Personalarbeit in der Pandemie: Arbeitsverträge an frischer Luft

04.06.2020 von Katrin Löwe in Campus
Dr. Anke Habich ist seit 2014 Juristin in der Personalabteilung der Zentralen Universitätsverwaltung. Dort ging es seit dem Beginn der Corona-Krise nicht nur um den Wechsel vieler Beschäftigter ins Home-Office oder Freistellungen für die Kinderbetreuung, sondern auch um die Sicherung von Existenzen. Was das bedeutet, erklärt sie im Gespräch mit „campus halensis“.
Anke Habich koordiniert in der Personalabteilung Corona-Fragen.
Anke Habich koordiniert in der Personalabteilung Corona-Fragen. (Foto: Markus Scholz)

Anke Habich sagt von sich, sie habe Glück gehabt. Bei vier Kindern in ihrer Patchwork-Familie – plus zwei Hunde – hätte die Corona-Pandemie für sie wie für viele andere allein durch die Koordination von Arbeit, Kinderbetreuung und Home-Schooling zur fast unlösbaren Herausforderung werden können. Üblicher Alltag, so die 44-Jährige, seien die vergangenen Wochen zwar auch nicht gewesen. Zumindest eine Sorge war aber geringer. „Mein Partner ist Lehrer“, sagt Habich – und war zu Hause bei den Zehn- bis 18-Jährigen. Die Tage dort wurden so strukturiert, dass er deren Pausen, die Nachmittage und Abende oder Wochenenden für die eigene Arbeit nutzen und so einen Großteil der Betreuung abfangen konnte. Zudem sprang der älteste Sohn in der Nachhilfe für seine Geschwister ein. Nur fünf Tage war die Juristin seit Beginn der Pandemie im Home-Office, um vor allem ihre Jüngste zusätzlich zu unterstützen – insbesondere, als die Schulen wieder öffneten und ihr Partner seine normale Unterrichtstätigkeit aufnahm.

Ansonsten war Habich in ihrem Büro am Universitätsring – dort, wo inzwischen ein schwarz-gelbes Klebeband auf dem Fußboden den nötigen Abstand von Kolleginnen und Kollegen zu ihrem Schreibtisch markiert. Den überwiegenden Teil ihrer Arbeit verbrachte sie damit, Corona-Fragen in der Abteilung zu koordinieren. Davon gab es viele, ganz besonders in den ersten Tagen und Wochen: Was ist beim Home-Office zu beachten und zu organisieren? Wie kann ein Kompromiss gefunden werden, wenn eine Beschäftigte sich für die Kinderbetreuung freistellen lassen will, aber eigentlich benötigt wird? Dienstvereinbarungen mussten erarbeitet werden – Habich hebt in diesem Zusammenhang die gute Kooperation mit dem Personalrat hervor. Sie selbst hat den Kontakt zum Wissenschaftsministerium des Landes gehalten, Informationen zusammengetragen, was sich durch jeweilige Verordnungen von Land und Kommune für ihren Bereich an Handlungsbedarf ergab. Und Zuarbeiten für den Kanzler und für die Personalfragen in den FAQ der MLU-Corona-Seiten geleistet. Zudem gingen bei ihr Quarantänemeldungen von Beschäftigten ein – über 70, meist nach Reisen. „Ruhig ist es hier nie“, sagt Habich heute, „aber das war schon stressiger als sonst.“ Zumal auch Corona-unabhängige Fragen – etwa zu Befristungen von Arbeitsverträgen – weiterliefen.

Stichwort Arbeitsverträge: Es gab aus Habichs Sicht nicht nur einen sehr großen Zusammenhalt im Team. Sondern trotz kleinerer Besetzung – etwas mehr als die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung war jeweils im Büro – auch den Willen, so lange und so gut wie nur irgend möglich arbeitsfähig zu bleiben. Wegen der Einschränkung des Besucherverkehrs seien Arbeitsverträge nicht nur verschickt, sondern in eiligen Ausnahmefällen sogar draußen an der frischen Luft unterzeichnet worden. Gerade, wenn es um die Vertragsverlängerungen ging, war das wichtig, damit Beschäftigte nicht zwischenzeitlich in die Arbeitslosigkeit rutschen. „Es hängen Existenzen dran“, so Habich. Deshalb musste auch der Kontakt zur Bezügestelle aufrechterhalten werden: dass Uni-Angehörige kein Geld erhalten, sollte unbedingt vermieden werden. Im Hinterkopf sei am Anfang zudem immer gewesen, sich auch auf eine Komplettschließung der Universität vorzubereiten – die es letztlich bisher nicht gab.

Alles sei allerdings nicht wie in normalen Zeiten zu bewältigen gewesen, so Habich. „Wir mussten Prioritäten setzen.“ Die lagen bei Verträgen von Beschäftigten, für die das Gehalt die einzige Einnahmequelle ist. Bei studentischen Hilfskräften habe man auf Bafög, Unterstützung von Eltern oder Hilfen des Studentenwerks gesetzt, zumindest für eine gewisse Zeit. „Der 1. April wäre bei uns Haupteinstellungstermin für Hilfskräfte gewesen“, sagt Habich. 40 bis 50 Verträge am Tag im Haus unterzeichnen zu lassen, das ging nicht. Inzwischen sind die Rückstände längst aufgeholt, wurde im Anhalter Zimmer in der Burse zur Tulpe eine Möglichkeit zur Vertragsunterzeichnung für eilige Fälle oder solche mit Klärungsbedarf geschaffen.

Eine Herausforderung, ist sich Habich übrigens sicher, kommt noch:  Home-Office und flexiblere Arbeitszeiten werden in Zukunft stärker gefragt sein. Die Dienstvereinbarungen zur „Arbeitszeit“ und „Tele- und Heimarbeit“, wie sie in Nicht-Corona-Zeiten gelten, sollten übrigens ohnehin überarbeitet werden.

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