"Wir brauchen die Internationalisierung"

30.04.2015 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Varia, Campus
17 chinesische Studierende am Institut für Wirtschaftsrecht, Besucher aus Südkorea und der Mongolei – schon vor dem Start der Internationalen Woche am 5. Mai begrüßt die Uni Halle in diesen Tagen Gäste aus aller Welt. Über die guten Beziehungen nach Asien und die Bedeutung der internationalen Studierenden für die Hochschule spricht Dr. Manja Hussner, Leiterin des Internationalen Büros der Universität im Interview. Delegationen aus Südkorea und der Mongolei sind zurzeit an der Uni zu Gast und der Deutsche Akademische Austauschdienst hat vor Kurzem zum zweiten Mal eine halbe Million Euro für einen Studierendenaustausch mit China zur Verfügung gestellt.
1884 internationale Studierende sind zurzeit an der Uni Halle eingeschrieben. "Ohne sie können wir die Universität in ihrer heutigen Größe und Bedeutung nicht aufrechterhalten", sagt Manja Hussner im Interview.
1884 internationale Studierende sind zurzeit an der Uni Halle eingeschrieben. "Ohne sie können wir die Universität in ihrer heutigen Größe und Bedeutung nicht aufrechterhalten", sagt Manja Hussner im Interview. (Foto: Maike Glöckner)

Ist Asien ein Schwerpunkt der Internationalisierung an der Universität? Manja Hussner: Wir haben traditionell sehr gute Beziehungen in den asiatischen Raum. Das ist eindeutig eine Stärke unserer Universität. Unsere Kontakte in die Mongolei und nach Südkorea sind historisch gewachsen – ebenso wie unsere engen Beziehungen zu russischen Universitäten. China stand hingegen lange Zeit weniger im Fokus. Vor allem unsere Juristen und Wirtschaftswissenschaftler arbeiten bereits seit zehn Jahren eng mit chinesischen Partnern zusammen. Inzwischen sind die Chinesen aus dem internationalen Bildungsgeschäft nicht mehr wegzudenken. Sie investieren sehr stark in die Entwicklung ihrer Forschungs- und Bildungslandschaft und sind deshalb an Kooperationen besonders interessiert. So kam das Panda-Programm zustande und so haben wir dank einer Förderung des Konfuzius-Instituts in Peking nun eine chinesische Lektorin für zwei Jahre gewinnen können. Darüber hinaus sind wir durch sechs Uni-Partnerschaften mit den besten Hochschulen Japans verbunden. Unser deutsch-japanischer Doppelmaster gehört zu den bundesweit besten Studiengängen dieser Art und das Graduiertenkolleg Halle-Tokyo ist das erste geisteswissenschaftliche Graduiertenkolleg in Deutschland, das die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan ins Zentrum stellt.

Dr. Manja Hussner
Dr. Manja Hussner
(Foto: Jessen Mordhorst)
Spiegeln sich diese guten Beziehungen nach Asien auch in den Herkunftsländern der Studierenden wider?

Ja. Die vier größten Gruppen unserer internationalen Studierenden stammen aus dem asiatischen Raum. Mehr als 100 Studierende kommen jeweils aus China, Vietnam, Indonesien und aus Russland, das sich zum Teil ebenfalls über den asiatischen Kontinent erstreckt. Auch der arabische Raum ist sehr gut vertreten. Mehr als 80 unserer Studierenden stammen zum Beispiel aus Syrien.

Aus welchen Gründen entscheiden sie sich für ein Studium in Halle?

Viele Studierende und Doktoranden konnten wir dank unserer Uni-Partnerschaften gewinnen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda spielt dabei eine große Rolle. Wer als internationaler Studierender einmal in Halle war und sich hier willkommen gefühlt hat, der kommuniziert das in seine Heimat. Familiäre Bindungen können ähnlich entscheidend sein. Sie spielen zum Beispiel bei unseren Studierenden aus Vietnam eine große Rolle. In Sachsen-Anhalt gibt es eine starke vietnamesische Gemeinschaft, die ihren Bekannten und Verwandten das Studium hierzulande empfiehlt. Für Deutschland spricht generell, dass das Studium vergleichsweise preiswert ist und als qualitativ sehr hochwertig gilt. Ein wichtiges Argument ist auch, dass sich die Studierenden hier sicher fühlen.

