Einmal um die Welt: Internationale Tagung zu Georg und Johann Reinhold Forster

28.08.2018 von Laura Krauel in Wissenschaft, Forschung
Georg und Johann Reinhold Forster sind für ihre Weltreisen im 18. Jahrhundert bekannt. Eine Auswahl ihrer gesammelten Schätze befindet sich heute in Halle und im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Vom 6. bis 8. September findet in Wörlitz die Tagung „Gesammelte Welten“ statt. Sie wird von der Uni Halle, der Dessau-Wörlitz-Kommission und der Kulturstiftung Wörlitz organisiert. Prof. Dr. Elisabeth Décultot, Humboldt-Professorin an der MLU, erklärt, worum es dabei genau geht.
Humboldt-Professorin Elisabeth Décultot befasst sich unter anderem mit Johann Reinhold Forster.
Humboldt-Professorin Elisabeth Décultot befasst sich unter anderem mit Johann Reinhold Forster. (Foto: Maike Glöckner)

Georg und Johann Reinhold Forster waren Gelehrte der Aufklärung, die als Naturforscher an der Seite von James Cook die Welt umsegelt haben. Welche Bedeutung haben sie für Mitteldeutschland und die Uni Halle?
Elisabeth Décultot: 1775 haben die Forsters den Fürsten Franz von Anhalt-Dessau und seine Frau Luise in London getroffen und ihnen etwa 40 seltene, wertvolle Objekte aus der Südsee geschenkt – zum Beispiel eine Tintenfischangel aus Tonga und Schmuck aus Tahiti. 1779 hielten sie sich auf Einladung des Fürsten einige Zeit in Wörlitz auf. Vor allem Georgs Vater Johann Reinhold steht in enger Beziehung zur Universität. Er wurde im gleichen Jahr als Professor für Naturgeschichte und Mineralogie nach Halle berufen. Daneben war er auch Direktor der Zoologischen und Mineralogischen Sammlungen und des Botanischen Gartens. Er hat auf seinen Reisen viele Objekte gesammelt, die auf die Historie der Naturgeschichte im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert ein aufschlussreiches Licht werfen. Am Lehrstuhl für neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer beschäftige ich mich zusammen mit meinen Mitarbeitern auch mit seinen Aktivitäten an der Uni Halle. Dabei gibt es noch viel zu entdecken – zum Beispiel, wie er die Botanische und Mineralogische Sammlung bereichert hat und was aus diesen Objekten geworden ist.

In Wörlitz werden die Schätze der Forsters gezeigt.
In Wörlitz werden die Schätze der Forsters gezeigt.
(Foto: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz/Heinz Fräßdorf)

Eine im Mai in Wörlitz eröffnete Ausstellung ist Georg Forster gewidmet, eine weitere zeigt im nächsten Jahr sogar die gesamte Wörlitzer Forster-Sammlung. Worum geht es nun bei der Tagung?
Beide Forsters sind nicht nur ein Magnet für die naturwissenschaftliche Forschung, sondern auch für die Geisteswissenschaften – und für die Wissenschaftsgeschichte überhaupt. Schon deswegen, weil sie echte Kosmopoliten sind. Durch ihre Weltumsegelung und die deutsch-englische Biografie sind sie von globalem und europäischem Interesse. Aus verschiedenen Gründen haben sie auch in der Region Mitteldeutschland gelebt und gewirkt. Bei der Tagung möchten wir diese räumlichen Dimensionen näher betrachten. Ein Thema sind aber auch ihre Sammlungsaktivitäten. Was war das Ziel der Forsters? Haben sie die Objekte aus ethnografischem, ästhetischem oder naturwissenschaftlichem Interesse gesammelt? Kann man diese Kategorien überhaupt unterscheiden? Das sind Fragen, die wir uns bei der Tagung stellen wollen. Außerdem ist sie eine Art wissenschaftliche Vorbereitung auf die große Eröffnung der Sammlungsausstellung im Mai 2019.

Was macht die Veranstaltung darüber hinaus interessant?
Bei der Tagung kommen viele Vertreter der nationalen und internationalen Forster-Forschung zusammen. Besonders ist auch, dass wir beide Forsters in den Blick nehmen – nicht nur den berühmteren Sohn, sondern auch seinen Vater. Ihre Beziehung ist noch wenig erforscht, obwohl sie bestimmte Facetten ihres Lebens erhellen kann. Dazu gehört das ethnografische Interesse von Georg, das sich in seinen Reiseberichten widerspiegelt und auf welches sein Vater Johann Reinhold einen großen Einfluss hatte.

 

Die Tagung

„Johann Reinhold und Georg Forster – Gesammelte Welten“ richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit dem Leben und Wirken der Forsters befassen, sowie an alle weiteren Interessenten. Die Tagung findet vom 6. bis 8. September 2018 im Historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ in Wörlitz statt.

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