Quartett aus London beeindruckt bei den "aula konzerten halle"

07.05.2015 von Corinna Bertz in Varia, Rezension, Wissenschaft
Mit überschwänglichem Beifall endete das Konzert des Primrose Piano Quartet aus Großbritannien am 5. Mai im Löwengebäude der Martin-Luther-Universität. In der Kammermusikreihe „aula konzerte halle“ bot das mehrfach ausgezeichnete Quartett ein abwechslungsreiches Programm von Streichtrios und Klavierquartetten. Pascal Schiemann hat den Abend rezensiert.
Für das Aula-Konzert war das Primrose Piano Quartet (Violine, Viola, Violoncello und Klavier)  aus London angereist.
Für das Aula-Konzert war das Primrose Piano Quartet (Violine, Viola, Violoncello und Klavier) aus London angereist. (Foto: Maike Glöckner)

„Musique pour faire plaisir“ solle jede veritable Tonkunst sein – Musik also, die Freude macht. So formulierte der französische Komponist Jean Françaix das Leitmotiv seiner musikphilosophischen Anschauung, als selbstauferlegte Schaffensmaxime für das eigene Werk. Eine Forderung, die gerade vor dem Hintergrund der musikhistorischen Entwicklung kammermusikalischer Gattungsformen keineswegs ihrer ästhetischen Berechtigung entbehrt. Dass das oberflächlich betrachtet beinahe frivol anmutende Aperçu von Françaix dabei nicht affekthaschenden Plattitüden den Weg weist, sondern ­– ganz im Gegenteil – Leichtfüßigkeit eben dort fordert, wo Leichtsinn zu grassieren droht, bewies die beeindruckend nüchterne Interpretation seines Streichtrios, welche das Primrose Piano Quartet am Abend des 5. Mai 2015 bei seinem Auftritt in der Reihe der aula konzerte halle darbot.

Mit einem ebenso reizvollen wie abwechslungsreichen Programm von Streichtrios und Klavierquartetten aus dem 19. und 20. Jahrhundert legte das Ensemble dabei eine Klarheit der Interpretation an den Tag, welche, fernab der Gefahr in überbordende Schwelgerei zu geraten, zu jedem Zeitpunkt den emotionalen Kern der Kompositionen darzustellen vermochte. Dies obgleich, oder gerade weil, das Primrose Piano Quartet mit Werken wie etwa dem von klassizistischem Formgeist geprägten Streichtrio B-Dur D 471 Franz Schuberts oder dem phasenweise humoristisch anmutenden Streichtrio Françaix‘ nicht virtuosen Bravourstücken den Vortritt gewährte, sondern sich, stets bedacht auf intellektuellen Tiefgang, um emotionale statt solistische Expressivität bemüht zeigte!

Dorothea Vogel spielt im Quartett Viola.
Dorothea Vogel spielt im Quartett Viola.
(Foto: Maike Glöckner)

Und so gelang es dem Ensemble scheinbar mühelos, den romantisch-schwärmerischen Duktus etwa eines Gabriel Fauré oder eines Robert Schumann nicht hinter der beschwingten Heiterkeit des B-Dur-Trios und der scheinbaren Leichtigkeit Jean Françaix‘ zurücktreten zu lassen. Allem voran der Pianist der Formation, John Thwaites, bestach dabei durch sein brillantes Spiel, etwa im wieder und wieder bedrohlich anbrandenden Scherzo des schumannschen Klavierquartetts Es-Dur op. 47, dessen mitreißenden Finalsatz sowie dem träumerisch-lyrischen Allegro vivace des Klavierquartetts fis-Moll („Phantasie“) des britischen Komponisten und Britten-Lehrmeisters Frank Bridge.

Doch auch Susanne Stenzeleit (Violine), Dorothea Vogel (Viola) und Andrew Fuller (Violoncello) wussten in der epocheübergreifenden Werkauswahl zu überzeugen, ergingen sich nicht – wie heute nur allzu häufig zum Leidwesen der emotionalen Authentizität üblich – mit grotesk ausschweifenden Vibrati oder gar überschwänglicher Dynamik in solistisch-affektiertem Geltungsdrang. Stets schien das Quartett den originären Ausdruck, die natürliche Empfindung zur kammermusikalischen Maxime zu erheben.

Feststehende Klavierquartett-Ensembles sind in der aktuellen Musiklandschaft rar gesät, umso mehr bewiesen die Initiatoren der aula konzerte halle ein feines Händchen bei der Auswahl des Primrose Piano Quartet, welches einen bleibenden Eindruck bei der Zuhörerschaft hinterließ. Mit einer Quartettbearbeitung aus den Ungarischen Tänzen (WoO 1) von Johannes Brahms‘ – der im Repertoire eines Klavierquartettes freilich nicht fehlen darf – bedankten sich die Musiker für den überschwänglichen Beifall des halleschen Publikums. Pascal Schiemann

Schlagwörter

aula konzerte halle

Kommentar schreiben