Warum ist es überhaupt wichtig, auch internationale Studierende zu gewinnen?

Sie tragen zur Internationalität der Universität bei und diese wiederum ist ein entscheidender Anreiz, um Forscher aus aller Welt zu gewinnen. Wir brauchen die Internationalisierung auch, um für den deutschen Markt attraktiv zu bleiben. Denn deutsche Studienbewerber schauen ebenfalls auf die Internationalität einer Universität. Dieser Punkt wird oft unterschätzt. Mit Hilfe der Internationalen lassen sich auch englischsprachige Studienangebote leichter einrichten – für eine Universität unserer Größe ist unser Angebot noch zu schwach ausgebildet. Ohne die internationalen Studierenden könnten wir die Studierendenzahlen, die im Hochschulpakt gefordert werden, angesichts der demographischen Entwicklung in Sachsen-Anhalt nicht mehr erfüllen. Auch wer, von einem Studienkolleg kommend, sich bei uns als Erstsemester einschreibt, zählt als Studienanfänger. Kurz: Ohne internationale Studierende können wir die Universität Halle in ihrer heutigen Größe und Bedeutung nicht aufrechterhalten.

Welche Rolle spielen die Internationalen bei der Erfüllung der Studierendenzahlen für den Hochschulpakt?

Zurzeit kommen 9,66 Prozent unserer Bachelor- und Master-Studenten aus dem Ausland. Das sind insgesamt 1884 Studierende. Im letzten Wintersemester haben wir sieben Prozent unserer Hochschulpaktmittel den internationalen Studierenden zu verdanken.

Was tut die Universität, um weltweit Studenten für Halle zu gewinnen?

Internationale Studieninteressenten erreichen wir heute vor allem über das Internet. Entscheidend ist, dass wir sie mit einen durchgängig englischsprachigen Angebot begrüßen können. Daran arbeiten wir zurzeit. Die Seiten des International Office werden von Beginn an zweisprachig angeboten. Außerdem fahren wir auf ausgewählte Bildungsmessen und pflegen die verschiedenen Kooperationen mit unseren Partner-Universitäten. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Studienplatz-Bewerber aus dem Ausland 2015 um 100 Prozent gestiegen. Mit mehr Werbung für unser Studienangebot weltweit können wir sehr einfach signifikant mehr Bewerber generieren. Wir müssen aber darauf achten, dass unsere Strukturen auch zu diesem wachsenden Interesse passen und wir mehr Bewerber zulassen können. Wer aus dem Ausland kommt, muss zunächst bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Deshalb ist zum Beispiel ein ausreichendes Angebot an Deutschkursen wichtig.

Am kommenden Dienstag beginnt die fünfte Internationale Woche 2015. Was bietet sie in diesem Jahr?

Inzwischen beteiligen sich fast alle Fakultäten am Programm der Internationalen Woche, ebenso internationale Dozenten und Studenten aus China, dem Oman, Brasilien, Russland, Vietnam und anderen Ländern. Wir bieten jede Menge Informationen zu den verschiedenen Wegen ins Ausland – während des Studiums, zur Promotion, als Praktikant oder Dozent. In diesem Jahr finden zudem erstmals Zum Programm der Kulturtage zeitgleich mit der internationalen Woche statt. Die Uni Halle pflegt sehr enge Beziehungen zu Armenien und mit Frau Drost-Abgarjan forscht und lehrt die einzige DAAD-Professorin für Armenologie bei uns. Anlässlich des Genozids an den Armeniern vor 100 Jahren wird es deshalb am Sonntag, 10. Mai, in der Aula eine Gedenkstunde mit Festkonzert geben. Außerdem erwarten wir zur Internationalen Woche zwei Gastreferenten: Andreas Hoeschen

vom DAAD und Thomas Mutzke von der Fulbright-Kommission für Studienaufenthalte in den USA informieren über Fördermöglichkeiten. Interview: Corinna Bertz

Zum vollständigen Programm der Internationalen Woche und zu den Terminen der Armenischen Kulturtage in Halle: www.international.uni-halle.de/aktuelles

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