In memoriam Carsten Hörich

23.02.2018 von Prof. Dr. Winfried Kluth in Personalia
Völlig unerwartet und viel zu früh verstarb am 8. Februar im Alter von 36 Jahren Dr. Carsten Hörich. Unermüdlich wirkte der Jurist auf seinem Spezialgebiet, dem Migrationsrecht - unter anderem als Mitarbeiter der Forschungsstelle Migrationsrecht, die 2016 an der Universität Halle gegründet wurde.
Dr. Carsten Hörich
Dr. Carsten Hörich (Foto: privat)

Dr. Carsten Hörich erblickte im Oktober 1981 in Halberstadt das Licht der Welt. Nach dem Abitur studierte er in Göttingen die Rechtswissenschaften erfolgreich und absolvierte anschließend im Landgerichtsbezirk Braunschweig den juristischen Vorbereitungsdienst, den er mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen abschloss.

Sein Wissensdurst war durch die reguläre Ausbildung aber noch nicht gestillt. Als am Lehrstuhl für öffentliches Recht im Jahr 2008 die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters mit Schwerpunkt Migrationsrecht ausgeschrieben war, wurde er zum Heimkehrer nach Sachsen-Anhalt. Nach einer ersten vorsichtigen Annäherung an das ihm bis dahin wenig vertraute Migrationsrecht arbeitete er sich schnell und gründlich in die damals noch nicht im Fokus der großen politischen Debatten stehende Thematik ein. Schon bald engagierte sich Carsten Hörich im Netzwerk Migrationsrecht und initiierte 2011 zusammen mit Hannah Tewocht das „Praxisprojekt Migrationsrecht“, eine der ersten Initiativen an deutschen Jurafakultäten, bei denen Studierende in Zusammenarbeit mit Migrantenberatungsstellen Flüchtlinge mit Rechtsrat unterstützen. Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet und verknüpft bis in die Gegenwart akademisches Wissen mit der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.

Carsten Hörich war in der Lehre und der universitären Selbstverwaltung engagiert. Von 2012 bis 2014 war er Mitglied des akademischen Senats der Martin-Luther-Universität. Er arbeitete von 2014 bis 2015 als Lehrkraft für besondere Aufgaben und hat vielen Studierenden den Zugang zum rechtswissenschaftlichen Arbeiten eröffnet, stets bemüht um die Fortentwicklung der guten Lehre. Vor allem aber hat er viele Studierende für das Migrationsrecht und das Engagement für Flüchtlinge begeistern können.

Nach erfolgreicher Promotion folgten Jahre der Tätigkeit als freier Dozent im Bereich des Migrationsrechts. Er war als Referent, wissenschaftlicher Gutachter und Berater sehr gefragt und arbeitete zielstrebig und voller Tatendrang an der Verwirklichung seiner beruflichen Ziele. Zugleich wirkte Carsten Hörich als geschätzter Lehrbeauftragter und Prüfer in der juristischen Ausbildung mit.

Seit der Gründung im November 2016 gehörte Carsten Hörich zu den Mitgliedern der Forschungsstelle Migrationsrecht und unterstützte deren Arbeit als Ideengeber und Autor zahlreicher Fachpublikationen. Zugleich arbeitete er mit Gleichgesinnten an einem Halleschen Entwurf für ein Einwanderungsgesetz.

Den Abschluss dieses innovativen Projekts durfte er nicht mehr erleben. Carsten Hörich verstarb völlig unerwartet und viel zu früh. Bis zuletzt war er als ehrenamtlicher Berater in der Flüchtlingshilfe gemeinsam mit Studierenden in Griechenland aktiv.

Sein kluges Engagement, seine optimistische Menschenfreundlichkeit und sein kritischer Sachverstand werden uns fehlen. Wir werden ihn und seine Anliegen als Ansporn für unsere weitere Arbeit im Herzen tragen.

Der Autor Prof. Dr. Winfried Kluth ist Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht an der Universität Halle und leitet die Forschungsstelle Migrationsrecht.

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Kommentare

  • Dr. Hans-Peter Welte am 23.02.2018 11:31

    Mit Herrn Dr. Carsten Hörich verlieren wir einen engagierten und hochgeschätzten Migrationsrechtler, der die Humanität in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit gestellt und danach gewirkt hat.
    Dr. Hans-Peter Welte

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