Wie das Löwengebäude zu den Löwen kam

29.04.2013 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Varia, Campus
Im Hauptgebäude der halleschen Universität ist zurzeit eine sehenswerte Sonderausstellung „Vom Barfüßerkloster zum Löwengebäude – das hallesche Universitätsgebäude am Wandel“ zu sehen. Scientia halensis war bei der Eröffnung der Schau dabei.
Blick in die Ausstellung zum Löwengebäude,
Blick in die Ausstellung zum Löwengebäude, (Foto: Anja Nicke)

Donnerstag, 25. April 18 Uhr. Die laue Luft und die grünenden Bäume kündigen den Sommer an. Stimmengewirr rauscht in der Luft, während die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Melanchthonianum verschwinden. Noch immer tummeln sich viele Studenten auf dem Universitätsplatz. Sie sitzen auf der großen Treppe, warten vor dem Audimax auf den Beginn der nächsten Veranstaltung oder diskutieren das vergangene Seminar. An diesem Abend wird hier auch ein Blick in die Vergangenheit dieses geschichtsträchtigen Ortes geworfen: Die Zentrale Kustodie der Martin-Luther-Universität eröffnet im Universitätshauptgebäude, genannt Löwengebäude, die Sonderausstellung „Vom Barfüßerkloster zum Löwengebäude – das hallesche Universitätsgebäude am Wandel“

In der prunkprächtigen Aula des Hauptgebäudes am Universitätsplatz entführen Olivia Saragosa und Johannes Dehning die Gäste mit ihrer Darbietung von Carl Loewes Balladen zurück in die Epoche der Errichtung des Löwengebäudes, das damals noch nicht von den zwei Löwen bewacht wurde. Die Ansprachen von Rektor Prof. Dr. Udo Sträter und Kustos Dr. Ralf-Torsten Speler führen die Besucher weiter durch die Geschichte des Gebäudes.

Diese einmalige Sonderschau widmet sich der Architektur- und Kunstgeschichte des klassizistischen Universitätshauptgebäudes. Viele unterschiedliche Objekte zeugen vom Wandel, sowohl des Aussehens des Gebäudes als auch des Lebens und Treibens darin. Vorgestellt wird die Vorgeschichte des Baus bis zur Einweihung des Löwengebäudes und die verschiedenartige Nutzung im Wandel der Zeit von 1834 bis heute.

Blick in die Ausstellung zum Löwengebäude,
Blick in die Ausstellung zum Löwengebäude,
(Foto: Anja Nicke)

Jeden Tag begleiten die Sinnbilder der vier Fakultäten – Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie – in Form von Wandfriesen die Studenten, wenn sie im Löwengebäude Seminare und Vorlesungen besuchen. Die dazugehörigen Entwurfszeichnungen von Gustav Adolf Spangenberg werden in der Ausstellung gezeigt und lassen die Entstehung erahnen. Doch die Schau zeigt noch viel mehr Zeugnisse der Zeit, wie die Baupläne, den fantastischen Schmuck des Hauptgebäudes anlässlich der 200-Jahr-Feier oder die Baugrube während des Umbaus durch die Nationalsozialisten. Die rund 200 Exponate geben erstmalig einen umfassenden und bunten Einblick in alle wichtigen graphischen Darstellungen des Hauptgebäudes, von der Entstehung bis zur Gegenwart. Sie werden durch Gemälde und Bildnisporzellane sowie Ansichten auf Steinzeug und Glas des 19. Jahrhunderts, aber auch Mobiliar ergänzt.

„Diese Sonderausstellung wird einmalig sein, da von allen erreichbaren Leihgaben ein Viertel aus Privatbesitz sind”, sagt Ralf-Torsten Speler. Die Schau, in zwei Abteilungen gegliedert, zeigt auf rund 140 Quadratmetern Fläche die spannende Geschichte dieses Traditionsgebäudes aus der Zeit Preußens, dem Kaiserreich, aus der Weimarer Republik, der Umgestaltung in der DDR und der Neugestaltung des Universitätsplatzes zur 500-Jahr-Feier der Universität 2002. Die Sonderschau ist bis zum 12. Juli jeweils dienstags bis freitags von 11 bis 13 Uhr sowie 14 bis 18 Uhr und sonntags 14 bis 18 Uhr zu sehen.

Während die Gäste drinnen die Ausstellung nun bei einem kühlen Bier auswerten, ist die Sonne draußen mittlerweile untergegangen. Die Luft ist noch immer lauwarm, aber nur noch wenige Studenten bevölkern jetzt den Universitätsplatz. Doch morgen werden wieder hunderte Studenten an diesem historischen Ort lernen und forschen. Und vielleicht werden sie die Gelegenheit nutzen, in der Pause in die Geschichte des Gebäudes einzutauchen und herauszufinden wie das Löwengebäude zu seinen Löwen kam.

Text: Anja Nicke

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