Von der Jazzband zur Orchestermusik

25.01.2022 von Katrin Löwe in Personalia
Er hat bereits Musicals dirigiert, Ballettaufführungen und große Opern: Daniel Spogis ist der neue Leiter des Akademischen Orchesters der Uni, am Mittwoch findet in der Händelhalle sein Antrittskonzert statt. Was der 33-Jährige mit dem Ensemble plant und warum er für „Liebhaberorchester“ schwärmt.
Daniel Spogis - hier bei der Generalprobe für sein Antrittskonzert - ist der neue Leiter des Akademischen Orchesters.
Daniel Spogis - hier bei der Generalprobe für sein Antrittskonzert - ist der neue Leiter des Akademischen Orchesters. (Foto: Markus Scholz)

Eine Sinfonie von Gustav Mahler. Die aufzuführen, ist einer der Wünsche von Daniel Spogis. Anspruchsvolle Musik, ein großes Ensemble. Rund 90 Musikerinnen und Musiker bräuchte man dafür – womit einer seiner Pläne für das derzeit 70 Mitglieder umfassende Akademische Orchester der Uni Halle bereits umrissen ist. „Wir hatten gerade einen großen Ansturm von Studierenden, die mitspielen möchten“, sagt Spogis. Sein Ziel sei, einen Weg zu finden, auf dem das Orchester noch weiter wachsen und sich ein größeres Repertoire erarbeiten kann. Seit September 2021 ist Daniel Spogis dessen Leiter. Der Nachfolger von Matthias Erben gibt am 26. Januar sein Antrittskonzert in der Händel-Halle.

All das zurückzuerobern, was die Corona-Pandemie an Normalität und Kulturleben genommen hat, gehört ebenfalls zu den Plänen des Neuen. Zudem will er den engen Draht zum Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften nutzen, an dem er im Fach Orchester- und Ensembleleitung in der Lehre tätig ist. „Da sehe ich einige Schnittstellen“, sagt er. So wolle er Lehramtsstudierende näher an das Akademische Orchester bringen, die Orchestermusik im Studium anschaulicher machen.

Dass Spogis dort steht, wo er heute steht, ist einerseits zwar nicht überraschend, andererseits aber auch nicht zwangsläufig gewesen. Jura hätte ihn bei der Wahl eines Studiums auch interessiert. Logisches Denken und der Umgang mit Sprache haben ihn fasziniert, sagt er. „Eine Orchesterpartitur zu überschauen, hat aber auch sehr viel mit logischem Denken zu tun, auch wenn am Ende Kunst herauskommt.“ Das Interesse für die Musik war ihm im Übrigen sprichwörtlich in die Wiege gelegt: Beide Eltern sind studierte Klavierlehrer. Dass er Mutter und Vater als Kind doch nicht im Detail gefolgt ist, sollte ihm allerdings noch einige eher unruhige Zeiten bescheren.

„Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Geige zu spielen“, erzählt der gebürtige Niedersachse. Später kam das Saxofon hinzu, als Gymnasiast spielte Spogis in einer Jazzband. Und kam in ein Frühförderprogramm für musikalisch Hochbegabte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Dazu gehörte auch ein Jahr Dirigierunterricht – und für den wiederum ist das Klavierspiel essenziell, wie der Musiker erklärt. „Ich habe also mit 17 Jahren tüchtig angefangen, Klavier zu üben.“ Und das so erfolgreich, dass er die Aufnahmeprüfung für das Studium des Orchesterdirigierens und der Musiktheorie an der Musikhochschule Dresden bestand. Den Ausschlag für die Studienwahl haben letztlich das Frühstudium in Hannover und ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Staatsoper Hannover gegeben, sagt Spogis.

Nach dem Studium war der Musiker sechs Jahre lang am Theater in Koblenz beschäftigt, als so genannter Solorepetitor, der am Klavier und anderen Tasteninstrumenten die Proben begleitet, dann auch als Kapellmeister. Vom Musical „Chicago“ über die Ballettproduktion „Der Nussknacker“ bis hin zu großen Opern wie „Der fliegende Holländer“: Spogis‘ Repertoire ist breit. Was ihm in der Zusammenarbeit mit Profimusikern, auch als Dirigent, allerdings schnell auffiel: Die „Liebhaberorchester“ – wie das Akademische Orchester –, die er schon während seines Studiums dirigierte, haben ihm gefehlt. In der Laienmusikszene treffe man auf motivierte, begeisterte Menschen mit besonderer Energie, erklärt er. „Das ist eine andere Art von Feuer, die da brennt.“ Die Ausschreibung der Stelle an der MLU passte also punktgenau, zumal er auch in seiner Koblenzer Zeit bereits in die Hochschullehre involviert war.

Mittlerweile habe er das Gefühl, in Halle wirklich angekommen zu sein, sagt der 33-Jährige. Das trifft sowohl auf das Institut und das Collegium musicum zu, das ihm mit großer Offenheit und Neugierde begegne, als auch auf die Stadt selbst, in der er nun mit seiner Familie lebt. Und in der er auch schon einen ersten Lieblingsplatz gefunden hat: Die Aula der Universität, in der coronabedingt die meisten Proben stattfinden, begeistert ihn.

Das Klavierspiel, zu dem er erst spät durch die Faszination fürs Dirigieren gefunden hat, begleitet den Orchesterleiter übrigens heute nicht nur beruflich, sondern verstärkt auch wieder privat. Im Hause Spogis wächst gerade die nächste Generation Musiker heran: „Mein vier Monate alter Sohn hört schon sehr aufmerksam zu und lässt sich damit gut beruhigen. Das ist sehr faszinierend.“

„Alte Formen — neue Klänge“

Das „Große Sinfoniekonzert zum Semesterende“, gleichzeitig Antrittskonzert von Daniel Spogis, findet am Mittwoch, 26. Januar, ab 19.30 Uhr in der Händel-Halle statt. Es steht unter dem Titel „Alte Formen — neue Klänge“. Gespielt werden: E. Grieg, „Aus Holbergs Zeit – Suite im alten Stil“ für Streicher op. 40; J. Rodrigo, Adagio para instrumentos de viento; J. S. Bach, Passacaglia und Fuge c-Moll BWV 582 (Arr. für Bläser von D. Spogis) und W. A. Mozart, Sinfonie Nr. 41 C-Dur „Jupiter“. Karten zum Preis von 10 beziehungsweise 5 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen (Ticketgalerie, TIM Ticket) sowie eine Stunde vor Konzertbeginn an der Abendkasse. Das Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung, für die ein Corona-Test einer offiziellen Teststelle benötigt wird.

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