Zwischen Verwaltungskritik und Professorinnen-Programm

28.11.2018 von Laura Krauel in Campus
Von der stärkeren Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben bis zur besseren internen Kommunikation: Viele Wünsche und Fragen gab es auf der dritten Station des Gesprächsformats „Rektorat im Dialog“ in der Naturwissenschaftlichen Fakultät I. Der Einladung zu dem zweistündigen Austausch, der erstmals am Weinberg Campus stattfand, waren vor allem Mitarbeiter und Professoren gefolgt.
Rektor Christian Tietje bei der Gesprächsrunde im Institut für Pharmazie
Rektor Christian Tietje bei der Gesprächsrunde im Institut für Pharmazie (Foto: Friederike Stecklum)

Mit einem Lob begrüßte Dekan Prof. Dr. Dietrich Nies das Rektorat in der Fakultät. Er freue sich sehr, dass sich die Universitätsleitung auch an an den Weinberg Campus begebe, um dort mit den Studierenden, Mitarbeitern und Professoren ins Gespräch zu kommen. Auf dem Podium standen Rektor Prof. Dr. Christian Tietje, die Prorektorin für Personalentwicklung und Struktur Prof. Dr. Johanna Mierendorff, der Prorektor für Forschung Prof. Dr. Wolfgang Paul und Kanzler Markus Leber.

Die Fakultät sei bei Drittmitteleinwerbungen sehr erfolgreich und auch die Gebäudesituation sei verbessert worden, schilderte der Dekan die Situation vor Ort. Er verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf das neue Charles-Tanford-Proteinzentrum. Einer Renovierung des Instituts für Pharmazie – der Veranstaltungsort des Gesprächs – habe das Rektorat bereits zugestimmt. Bau sei für das neue Rektorat ein zentrales Thema, insofern sei es gut, dass das Gespräch in einem dringend sanierungsbedürftigen Trakt stattfinde, sagte der Rektor. Er freue sich sehr auf den gemeinsamen Dialog: Denn „was man sich nicht am Schreibtisch erarbeiten kann, ist das Gefühl, das in einer Fakultät herrscht“.

Breiten Raum in der Gesprächsrunde nahm die Frage ein, wie die gemeinsame Organisation von Verwaltungsaufgaben schneller und effizienter erledigt werden kann. Dies betreffe unter anderen Anträge für Sonderforschungsbereiche aber auch das Einstellungsprozesse von Mitarbeitern, so Dekan Nies. Auch an veralteten Formularen und ausgedehnten Zeiten für Reisekostenabrechnungen äußerten Teilnehmer Kritik. Dass die Wissenschaft im Vordergrund stehe, das sehe das Rektorat auch so, sagte Rektor Tietje. Das Ziel sei kein Mehr an Arbeit, sondern effektive Abläufe. Verbesserungen seien notwendig. Auch Kanzler Markus Leber zufolge sei es oberste Priorität, die Wissenschaft arbeitsfähig zu halten. Bei befristeten Arbeitsverhältnissen, insbesondere bei Qualifikationsstellen und Stellen, die drittmittelfinanziert sind, habe man jedoch einen erheblichen Prüfungsaufwand. Prorektorin Johanna Mierendorff stellte fest, dass an der Überlastung der Verwaltung gearbeitet werden müsse. Den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und zu unterstützen, sei nach dem aktuellen Personalentwicklungskonzept in den nächsten Jahren das Ziel einer neuen Rektoratskommission.

Eine andere Frage bezog sich darauf, wie nicht ausgegebene Mittel aus Forschungsprojekten zum Ende des Jahres besser ins neue Jahr transferiert werden können. Das Rektorat habe bereits ein Konzept vorliegen, wie solche Überschüsse „durch ein Investitionsprogramm abgebaut werden können“, antwortete Rektor Christian Tietje. Thematisiert wurde auch die Gleichstellungspolitik der Universität, da insbesondere die Naturwissenschaftliche Fakultät I einen niedrigen Anteil an Frauen habe. Die Gleichstellung sei ein kontinuierlicher Lern- und Sensibilisierungsprozess, der nicht isoliert von anderen gesellschaftlichen Prozessen wie der Inklusion oder der Familienfreundlichkeit angegangen werden dürfe, so Tietje. Eine am Rektorat angesiedelte Stabsstelle für Diversität, Chancengleichheit und Familie solle die unterschiedlichen Arbeitsbereiche zukünftig zusammenbringen, um Synergieeffekte zu erzielen und unter anderem die Gleichstellung an der Universität weiterhin zu verbessern. Prorektorin Mierendorff berichtete in diesem Zusammenhang vom Professorinnenprogramm III des Bundes und der Länder, bei dem die Universität Halle erneut erfolgreich gewesen ist.

Aus den Reihen der Didaktik der Biologie wurde großes Interesse an einem fakultätsübergreifenden Schülerlabor gezeigt – eine Maßnahme, die auch in Zukunft zur Sicherung des Nachwuchses in den MINT-Fächern beitragen könne. Kritik gab es unter anderem an Problemen mit dem E-Mail-Verkehr und der Website der Universität. Außerdem ging es zum Beispiel um die Ausstattung des Universitätssportzentrums oder das universitäre Engagement bei der Vermittlung von Studierenden in die Berufspraxis. Viele der angesprochenen Probleme könne man nicht von heute auf morgen ändern, lautete die Bilanz von Rektor Christian Tietje nach der zweistündigen Runde. Wichtig sei, dass darüber miteinander gesprochen wird.

Das kommende „Rektorat im Dialog“ findet am 4. Dezember 2018, 12 bis 14 Uhr, in der Philosophischen Fakultät II statt. Ort: Adam-Kuckhoff-Str. 35, Hörsaal I.

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