20 Fragen an … Henryk Löhr

1 | Warum leben Sie in der Region und nicht anderswo?
Ich stamme aus Magdeburg und bin zum Studium nach Halle gekommen. Die Stadt mit ihren Widersprüchen und ihrem oft unterschätzten Potenzial hat mich von Anfang an fasziniert und ich habe hier Möglichkeiten zum Mitgestalten gefunden. Nur mit der oft gepflegten Rivalität zu Magdeburg habe ich nie etwas anfangen können.
2 | Wenn nicht Archäologe, was wären Sie dann geworden?
Denkmalpflege, Museum, Archiv – etwas, das mit Bewahren und Vermitteln von historischem Erbe zu tun hat, hatte es auf jeden Fall sein sollen. Die Tätigkeit am Archäologischen Museum ermöglicht mir genau das und könnte nicht besser passen.
3 | Was war an Ihrer Ausbildungs- bzw. Studienzeit am besten?
Trotz äußerlicher Anpassung war das Studium in den Altertumswissenschaften in Halle in den 1980er Jahren fast gar nicht von ideologischen Vorgaben geprägt. Es gab bemerkenswerte Freiräume und am Ende Möglichkeiten, Veränderungen aktiv mit anzustoßen.
4 | Welchen Rat fürs Überleben würden Sie Studierenden heute geben?
In der heutigen Überflutung mit echten und falschen, wichtigen und unwichtigen Informationen die Orientierung zu behalten und ihr mit kritischem Denken zu begegnen.
5 | Wenn Sie Wissenschaftsminister wären, was würden Sie als Erstes tun?
Ein vermessener Gedanke. Aber grundsätzlich erscheint mir Vertrauen in die Eigenverantwortung einzelner Wissenschaftsbereiche zum Beispiel bei der Verwendung von Mitteln meist zielführender als abstrakte Vorgaben.
6 | Was ist für Sie die erste Aufgabe der Wissenschaft?
Zum Verständnis der Welt beizutragen und – genauso wichtig – Erkenntnisse in die Breite zu vermitteln.
7 | Was haben Intelligenz und Menschlichkeit miteinander zu tun?
Intelligenz ohne Empathie kann leicht zu bedenklichen Ergebnissen führen.
8 | Worüber ärgern Sie sich am meisten?
Ignoranz und Selbstbezogenheit, wie sie sich auf vielen Ebenen leider auszubreiten scheint.
9 | Was bringt Sie zum Lachen?
Trockene Satire, etwa Loriot oder die Cartoons von Til Mette im Stern.
10 | Was schätzen Sie an Ihren Freundinnen und Freunden?
Anregenden Austausch und gegenseitiges Einstehen, wenn es nötig ist.
11 | Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Dinge zu strukturieren, Räume zu gestalten, möglichst funktionell, aber dabei nicht langweilig.
12 | Was erwarten Sie von der Zukunft?
Ich erhoffe mir – neben anderem –, dass bei allen rasanten Veränderungen, die wir erleben, genügend Erinnerungen an unser Herkommen bleiben, auch sicht- und greifbare. Sie sind unverzichtbar zur Orientierung.
13 | Woran glauben Sie?
Für Glaubenskonzepte bin ich immer zu skeptisch gewesen. Was Faszination und Hoffnung aber keinesfalls ausschließt.
14 | Welchen bedeutenden Menschen unserer Zeit hätten Sie gern als Gesprächspartner?
Luisa Neubauer vielleicht. Ihre Fähigkeit, Aufmerksamkeit auf einige der drängendsten Probleme unserer Zeit zu lenken, deutlich und energisch, aber immer sachlich, finde ich sehr beeindruckend.
15 | Wer war oder ist für Sie der wichtigste Mensch in Ihrem Leben?
Die Familie, besonders meine Frau und meine Tochter. Diese Gemeinschaft ist der zentrale Punkt in meinem Leben.
16 | Welchen Ort der Welt möchten Sie unbedingt kennen lernen?
Es gibt für mich nicht den einen Sehnsuchtsort. Reizvoll sind immer die authentischen Orte, die sich zum Glück manchmal auch noch wenige Schritte neben den bekannten Zielen finden.
17 | Womit verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
Interessante Orte zu entdecken oder auch mitzugestalten, wie in den letzten Jahren die alte Schwemme-Brauerei.
18 | Was wären Ihre drei Bücher für die Insel?
Sehr schwierig. Jean Giradoux „Der trojanische Krieg wird nicht stattfinden“, Hoimar von Ditfurth, „Kinder des Weltalls“, Hermann Hesses „Glasperlenspiel“ wären Bücher, die mich sehr geprägt haben.
19 | Wenn Sie einen Wunsch frei hätten…?
Dass sich die gern beschworene Vernunftbegabung des Menschen stärker gegen Egoismen durchsetzt.
20 | Ihr Motto?
Wo irgend möglich nach Lösungen zu suchen, statt über Probleme zu klagen.
Aus der Vita
- 1964 in Magdeburg geboren
- 1984–1989 Studium der Klassischen Archäologie und Philologie in Halle und Rostock
- 1989–1992 Stipendium am Archäologischen Museum der Universität Halle
- seit 1992 Mitarbeiter am Archäologischen Museum (Betreuung und Aufarbeitung der Abguss- und Originalsammlung; Neuinventarisierung der Sammlungen in Datenbanken; Forschungen zur Geschichte des Archäologischen Museums; Mitgestaltung von Ausstellungen; Teilnahme an Grabungen in Georgien und Aserbaidshan sowie in Didyma (Türkei); Autoren- und Redaktionstätigkeit in Publikationen des Museums und des Instituts; Führungsangebote für Besucher des Archäologischen Museums
- aktives Mitglied in mehreren Denkmalvereinen (Arbeitskreis Innenstadt e.V., Schwemme e.V.)