Leidenschaft für einen Zirkel

07.11.2011 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Campus
Freiwillig noch mehr Hausaufgaben? Das wollte der siebzehnjährige Hendrik Fiedler aus Papenburg im Emsland. Er hat im letzten Schuljahr am Korrespondenzzirkel des Instituts für Soziologie teilgenommen und wurde für sein hohes Engagement sogar mit einem Preis ausgezeichnet.

In den Korrespondenzzirkeln der MLU können begabte Schüler über ein Schuljahr ihr Wissen in einem Fach vertiefen. Per E-Mail stellen Dozenten und engagierte Fachlehrer den Schülern Aufgaben und geben individuelle Rückmeldungen auf eingesandte Antworten. Warum er sich zusätzliche Arbeit „aufhalst“ und wie er über die eigene Begabung denkt, hat Thomas Liersch den Elftklässler gefragt.

1. Glückwunsch zu Deinem Preis im Korrespondenzzirkel Sozialkunde! Erklär doch mal bitte: Während Deiner Teilnahme im vergangenen Schuljahr hast Du zusätzlich zu Deinen sicher umfangreichen Schulaufgaben freiwillig fünf Aufgaben bearbeitet, die jeweils vier bis fünf Stunden Zeit kosteten. Warum hast Du mitgemacht?

Mein Politiklehrer schlug mir vor, mich mit ihm als Tutor am Korrespondenzzirkel zu beteiligen. Mich interessiert, wie wir Menschen in der Gesellschaft funktionieren – oder auch nicht. Deshalb hat mich Soziologie auch schon länger gereizt – gerade das letztjährige Thema „Demografischer Wandel“. Weil der für meine eigene Generation in den letzten Jahren – und damit leider viel zu spät – massiv an Bedeutung gewonnen hat.

Hendrik Fiedler
Hendrik Fiedler
(Foto: privat)
2. Was hast Du für den Zirkel so gemacht und wo ist der Spaß an der Sache?

Es war bei den Arbeitsblättern immer ein Bezug zur Realität spürbar und ersichtlich – und wofür die Umfragen, Tabellen, Diagramme, Karten oder Gutachten gut sind. Besonders bei der Erstellung einer statistischen Übersicht über die demografischen Verhältnisse unserer Heimatorte war Kreativität gefragt. Die Auseinandersetzung mit den mal mehr, mal weniger umfangreichen Parteiprogrammen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011 war aufgrund der vielen Floskeln eher ermüdend. Umso mehr hat es mir Spaß gemacht, im Anschluss die dazugehörigen Wahlplakate zu analysieren und kritisch zu kommentieren.

3. Glaubst Du, dieser E-Mail-Verkehr mit den Soziologen zahlt sich aus?

Die detaillierten Kenntnisse über den demografischen Wandel in Deutschland sind durchaus für Themen im Abitur relevant. Sie helfen außerdem, bei politischen Debatten einen Überblick zu behalten und die Brauchbarkeit bestimmter Maßnahmen einzuschätzen. Nebenbei hat jedes der Arbeitsblätter auf abwechslungsreichere Art als im Unterricht Methoden wie Text-, Statistik- oder Bildanalyse trainiert, die im Prinzip für alle Fächer meines Profils unabdingbar sind.

4. Inwiefern könnte die Teilnahme am Zirkel Deine Zukunft beeinflusst haben?

Während des Korrespondenzzirkels habe ich ein Soziologiestudium immer mehr in Betracht gezogen. Allerdings bin ich zurzeit noch zwischen diesem und anderen Fächern hin- und hergerissen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, an der Uni Halle zu studieren. Durch den Kontakt im Zirkel, ist diese Uni nicht nur mehr ein Name bei der Studienberatung, sondern ein Ort, mit dem ich etwas Positives verbinde. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Verantwortlichen Dr. Walter Bartl und Professor Reinhold Sackmann bedanken. Ich finde es wirklich klasse, dass sie den Korrespondenzzirkel ehrenamtlich auf die Beine stellen.

5. Der Korrespondenzzirkel soll ja der Begabtenförderung dienen. Fühlst Du Dich eigentlich selbst begabt?

In erster Linie war es nicht irgendeine fadenscheinige Begabung, sondern Interesse, das mich teilnehmen ließ. Ich kenne viele Menschen, die mit Sicherheit politisch wesentlich informierter sind als ich. Vielleicht hatte ich auch einen besonderen Draht zum Thema. Ich bin überzeugt, dass Leidenschaft immer wesentlich mehr ausmacht als bloße Begabung. Begabung ist schließlich nur eine Frage von Wahrscheinlichkeit. Darauf möchte ich mir nichts einbilden.

Weitere Informationen:

Im laufenden Korrespondenzzirkel Sozialkunde (Schuljahr 2011/2012) geht es um das Thema Bürgerschaftliches Engagement. Teilnehmen können Schüler der neunte bis elften Klasse an Gymnasien und vergleichbaren Schulformen in Sachsen-Anhalt. Der Austausch während des Schuljahres erfolgt per E-Mail und zum Abschluss gibt es ein gemeinsames Treffen in Halle am Tag der Langen Nacht der Wissenschaft 2012.

Interview: Thomas Liersch

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