – ging es darum, die oft behaupteten Zusammenhänge von Reformation und Moderne kritisch zu prüfen. Dabei diskutierten wir nicht nur theoretische Aspekte. Auch darüber, wie die Reformation in der kulturellen Praxis gewirkt hat und immer noch wirkt, wurde debattiert. So legte etwa Lyndal Roper von der University of Oxford dar, wie Luther sich in seinem Widerstand gegen die römische Kirche eines neuen Männlichkeitsbildes als rhetorischer Waffe bediente, dessen Auswirkungen bis heute nachweisbar sind. Dieses Beispiel zeigt, dass die Frage der Wirkungen keine Einbahnstraße sein kann: So wie die Reformation auf verschiedene kulturelle Felder gewirkt hat, so hat natürlich auch die Kultur auf die Reformation selbst eingewirkt. Aus den durchweg positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden schließe ich, dass wir unsere Ziele durchaus erreicht haben.

Werden die Ergebnisse des Kongresses der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?
Ja, wir sind bereits mitten in den Redaktionsarbeiten an zwei Bänden für diesen Kongress. Sie sollen spätestens im Frühjahr 2019 erscheinen. Ich bin mir sicher, dass viele Fachbereiche darin Anregungen für weitere Forschungen finden werden.

An den Vorbereitungen zum Reformationsjubiläum war auch die reformationsgeschichtliche Sozietät beteiligt. Diese Vereinigung soll auch künftig fortbestehen. Was genau verbirgt sich dahinter?
Dieses Gremium wurde schon vor Jahren von einem Kreis um den jetzigen Rektor gegründet. Die Mitglieder haben sich im Zuge der Vorbereitung des Jubiläums regelmäßig getroffen und als Bindeglied zwischen MLU und Stiftung Leucorea fungiert. Aus meiner Sicht wurde hier erfolgreiche Arbeit geleistet; schon deshalb sollte diese Institution fortbestehen. Ihre Aufgabe für die Zukunft sehe ich darin, weitere Forschungen zur Reformation und ihren Wirkungen zu initiieren, zu koordinieren und zu evaluieren. Sie könnte so die Stiftung Leucorea in Wittenberg unterstützen, die sich in den letzten Jahren zu einem weithin beachteten Forschungsstandort für Reformation und ihre Folgen entwickelt hat. Durch den Einbezug von Kollegen aus Jena und Leipzig würde zudem der mitteldeutsche Universitätsbund gestärkt.

Wie haben die MLU und auch die Stadt Wittenberg als Austragungsort vieler Veranstaltungen vom Reformationsjubiläum profitiert?
Wie der Kongress gezeigt hat, sind wir als MLU weit über die Grenzen Deutschlands hinaus wahrgenommen worden. Aber auch die Stadt Wittenberg hat profitiert. In früheren Umfragen hatte sich gezeigt, dass viele Wittenberger nur wenig mit Luther und diesem Teil der Stadtgeschichte anzufangen wissen. Das hat sich mit dem Reformationsjubiläum geändert. Auch das Stadtbild hat sich belebt. Für mich am wichtigsten ist aber, dass es der Leucorea als Stiftung an der MLU gelungen ist, sich durch eigene Forschungsprojekte als Institution für Reformationsforschung zu etablieren. Das wird sich durch die schon Ende 2015 gegründete und hoffentlich bald öffentlich zugängliche Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek, die unter anderen von der Leucorea mitgetragen wird, verstärken. So wie Wittenberg im 16. Jahrhundert geistiges Zentrum der Reformation gewesen ist, so könnte sich die Stadt heute wieder auf den Weg machen, zu einem solchen für Mitteldeutschland zu werden.

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