Auf die Skier, fertig, los!

09.02.2012 von Corinna Bertz in Studium und Lehre, Varia, Campus
Pünktlich zu den Winterferien hat die kalte Jahreszeit doch noch Einzug gehalten: Ski und Rodel gut! So manchen juckt es beim Rieseln der Flocken ganz gewaltig in den Zehen, auf die Bretter zu steigen. Aber das gekonnte Abfahren braucht schon einige Übung. Und sowieso, ist das nicht auch ziemlich gefährlich? „Überhaupt nicht“, meint MLU-Sportdozent Dr. Rolf Blanke, „wenn man die richtige Technik hat.“ Sein Zauberwort heißt „Freemotion“. Das bekommen jetzt auch die Österreicher zu hören.
Wie ein Adler über die Skipiste gleiten: MLU-Sportdozent Dr. Rolf Blanke vermittelt seinen Skischülern mit vielen Bewegungsbildern aus der Alltagsmotorik und einigen ungewöhnlichen Übungen - wie dem Schneesegel - das richtige Fahrgefühl
Wie ein Adler über die Skipiste gleiten: MLU-Sportdozent Dr. Rolf Blanke vermittelt seinen Skischülern mit vielen Bewegungsbildern aus der Alltagsmotorik und einigen ungewöhnlichen Übungen - wie dem Schneesegel - das richtige Fahrgefühl (Foto: Denis Liedke.)
Einbeincarven trainiert Motorik und Gleichgewichtssinn. Blanke schwört auf solche kreativen Übungen als Teil der Skiausbildung
Einbeincarven trainiert Motorik und Gleichgewichtssinn. Blanke schwört auf solche kreativen Übungen als Teil der Skiausbildung
(Foto: Denis Liedke)

Auf 2.000 Metern Höhe fühlt er sich besonders wohl. Denn Rolf Blanke vom Department für Sportwissenschaft ist begeisterter Skifahrer – und sorgt mit seinem ganz besonderen Lernkonzept dafür, dass die halleschen Sportstudenten binnen weniger Stunden harmonisch und sicher ihre Carvingschwünge ins Tal ziehen. „Freemotion“, also freie Bewegung, das ist die Devise bei der Lernmethode, mit der Blanke sogar schon seinem prominentesten Skischüler, dem ehemaligen dänischen Ministerpräsidenten Lars L. Rasmussen, im Handumdrehen das flotte Abfahren beigebracht hat.

„In der traditionellen Skischule braucht es schon drei bis fünf Tage, damit ein Anfänger das Fahren erlernt. Unsere Studenten können es schon am ersten Nachmittag mit einer mittelschweren Piste aufnehmen“, erklärt Blanke stolz. Denn der Ansatz von Freemotion (vormals "Snowmotion") unterscheidet sich grundlegend von den klassischen Lehrmethoden, die vom Rennlauf abgeleitet sind. „Wir gehen von der Alltagsmotorik aus, die wir auf das Skifahren übertragen“, erläutert der Sportwissenschaftler, „und führen so Jung und Alt behutsam, freudbetont und sicher an das Skifahren heran.“

Auch geistig behinderte Menschen erlernen mit "Freemotion" spielerisch und sicher das Skifahren. Rolf Blanke bildet gemeinsam mit seinen Sportstudenten schon seit mehr als zehn Jahren alpine Athleten aus ganz Europa für die Specials Olmypics aus
Auch geistig behinderte Menschen erlernen mit "Freemotion" spielerisch und sicher das Skifahren. Rolf Blanke bildet gemeinsam mit seinen Sportstudenten schon seit mehr als zehn Jahren alpine Athleten aus ganz Europa für die Specials Olmypics aus
(Foto: Denis Liedke.)

Mithilfe von Bewegungsbildern und Metaphern erklärt Blanke seinen Studenten, wie sie sich auf dem Ski harmonisch bewegen, etwa im Kurvenverlauf mit einer Ganzkörperbewegung den Schwung steuern, „als ob wir Fahrrad fahren und mitlenken“. Kreative Übungen wie das Fahren mit dem Schneesegel sollen zusätzlich das Fahrgefühl der Skiläufer schulen. Außerdem stellt Blanke seine Schüler auf besonders kurze Ski (so genannte Bigfoots bzw. Carvelinos), die sich von Anfängern besser beherrschen lassen, schneller und sensibler reagieren. Dabei setzt er von Beginn an auf die parallele Skiführung. „Wir wollen ja schließlich Ski fahren und nicht mit dem Schneepflug den Berg hinunter bremsen“, betont Blanke. Sogar geistig behinderten Menschen bringt er mit seiner Methode das Skifahren bei: Seit einigen Jahren bildet er mit seinen Sportstudenten im Rahmen von Special Olympics alpine Athleten aus ganz Europa für deren Olympische Spiele aus.

Entwickelt hat Blanke das innovative Skilernkonzept gemeinsam mit Prof. Heinz Petanjek, dem ehemaligen österreichischen Nationaltrainer für die Herrenabfahrt, der schon Hansi Hinterseer und Franz Klammer auf Medaillenkurs brachte. „Wir haben uns 1993 bei einer Fortbildung kennen gelernt und schnell festgestellt, dass wir bei unserer Skiausbildung einen ziemlich deckungsgleichen Ansatz verfolgen“, berichtet Blanke. Obwohl damals von den Kollegen noch belächelt, taten sich die beiden Skienthusiasten zusammen und sind seither im Winter immer zusammen in den Alpen unterwegs, um neben der universitären Ausbildung die Freemotion-Methode zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Am steirischen Kreischberg bildet Rolf Blanke (3.v.r.) nicht nur seine halleschen Sportstudenten in Sachen Alpin-Ski aus. Beim "World Snow Day" konnten sich auch internationale Anfänger, Wiedereinsteiger und Freizeitskisportler von Blankes Skilern-Konzept überzeugen - und binnen Stunden sicher auf den Brettern stehen
Am steirischen Kreischberg bildet Rolf Blanke (3.v.r.) nicht nur seine halleschen Sportstudenten in Sachen Alpin-Ski aus. Beim "World Snow Day" konnten sich auch internationale Anfänger, Wiedereinsteiger und Freizeitskisportler von Blankes Skilern-Konzept überzeugen - und binnen Stunden sicher auf den Brettern stehen
(Foto: Denis Liedke.)

In den vergangenen Jahren hat sich die „freie Bewegung“ bei der Sportlehrerausbildung immer weiter durchgesetzt. Und zur diesjährigen, vom Internationalen Skiverband in 29 Ländern und über 200 Skigebieten ausgerufenen Premiere des „World Snow Day“ konnten Blanke und Petanjek denn auch die Verantwortlichen im steirischen Skigebiet am Kreischberg für sich gewinnen. Gemeinsam mit vier halleschen Sportstudenten und einigen Skilehrern der Region brachten die beiden alten (Ski-)Hasen deutschen und österreichischen Anfängern und internationalen Gästen das Skifahren mittels Freemotion näher. Von der Schulklasse bis zum Seniorenehepaar zeigten sich alle Teilnehmer des „Freemotion Day“ am Kreischberg begeistert.

Und so langsam zeigen auch die alpinen Skischulen Interesse an der Technik: „Peter Schröcksnadel, Präsident des österreichischen Skiverbandes, hat uns gebeten, in der kommenden Saison seine Skischulen auf Fordermann zu bringen“, freut sich Blanke. Damit dürfte der Vorruhestand, den er eigentlich zum Wintersemester angetreten hat, doch eher zum alpinen Unruhestand werden. Na dann: Ski heil!

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Kommentare

  • Norbert Mayer am 26.11.2017 11:21

    Servus,
    bei einer Google-Suche mit dem Suchbegriff "Schneesegel" bin ich auf das Bild und somit auf den Artikel "Auf die Skier, fertig los" im Online-Magazin "Campus Halensis" gestoßen. Als Fachbetreuer Sport eines Münchner Gymnasiums suche ich schon jahrelang nach einer Kaufmöglichkeit dieser Segel, Können Sie mir da in irgendeiner Weise behilflich sein, evt. durch Weiterleitung dieser Mail an die Sportfakultät bzw. Herrn Dozent Blanke vom Department für Sportwissenschaft?

    Mit freundlichen Grüßen
    Norbert Mayer
    Fachschaft Sport des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar

  • Redaktion "campus halensis" am 28.11.2017 11:19

    Lieber Herr Mayer,
    leider arbeitet Rolf Blanke nicht mehr an der Universität, so dass wir keinen Kontakt herstellen können.
    Herzliche Grüße von der Redaktion "campus halensis"