Vom Meteoriten geschmolzen

06.11.2018 von Friederike Stecklum in Varia
Er ist etwa zwei Milliarden Jahre alt und hat einen Meteoriteneinschlag miterlebt: der Stein, der im Foyer des Instituts für Geowissenschaften und Geographie der Uni Halle steht. Ursprünglich stammt er aus Südafrika. Für seine Reise in die Saalestadt hat er etwa zwei Jahre gebraucht. Denn ganz einfach ist der Transport einer 630 Kilogramm schweren Steinplatte nicht. Warum sich der Aufwand aber gelohnt hat, weiß Prof. Dr. Herbert Pöllmann, der den Erwerb des Steins organisiert hat.
Prof. Dr. Herbert Pöllmann (li.) und Dr. Thomas Johannes Degen (r.)  freuen sich über den geschichtsträchtigen Stein im Institut.
Prof. Dr. Herbert Pöllmann (li.) und Dr. Thomas Johannes Degen (r.) freuen sich über den geschichtsträchtigen Stein im Institut. (Foto: Friederike Stecklum)

„Es handelt sich um ein Gestein aus dem Vredefort-Krater in Südafrika. Das ist der größte sicher nachweisbare und sichtbare Einschlagkrater eines Meteoriten. Die Steinplatte zeigt eindrücklich die große Krafteinwirkung“, sagt Pöllmann. Denn als der Meteorit vor etwa zwei Milliarden Jahren auf der Erde einschlug, war die dabei entstehende Hitze so groß, dass ein Teil des irdischen Gesteins geschmolzen ist. Wer heute vor der dunklen, glänzend geschliffenen Platte steht, kann dieses Phänomen bewundern: Es gibt gleichmäßige dunkle Stellen, die flüssig waren, und rundere helle Schnittflächen von Gesteinsbrocken, die darin schwammen. „Dieses charakteristische Bild des wieder erstarrten Gesteins ist etwas ganz Besonderes und ich finde, dass jeder unserer Studierenden das sehen sollte“, sagt der Mineraloge.

Also fasste er vor drei Jahren den Plan, ein Stück aus dem Kraters nach Halle zu bringen. Allerdings war der Vredefort-Krater – vorher noch als Steinbruch genutzt – inzwischen zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt worden. Das Gestein darf also nun weder abgebaut noch verkauft werden. Glückerweise kannte ein Kollege von Pöllmann einen Farmer in Südafrika, der noch Gestein aus dem Krater-Steinbruch aus der Zeit vor der Verleihung des Weltnaturerbe-Titels besaß. Dieses darf legal erworben werden. Pöllmann kümmerte sich um den Kauf und bestellte eine Steinplatte, die 1,8 Meter hoch, 1,2 Meter breit und 0,2 Meter tief ist und 630 Kilogramm wiegt. „Die bürokratischen Hürden für die Ausfuhr und den Transport waren nicht ganz ohne, deshalb zog sich der Prozess über zwei Jahre hin“, so Pöllmann.

In einer Holzkiste verpackt ging es für die fertig polierte Steinplatte per Schiff und Lkw nach Deutschland. „Hier im Institut haben wir zehn Leute gebraucht, um das schwere Stück zu tragen und an der Wand zu montieren“, erinnert sich Pöllmann. Nun steht der geschichtsträchtige Stein im Erdgeschoss am Von-Seckendorff-Platz 3 rechts vor dem Hörsaal zum Treppenaufgang – bereit, um von Studierenden und Interessierten als einzigartiges Anschauungsmaterial genutzt zu werden.

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