Zukunft der Landwirtschaft: Arabisch-deutscher Austausch in Halle

An den drei Tagen verbanden die Teilnehmenden aus Deutschland, Tunesien, Marokko, dem Sudan und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wissenschaftlichen Austausch mit praktischen Erfahrungen: eine Führung durch die Gewächshäuser, den Schaugarten, die Bodenlabore und das Foodlab der Universität; Verkostungen glutenfreier Produktentwicklungen; einen Besuch des Forschungsinstituts für Umweltbiotechnologie GMBU e.V.; eine Exkursion zum Biobauernhof Sonnengut Dietrichsroda in Balgstädt sowie eine Reihe von Impulsvorträgen, die von der Stärkung kleinbäuerlicher Betriebe von Frauen bis zu landwirtschaftlicher Reststoffverwertung, Fruchtfolge und Biodiversität reichten. Einen weiteren Höhepunkt und den Abschluss des Programms bildete ein gemeinsamer Kochworkshop mit glutenfreien Pseudogetreide-Rezepten aus Tunesien und Deutschland, für den einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer Produkte von ihren Bauernhöfen beisteuerten.
Eine gemeinsame Herausforderung, eine gemeinsame Chance zum Lernen
Klimawandel und Ernährungssicherheit sind Herausforderungen, vor denen arabische Länder und Deutschland gleichermaßen stehen. Ausgangspunkt des Workshops war die Idee, dass beide Regionen Wesentliches voneinander lernen können. Arabische Länder verfügen über jahrzehntelange Erfahrung im Anbau von Nutzpflanzen unter extremer Hitze und in salinen Böden mit salzhaltigem Wasser. Diese praktische und wissenschaftliche Expertise spiegelte sich sowohl in der Gruppe der Teilnehmenden als auch in der Arbeit von Institutionen wie dem International Center for Biosaline Agriculture (ICBA) in Dubai wider. Beispielsweise hat das ICBA klimaangepasste, salz- und trockenheitstolerante Nutzpflanzen für landwirtschaftliche Gemeinschaften in Grenzertragsböden entwickelt.
Die Teilnehmenden aus Deutschland wiederum steuerten eine ausgeprägte Expertise in sicherer und hygienischer Lebensmittelverarbeitung, Qualitätsstandards und Produktentwicklung bei — beispielhaft verkörpert durch die Forschung zu glutenfreien Produkten und die Arbeit im Foodlab der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Zusammenführung dieser beiden Wissensgebiete stand im Mittelpunkt des Workshop-Konzepts für klimaresistente, glutenfreie Nutzpflanzen, das von zwei AGYA-Alumnae initiiert wurde: Dr. Henda Mahmoudi, Pflanzenphysiologin am ICBA in Dubai (VAE), und Prof. Dr. Salma Balazadeh, Biologin an der Georg-August-Universität in Göttingen (Deutschland).
Einsatz und Forschung für Frauen in der Landwirtschaft
Der Workshop unter dem Titel Empowering „Rural Women through Climate-adapted and Gluten-free Crops" knüpft an das langjährige Engagement von AGYA für die Stärkung von Frauen in der Landwirtschaft an. Bereits 2019 richtete AGYA gemeinsam mit dem ICBA in Dubai eine internationale Konferenz zum Thema „Women's Empowerment in Agriculture“ aus, bei der Landwirtinnen und Landwirte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus sechzehn Ländern – aus Deutschland, der arabischen Welt und darüber hinaus – Ansätze für nachhaltige Landwirtschaft und Geschlechtergerechtigkeit diskutierten. Die Ergebnisse wurden in einem Grundsatzpapier mit Erfolgsgeschichten und Handlungsempfehlungen für Frauen in der Landwirtschaft veröffentlicht.
Zu den Forschungsaktivitäten der Akademie zählen zudem Projekte, die untersuchen, wie nährstoffangereicherte Grundnahrungsmittel und lokales Wissen über Haltbarmachung von Nahrung zu widerstandsfähigeren Ernährungssystemen beitragen können. Im Sudan untersuchen AGYA-Mitglieder biofortifizierte Hirsesorten und dokumentieren traditionelle Verarbeitungs- und Fermentationsverfahren, die zur Erhaltung von Nährwert und sensorischer Qualität der Lebensmittel beitragen. Ein verwandtes Projekt zu von Frauen bewirtschafteten Jubraka-Hausgärten fördert die Anbau- und Ernährungsvielfalt und trägt somit zur lokalen Ernährungssicherheit auch in wirtschaftlich instabilen Zeiten bei.
Der diesjährige Workshop in Halle brachte diese Erkenntnisse in den Dialog mit deutscher Agrarwissenschaft und verband die Forschung zu resistenten Pseudogetreidearten und glutenfreien Lebensmitteln aus den Emiraten, Tunesien, Marokko und dem Sudan mit der Arbeit der Martin-Luther-Universität zu klimaangepassten Nutzpflanzen.
Ein dreisprachiges Kochbuch als bleibendes Ergebnis
Als greifbares Ergebnis des Workshops entwickeln die Projektpartner und -partnerinnen ein dreisprachiges Kochbuch auf Arabisch, Englisch und Deutsch, das auf den glutenfreien und Pseudogetreide-Rezepten aufbaut, die während des Kochworkshops und der Verkostungen geteilt wurden. Das Kochbuch soll das in Halle ausgetauschte kulinarische und ernährungswissenschaftliche Wissen in allen drei Sprachen zugänglich machen und als dauerhafte Brücke zwischen den im Projekt vertretenen arabischen und deutschen Forschungs- und Landwirtschaftsgemeinschaften dienen.
AGYA bedankt sich herzlich bei allen, die den Workshop ermöglicht haben: der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften, Kooperationspartner des Projekts; dem Studentenwerk Halle und Koch Michael Fischer für die Präsentation des Projektes „Studierende kochen für Studierende"; der GMBU e.V. und Dr. Klaus Krüger für die Führung durch ihre Einrichtung; der Familie Gerster vom Sonnengut Dietrichsroda und ihrem Team für die Ausrichtung des Hofbesuchs und des Mittagessens sowie der WohnUnion e.V. für die Räumlichkeiten und Vally Guttmann für den Kochworkshop. Besonderer Dank gilt Urte Grauwinkel von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für ihre wertvolle Unterstützung bei der Konzeption, Organisation und Durchführung des gesamten Workshops.
Über AGYA
Die Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA) ist an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und an der Academy of Scientific Research and Technology (ASRT) in Ägypten angesiedelt. Sie wurde 2013 als erste bilaterale junge Akademie weltweit gegründet. AGYA fördert nachhaltige Forschungskooperationen zwischen exzellenten arabischen und deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (3–10 Jahre nach der Promotion) aus allen Disziplinen. Die Akademie bietet ihren Mitgliedern die Möglichkeit, ihre Ideen und Visionen im Rahmen von Forschungsprojekten und gemeinsamen Initiativen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft zu entwickeln und umzusetzen. AGYA-Mitglieder verfolgen einen inter- und transdisziplinären Forschungsansatz mit dem Ziel, Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu erarbeiten. AGYA wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie von verschiedenen arabischen und deutschen Kooperationspartnern gefördert.





