Neu im Botanischen Garten: Rundgang mit Aha-Erlebnis

12.06.2014 von Corinna Bertz in Varia
Wenn irgendwo derzeit Überraschungen warten, dann im Botanischen Garten. Neuerdings kann man auf dem beliebten Rundgang durch die 4,5 Hektar große grüne Oase etwas über den aktuellen Stand der Forschung zum Thema molekulare Untersuchungen und Stammesgeschichte von Pflanzen erfahren. „Das ist für viele ja ein Buch mit sieben Siegeln“, sagt Kustos Dr. Matthias Hoffmann. Die Idee, nun Besuchern mit Schautafeln diese schwierige, oft auch trockene Materie näher zu bringen, kam dem 46-Jährigen nach einem Besuch des Berliner Naturkundemuseums. Dort wurde die Thematik der Pflanzengenetik auf Fachchinesisch abgehandelt, erinnert sich Hoffmann. Ansporn war es deshalb, das Thema hier in Halle pädagogisch besser aufzubereiten.
Immergrün und neu in Halle: „Amborella trichopoda“ gilt als die primitivste aller bedecktsamigen Pflanzen.
Immergrün und neu in Halle: „Amborella trichopoda“ gilt als die primitivste aller bedecktsamigen Pflanzen. (Foto: Michael Deutsch)
Dr. matthias Hoffmann, Kustos des Botanischen Gartens der MLU
Dr. matthias Hoffmann, Kustos des Botanischen Gartens der MLU
(Foto: Michael Deutsch)

Die biologische Vielfalt, auch Biodiversität genannt, sei gerade durch die molekularen Prozesse im Zusammenwirken mit der Umwelt entstanden. Die Pflanzengenetik als wissenschaftliche Disziplin sei aus der Botanik nicht mehr wegzudenken. Früher, so der Kustos, habe man die stammesgeschichtlichen Rekonstruktionen nur über morphologische Merkmale abgleichen können. Schon damals, noch vor der molekularen Ära, wurde bereits festgestellt, dass viele Merkmale nicht stimmig waren. Erst mit Einzug moderner DNA-Untersuchungen wurde es möglich, die Angaben mit den morphologischen Datensätzen abzugleichen.

Ziel ist es dabei immer, die Evolution und die Stammesgeschichte (Phylogenie) der Organismen besser zu verstehen. Doch wie nähert man sich diesem Thema an? Ein Poster vor dem Eingang zum Tropenhaus erklärt auf einfache und recht anschauliche Weise, wie solch eine molekulare Untersuchung abläuft. Auch auf die anderen Tafeln verweist der Botaniker. Sie spiegelten aktuelle Studien wider – oft mit unerwarteten Ergebnissen.

Doch es gibt noch eine weitere Neuigkeit im Botanischen Garten: „Es ist uns gelungen, die derzeit als primitivste angesehene bedecktsamige Pflanze zu erhalten und den Besuchern zu zeigen“. Dabei handelt es sich um die „Amborella Trichopoda“, deren Genom kürzlich sequenziert wurde, erzählt Hoffmann. Amborella trichopoda ist ein kleiner, immergrüner Strauch oder eine baumartig verholzende Pflanze. Bedecktsamer sind Pflanzen, deren Samen im Fruchtknoten eingeschlossen sind. „Sie ist aber für Laien sicherlich unspektakulär“. Die Pflanze habe man vom Botanischen Garten in Bonn erhalten. Bislang gibt es in Halle nur zwei Stecklinge, die allerdings bei optimaler Haltung im Viktoria-Haus noch ordentlich wachsen dürften. Die Pflanze, die in Neu-Kaledonien beheimatet ist, kann eine Größe von immerhin acht Metern erreichen. Michael Deutsch

Der Botanische Garten in Halle ist wie folgt geöffnet: Montag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, am Wochenende und feiertags 10 bis 18 Uhr

Weitere Infos unter http://www2.biologie.uni-halle.de/bot/boga/

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