Alte Waschküche wird zum Wissensspeicher

22.03.2016 von Corinna Bertz in Varia
Das älteste Gebäude der Uni Halle erstrahlt in neuem Glanz: Die sanierte Waschküche im Botanischen Garten ist heute im Beisein von Rektor Udo Sträter, den Prorektoren Wolfgang Auhagen und Wolf Zimmermann sowie Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft Marco Tullner eröffnet worden. Lange war das Haus in Vergessenheit geraten, Bäume und Sträucher verdeckten den Verfall. Nach einer aufwendigen Sanierung werden in dem Gebäude jetzt Videos und Grafiken rund um die Pflanzenwelt gezeigt.
Die alte Waschküche vor und nach der Sanierung
Die alte Waschküche vor und nach der Sanierung (Foto: Markus Scholz l., Matthias Hoffmann)
Kustos Matthias Hoffmann
Kustos Matthias Hoffmann
(Foto: Markus Scholz)

Das Innere der alten Waschküche war ursprünglich in drei kleinere Bereiche aufgeteilt. Hier gab es einen Waschkessel und Wäscheleinen zum Trocknen der Arbeitskleidung der Gärtner. Alles war klein und eng. „Für unsere Zwecke also nicht brauchbar“, sagt der Kustos des Botanischen Gartens Dr. Matthias Hoffmann. Früher habe es auch eine Treppe in den zweiten Stock gegeben. „Dort bin ich einmal hinaufgegangen, ein richtig gutes Gefühl hatte ich aber dabei nicht. Das Holz war sehr brüchig.“ Ganz unbewohnt war die Waschküche während ihres jahrzehntelangen Dornröschenschlafes jedoch nicht. „Hier haben eine ganze Weile Waschbären gewohnt. Die mussten nun ausziehen“, scherzt Hoffmann.

Erstmals erwähnt wird die Waschküche in den Chroniken von Halle vor 1785. Damit ist sie offiziell das älteste Gebäude der Universität. Errichtet vom Landbaumeister Reichhelm, wurde das Gelände des früheren Fürstengartens samt Waschküche 1787 von der Universität für 1200 Taler erworben. Das Haus war Teil eines größeren Gebäudekomplexes, zu dem unter anderem ein Holzstall, eine Scheune und Gärtnerwohnungen gehörten. Das Waschhaus wurde von den Gärtnern zum Wäschewaschen genutzt.

Sanierung mit Maßarbeiten und altem Holz

„Als ich 2002 nach Halle kam, wurde ich vom Denkmalamt der Stadt mehrmals gefragt, ob wir das älteste Gebäude der Uni nicht sanieren wollten“, erinnert sich Hoffmann. „Die Gewächshäuser hatten damals aber Priorität und so habe ich über die Sanierung lange Zeit gar nicht nachgedacht.“ Irgendwann beim Joggen sei ihm dann die Idee gekommen, die alte Waschküche als eine Art botanisches Museum auszubauen. Viele seien davon begeistert gewesen. „Es gab eigentlich nur zwei Optionen: Komplett sanieren oder abreißen. Wir haben uns aufgrund der Historie dann für die Sanierung entschlossen, obwohl das natürlich die aufwendigere Variante war“, erzählt der Kustos.

Das Gebäude ist nicht nur aufgrund seines Alters eine Besonderheit: Sein Spließdach ist eine bautechnische Seltenheit. „Die Vertreter des Denkmalamtes fielen aus allen Wolken, als sie das sahen“, sagt Hoffmann. Bei diesem Dach wird jeder Dachziegel von einem dünnen Holzplättchen, dem so genannten Spließ, verstärkt und gestützt. Im Frühjahr 2015 konnte die Sanierung beginnen.

Da das Mauerwerk völlig marode war, mussten bei der Sanierung die Grundmauern sehr weit abgetragen werden. „Ein kleiner Teil der Dachkonstruktion war noch nutzbar und wurde auch wieder verbaut. Der Rest musste auf Bauhöfen eingekauft werden, die mit altem Holz handeln.“ Viele der Details, wie Fenster, Türen und auch das Dach, sind Maßarbeiten.

Auf eine Dämmung wurde verzichtet, da nur eine Nutzung während der warmen Jahreszeit vorgesehen ist. „Im Winter wird es dann natürlich kalt, aber die Mehrkosten waren einfach zu hoch“, so Hoffmann. Die aufwendige Rekonstruktion wurde durch die Universität Halle und den Freundeskreis des Botanischen Gartens e.V. finanziert. Der Bau wurde von der Abteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement der Universität geleitet.

Videos und Grafiken zur Pflanzenforschung

Von Anfang an hatte Hoffmann konkrete Ideen für die Nutzung des Baus: Mit Hilfe von Videos und Grafiken will der Kustos des Gartens dem Besucher die Pflanzenwelt zusätzlich multimedial näher bringen. „Einblicke in Pflanzenbewegungen oder Wachstumsprozesse sind den meisten Besuchern fremd. Wir wollen zum Beispiel Bewegungen der Venusfliegenfalle hochauflösend und in Zeitlupe zeigen. Das ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen spannend“, erklärt Hoffmann. Mit seiner Idee suchte er den Kontakt zu Studierenden der Kunsthochschule Burg Giebichenstein.

Ihnen stellte er das Thema Visualisierung des Gartens vor. Die moderne Pflanzenforschung, die sich rund um die Pflanzen-DNA anordnet, sollte im Fokus stehen. „Eine Gruppe will das Thema in Form eines Cartoons aufbereiten. Für den Laien ist die genetische Forschung in der Regel schwer zugänglich. Wenn man es jedoch anschaulich erklärt und aufbereitet sind die Besucher bei Führungen durch den Garten zum Beispiel immer sehr daran interessiert“, weiß der Botaniker. In Zukunft kann ein Spaziergang durch den Botanischen Garten mit einem Besuch im Waschhaus abgerundet werden, dessen Inneres die Arbeiten der Studierenden präsentieren soll. Und nicht nur das: Matthias Hoffmann hofft, dass das Gebäude auch als Tagungsstätte angenommen wird. „Für eine kleine Tagung im Grünen und am historischen Ort gibt es hier das richtige Ambiente.“ Leef Hansen

Ab Karfreitag, 25. März, ist der Botanische Garten für Besucher wieder zu folgenden Zeiten geöffnet: Montag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, am Wochenende und feiertags 10 bis 18 Uhr

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