„Die combinierte Akademie“

06.04.2017 von Sarah Huke in Varia
Die neue Ausstellung der Kustodie beschäftigt sich mit der Geschichte und Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg vor 200 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Universitätsmuseum verloren geglaubte Stücke aus der Geschichte der Universitäten, lässt Wittenberger Professoren zu Wort kommen und erklärt, warum ganze Bibliotheken auf Schiffen unterwegs waren. Die Vernissage findet am kommenden Mittwoch, 12. April, um 17 Uhr in der Aula im Löwengebäude statt.
Ausstellungsvorbereitung im Universitätsmuseum
Ausstellungsvorbereitung im Universitätsmuseum (Foto: Markus Scholz)

Es war keine Zwangsehe – die Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg vor 200 Jahren. Damals war das sächsische Wittenberg vom Krieg an der Seite der Franzosen gebeutelt, die preußische Universität Halle unter Napoleon mehrfach geschlossen und wiedereröffnet worden. Eine turbulente und wechselhafte Zeit, mit der sich die neue Ausstellung „Die combinierte Akademie – Die Vereinigung der Universitäten Wittenberg und Halle“ in der Kustodie beschäftigt. Gezeigt wird die Schau ab dem 12. April in dem für das Jubiläumsjahr komplett renovierten Universitätsmuseum im Löwengebäude.

„Wir haben diesen Tag für die Eröffnung der Ausstellung gewählt, weil am 12. April 1817 der Erlass zur Vereinigung der Universitäten vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. erging“, sagt Dr. Michael Ruprecht, Leiter der Kustodie und des Archives der Universität. Bei den Recherchen und der Vorbereitung auf die Ausstellung sind Ruprecht und seine Mitarbeiter auf interessante und bislang wenig bekannte Fakten gestoßen.

Die Situation in der sächsischen Festungsstadt Wittenberg war durch die Kriegswirren für die Professoren sehr unkomfortabel. Die Stadt war von den Truppen Napoleons besetzt, Soldaten wohnten in den Häusern der Hochschullehrer. „Damit man sich die damalige Situation vor Ort besser vorstellen kann, haben wir Zitate der Professoren aus Originalquellen herausgesucht, um sie zu vergrößern und an die Wände anzubringen“, so Ruprecht. Als sich Napoleon 1813 dann von seinem Feldzug gegen Russland und Preußen an die Elbe zurückzog, stellte Wittenberg den Universitätsbetrieb ein. Die Professoren flüchteten in das benachbarte Bad Schmiedeberg. Sammlungen, Archivgut und die Bestände der Bibliothek wurden auf Schiffen über die Elbe in Sicherheit gebracht.

„Bereits zu diesem Zeitpunkt hat man innerhalb der Wittenberger Hochschule über eine dauerhafte Verlegung nachgedacht und auch im Senat darüber abgestimmt“, so Ruprecht, der die Akten statistisch ausgewertet hat. „Immerhin 18 Ordinarien stimmten dem zu, nur drei wollten in Wittenberg bleiben.“ Als mögliche Alternativen waren Dresden, Meißen oder Freiberg im Gespräch. Auch über eine Vereinigung mit anderen Hochschulen – wie Leipzig – wurde nachgedacht. „Das Thema hat die Wissenschaftler so beschäftigt, dass es sogar einen regen Briefwechsel gab. Für die Ausstellung haben wir vier Briefe mit unterschiedlichen Meinungen ausgesucht und Passagen einlesen lassen, so dass der Besucher an Hörstationen das Für und Wider einer Verlegung besser nachvollziehen kann.“

„Die Universität war niedergewirtschaftet“

Die Universität im preußischen Halle hatte auch mit den Folgen der Kriege zu kämpfen. Napoleonische Truppen besetzten 1806 die Stadt Halle und schlossen auf kaiserlichen Befehl zum ersten Mal die Universität. Auf Drängen von August Hermann Niemeyer eröffnete Jérôme Bonaparte, Napoleons Bruder, die Universität 1807/08 erneut. 1813 wurde die Hochschule noch einmal geschlossen. „Immer mehr Professoren wechselten von der ehemaligen preußischen Eliteuniversität in Halle zur 1810 neugegründeten Humboldt-Universität nach Berlin. Die Universität war niedergewirtschaftet“, so Ruprecht, der die bewegte Geschichte dieser Zeit mit allerhand Ausstellungsstücken illustrieren will.

Darunter auch Unikate, die noch nie in Halle gezeigt wurden. „Beispielsweise das silberne Siegel des Wittenberger Rektors aus der Anfangszeit der Leucorea und die Wittenberger Universitätsfahne, von der aktuell eine Replik angefertigt wird“, so Ruprecht. Aber auch Zeugnisse des Krieges sind Teil der Ausstellung: Eine Kanonenkugel von 1813, ein Säbel und eine Pistole von König Jérôme Bonaparte. „Ganz besonders freuen wir uns auf die Deutsche Bundesakte – ein Vertrag über die Gründung des Deutschen Bundes auf dem Wiener Kongress – aus dem Bundesarchiv in Koblenz.“

Die Ausstellung im Universitätsmuseum, am Universitätsplatz 11, läuft vom 13. April bis zum 9. Juli. Sie ist dienstags bis freitags von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet sowie an Sonntagen von 14 bis 18 Uhr.

Kontakt: Dr. Michael Ruprecht
Zentrale Kustodie und Universitätsarchiv
Tel.: +49 345 55-21732
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