Rettung für alte Senatsunterlagen

25.09.2018 von Katrin Löwe in Varia
Es sind 32 dicke Akten, die für die Universität von besonderer Bedeutung sind: Sie enthalten die Senatsprotokolle aus den Jahren 1806 bis 1948. Der Zustand der im Uni-Archiv gelagerten Dokumente ist allerdings desolat. Nun ist dank finanzieller Hilfe der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) die Rettung angelaufen. Die Senatsunterlagen werden in Leipzig restauriert und anschließend digitalisiert.
Säurefraß und mechanische Beanspruchung setzen alten Akten im Archiv zu.
Säurefraß und mechanische Beanspruchung setzen alten Akten im Archiv zu. (Foto: Friederike Stecklum)

Die Ankunft der Wittenberger Professoren nach der Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg, gesellschaftliche Umbrüche, die sich an der Universität widerspiegeln, Professoren-Berufungen, Entlassungen: Auch wenn die Unterlagen aus mehr als 140 Jahren Geschichte rein platztechnisch nur einen von 4.500 laufenden Meter Archivgut in der Dachritzstraße einnehmen, sind sie alles andere als eine Kleinigkeit. „Die Protokolle des Konzils und des Senats sind die zentrale Überlieferung aus dieser Zeit und deswegen für die Universitätsgeschichte und die Wissenschaft so wichtig“, sagt Dr. Michael Ruprecht, Leiter des Uni-Archivs. Der Zustand der nur einmal existierenden Unterlagen war allerdings mittlerweile mit desolat ziemlich treffend beschrieben. „Sie sind so fragil, dass wir sie gar nicht mehr in die Benutzung geben konnten.“ Die nun angelaufene Restaurierung soll das ändern.

Mit dem Problem hat nicht nur das Universitätsarchiv zu kämpfen: Der hohe Säuregehalt – resultierend aus der industriellen Papierherstellung ab etwa 1850 – hat über die Jahre zur Zersetzung des Papiers geführt. Ränder sind durch das Blättern abgebrochen, selbst Papp-Einbände wurden brüchig. „Bei jeder Benutzung entsteht da ein neuer Schaden“, so der Archiv-Chef. Dramatisch werde es, wenn Blätter bis zum Rand beschrieben sind und dann brechen. „Da gehen Inhalte verloren, sind Sachverhalte nicht mehr nachprüfbar.“ Der Substanzverlust habe zudem mit klimatischen Bedingungen zu tun. Anders als heute wurden die Unterlagen bis zum Umzug des Uni-Archivs im vergangenen Jahr nicht klimatisiert gelagert. Das Problem: Je wärmer es ist, desto brüchiger wird das Papier. „Mit dem Umzug haben wir die Bedingungen geschaffen, dass der Zerfall nicht noch forciert wird.“

Die Lösung für den Erhalt der Senatsprotokolle brachte nun eine Förderung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes. Seit August sind die Unterlagen zur Restaurierung im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung. Dort werden sie einer Massenentsäuerung unterzogen, die den Zerfallsprozess aufhält, erklärt Ruprecht. Zudem werden die Unterlagen gereinigt, werden mechanische Schäden von Hand behoben – Risse geschlossen, Fehlstellen im Papier ersetzt, Bindungen erneuert. Die komplette Arbeit wird schätzungsweise zweieinhalb Monate dauern, die Projektkosten liegen bei insgesamt rund 20.000 Euro.

Aus eigenen Mitteln sollen die Uni-Unterlagen anschließend noch digitalisiert und darüber hinaus als PDF-Dateien in die Archivdatenbank eingebunden werden. Bevor sie zur Digitalisierung zu einem weiteren Dienstleister gehen, müssen sie im Archiv dafür noch einmal in die Hand genommen werden. Dort wird der Beginn jedes einzelnen Protokolls markiert, damit im späteren Dokument Lesezeichen erstellt werden können. Durch die Digitalisierung sind die Senatsunterlagen dann nicht nur global frei zugänglich, es könnten auch die Originalakten geschont werden, so Ruprecht. „Es sind sehr häufig nachgefragte Unterlagen“ – auch einer der Gründe für ihren Zustand. Die meisten Fragen ließen sich schon durch ein Digitalisat beantworten, so Ruprecht. Nach derzeitigen Plänen soll die Digitalisierung im Februar 2019 abgeschlossen sein.

Für das Universitätsarchiv ist es nicht das erste mit KEK-Mitteln geförderte Projekt. Bereits 2013 konnten mit Fördermitteln wertvolle Matrikelbände der Alma Mater restauriert werden.

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