Freie Bildungsressourcen für jeden?

07.04.2016 von Corinna Bertz in Im Fokus
Nicht nur Forschungsdaten und wissenschaftliche Publikationen sind online oftmals frei zugänglich verfügbar: Egal ob Lehrbücher, Videos, ganze Online-Kurse oder Arbeitsblätter – viele Lehr- und Lernmaterialien sind heute im Internet zu finden. Im Jahr 2002 wurden unter dem Begriff „Open Educational Resources“ (OER) erstmals alle Lehr- und Lernressourcen zusammengefasst, die gemeinfrei sind, kostenfrei genutzt oder unter einer offenen Lizenz bearbeitet und verändert werden dürfen.
Bilder, Videos, Arbeitsblätter: Eine große Auswahl an Lehrmaterialien steht online zur freien Verfügung.
Bilder, Videos, Arbeitsblätter: Eine große Auswahl an Lehrmaterialien steht online zur freien Verfügung. (Foto: Anke Tornow)
Kevin Atkins
Kevin Atkins
(Foto: Anke Tornow)

Uni-Dozenten, Lehrern und jedem Lernwilligen steht damit eine große Auswahl an Materialien zur Verfügung. Jedoch: „Es gibt für diese Open Educational Resources noch keinen zentralen Anlaufpunkt im Netz“, sagt Kevin Atkins vom Zentrum für Multimediales Lehren und Lernen (@LLZ) der Uni Halle. Man müsse selbst recherchieren, die Materialien anschließend oft noch individuell anpassen, und dabei genau auf die Lizenzen und damit verbundene Nutzungsbedingungen achten.

Noch immer wird ein Großteil der online verfügbaren Dateien genutzt, ohne dass die Rechte und Vorgaben der Urheber eingehalten werden. Will man freie Bildungsressourcen für seine Zwecke nutzen, zum Beispiel für seine Lehrveranstaltung, so ist die korrekte Lizenzierung und Kennzeichnung des Materials entscheidend. „Für dieses Thema möchten wir Lehrende und Studierende sensibilisieren. Wir informieren über die verschiedenen Lizenzen und geben ihnen Beispiele an die Hand, durch die sie in der Nutzung von freien Bildungsressourcen sicherer werden“, so Atkins.

Bei Schulungen, Onlinekursen und Lernwerkstätten des @LLZ lernen die Teilnehmer, worauf sie achten müssen, wenn sie OER-Materialien bereitstellen oder nutzen möchten. Dozenten können in einem Schulungsblock, in dem didaktische Methoden, Werkzeuge sowie Grundlagen multimedialer Lehre und eben auch zu OER vermittelt werden, das Zertifikat „Multimediale Lehre“ erlangen. „Zum Thema OER ist im Mai oder Juni eine Themenwoche mit externen Referenten angedacht.“

Das Grundproblem sei derzeit jedoch noch ein anderes, berichtet Atkins: „Fast jeder möchte freie Bildungsressourcen nutzen, aber nur wenige Menschen wollen eigene Materialien lizenzfrei zur Verfügung stellen. Diese Rechnung kann nicht aufgehen.“ Es brauche Vorreiter und gute Beispiele, die zeigen, dass sich die Verwendung und Nutzung von OER lohnt. Und die gibt es auch in Halle: Seit vielen Jahren überträgt Prof. Dr. Christian Tietje seine Jura-Vorlesungen live ins Netz. Und der Sportpädagoge Dr. Andreas Günther stellte bereits Hunderte kurze Lehr-Videos unter einer freien Lizenz online. Alle Interessenten, die Ähnliches vorhaben, werden vom @LLZ beraten und unterstützt.

Die nächste Weiterbildung rund um die multimediale Lehre startet am 22. April. Interessierte können sich bis 15. April per E-Mail an schulungen@llz.uni-halle.de anmelden. Mehr unter: www.llz.uni-halle.de/schulungen

Kontakt: Kevin Atkins
Zentrum für multimediales Lehren und Lernen (@LLZ)
Tel.: 0345 5528682
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