Das Luther-Jubiläum als Motor für die Forschung

03.07.2014 von Corinna Bertz in Varia
Martin Luther schlug am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablass an das Portal der Wittenberger Schlosskirche. Damit initiierte er die reformatorische Bewegung, die in der Folgezeit Theologie, Kirche und Gesellschaft grundlegend veränderte. Im Jahr 2017 liegt dieses Ereignis 500 Jahre zurück. Weltweit ist das Jubiläum Anlass für eine Vielzahl wissenschaftlicher, kirchlicher und kultureller Veranstaltungen. Auch die Martin-Luther-Universität, die den Namen des großen Reformators trägt, würdigt dieses Jubiläum mit einem breiten Spektrum akademischer Initiativen und Angebote.
Ernst-Joachim Waschke
Ernst-Joachim Waschke (Foto: Maike Glöckner)
Das offizielle Logo zur Luther-Dekade.
Das offizielle Logo zur Luther-Dekade.

Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke, der Rektoratsbeauftragte der Universität Halle für das Reformationsjubiläum und zugleich Vorstandsvorsitzende der Stiftung Leucorea in Wittenberg, spricht über die Vorbereitungen und geleisteten Aktivitäten im Rahmen der Luther-Dekade. „Seit dem Sommersemester 2006 gibt es an der Martin-Luther-Universität die Reformationsgeschichtliche Sozietät“, sagt Waschke. „Sie führt Wissenschaftler verschiedener Fächer zusammen und bietet Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit auf dem Feld der kulturellen Wirkungen der Reformation.“ Eine Reihe von Tagungen und Workshops ist bereits zu diesem Thema veranstaltet worden und weitere werden folgen.

Ein Höhepunkt wird im August 2017 der große internationale und interdisziplinäre Kongress in Wittenberg unter dem zentralen Leitthema „Kulturelle Wirkungen der Reformation“ sein. Er soll vom 7. bis 11. August und damit in unmittelbarem Anschluss an den renommierten Lutherforscher-Kongress stattfinden. „Dies ermöglicht auch Wissenschaftlern aus dem Ausland, die den langen Anreiseweg nicht zweimal auf sich nehmen können, an beiden Tagungen teilzunehmen“, sagt Waschke. Die drei mitteldeutschen Universitäten Halle, Jena und Leipzig organisieren den Kongress im Verbund und leisten damit einen eigenen wissenschaftlichen Beitrag zum Jubiläum. Die umfassenden Vorbereitungen darauf treffen sie gemeinsam mit der Stiftung Leucorea sowie der Reformationsgeschichtlichen Sozietät. Etwa 70 Referenten werden die Bedeutung von Religion als Kulturfaktor und die Wirkungen der Reformation in ihren unterschiedlichsten Facetten erörtern. Erwartet werden rund 350 Teilnehmer.

„Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den kulturellen Wirkungen der Reformation zielt nicht nur unmittelbar auf das Jubiläum, sondern auf weiterführende Projekte, die dann auf Ergebnissen des Kongresses aufbauen“, erklärt Waschke. Es soll dabei auch die einmalige Chance genutzt werden, die Leucorea als eine Forschungsplattform für die gesamte Thematik auszubauen, um damit ein Desiderat in der Forschungslandschaft Sachsen-Anhalts wenigstens teilweise zu schließen.

Über das Jubiläum hinaus wirkt auch das Forschungsprojekt „Das ernestinische Wittenberg: Universität und Stadt (1486–1547)“, das an der Stiftung Leucorea bis 2017 läuft. In dem Projekt forschen Wissenschaftler der Leucorea, der Martin-Luther-Universität, der Technischen Universität Berlin und der Universität Leipzig. Bereits seit 2009 wertet die interdisziplinäre Forschergruppe Quellen zu Universität, Residenz und Stadt Wittenberg aus und hat zwei Bände in der Schriftenreihe „Wittenberg-Forschungen“ vorgelegt. Ein dritter Band zur Malerfamilie Cranach ist in Vorbereitung und soll noch 2014 erscheinen. „Außerdem fördern wir in diesem Jahr das Projekt ,Matrikel der Universität Wittenberg‘ und helfen mit dieser Neuedition ein dringendes Forschungsdesiderat zu schließen“, so Waschke.

In beiden Fällen handelt es sich um Projekte, für die das wissenschaftliche Profil der geplanten Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek unabdingbar ist. Sie soll voraussichtlich Mitte 2016 im restaurierten Schloss ihre Arbeit aufnehmen. „Mit dem Predigerseminar, den Luthergedenkstätten und der Universitäts- und Landesbibliothek konnten wir einen Gesellschaftervertrag schließen, der hier die Wittenberger Bibliotheks- und Archivbestände zusammenführt“, sagt Waschke. Auch damit wird eine einmalige Chance genutzt. Ute Olbertz

Übersicht der vergangenen und geplanten Höhepunkte an der Universität Halle aus Anlass des Reformationsjubiläums Zu den bisher veranstalteten Tagungen und Workshops gehören:

2008: „Spurenlese – kulturelle Wirkungen der Reformation“ und 2010 „Wirkungen der Reformation auf Wissenschaft und Bildung, auf Universität und Schule“.

2012: Christliche Hebraistik in Osteuropa, 16.-18.Jh. (Leitung: Prof. Dr. Stefan Schorch) Beginnende Globalisierung des Luthertums durch pietistische Reformgruppen im 18. Jahrhundert (Leitung: Dr. Wolfgang Flügel).

2013: Matrikel als universitätsgeschichtliche Quellengattung. Erfahrungen und Realisierungschancen für eine moderne Edition der Wittenberger Universitätsmatrikel (Leitung: Prof. Dr. Heiner Lück)

2014: Das Gewissen in den Rechtslehren der protestantischen und katholischen Reformationen - The Conscience in the Legal Teachings of the Protestant and Catholic Reformations (Leitung Prof. Dr. Michael Germann)

Geplante Workshops:

2014: Radicalizing Reformation - Reformation und Moderne im Licht sozialgeschichtlicher Bibelforschung (Leitung: Prof. Axel Noack, Prof. Dr. Ulrich Duchrow)

2015– 2016: Verhältnis zu anderen Konfessionen/Religionen/Umgang mit dem Fremden (Leitung: Prof. Dr. Michael Wiemers, Prof. Dr. Andreas Pecar; Durchführung durch eine Forschergruppe)

Protestant Reformation on Screen. Religion, Politics and Aesthetics (Leitung: Prof. Dr. Erik Redling)

Wittenberg als Bezugsort des europäischen Protestantismus im 16.-17. Jahrhundert (Leitung: Prof. Dr. Michael Günter Müller)

Strukturenwandel der Reformation in den Territorien des Reiches (Leitung Prof. Dr. Andreas Ranft)

Bibelinterpretationen in Zeiten politischen Umbruchs. Biblische Texte und Motive in der Kunst der DDR und des östlichen Mitteleuropa (Leitung: Prof. Dr. Stefan Schorch, Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke)

Weitere Informationen zum Jubiläum online unter: www.luther2017.de

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