Vor der Verteidigung: Tafelübungen mit Promovenden

29.06.2020 von Susann Lederer in Campus, Studium und Lehre
Rund 25 Dissertationen werden pro Semester an der Naturwissenschaftlichen Fakultät II verteidigt. Im digitalen Sommersemester 2020 hat Studiendekan Prof. Dr. Jochen Balbach eine der ersten Promotionsverteidigungen per MLUconf geleitet. Im Interview spricht er über die richtige Vorbereitung, Hürden und Lösungen für digitale Disputationen über das Uni-eigene Konferenzsystem.
Jochen Balbach hat eine digitale Verteidigung geleitet.
Jochen Balbach hat eine digitale Verteidigung geleitet. (Foto: Screenshot Jochen Balbach)

Es war Ihre erste digitale Verteidigung, sowohl als Teilnehmer als auch als Organisator. Welche Hürden mussten Sie im Vorfeld nehmen?
Jochen Balbach: Zunächst musste ich die Zustimmung des gesamten Promotionsausschusses einholen. Alle Gutachter und der Promovend mussten der digitalen Durchführung zustimmen. Wir haben viel zu den Rahmenbedingungen diskutiert, damit die Verteidigung am Ende rechtssicher ist.

Wie haben Sie das erreicht?
Letztlich hängt alles von der technischen Umsetzbarkeit ab. Hätten wir wegen Verbindungsproblemen die Verteidigung abbrechen müssen, hätten wir einen neuen Termin angesetzt. Zudem mussten wir die Verteidigung per Einladungslink zum MLUconf-Raum öffentlich machen. Insgesamt haben wir rund 50 Teilnehmer verzeichnet. Den Promovenden haben wir in einen leeren Seminarraum gesetzt, um technische Hürden, aber natürlich auch Manipulationsmöglichkeiten zu minimieren.

Sie haben die Technik für die Disputation eingerichtet – was gilt es dabei zu beachten?
In erster Linie eine gute Vorbereitung, inklusive Probelauf. Man sollte alles, was während der Verteidigung geschieht, schon einmal gemeinsam mit dem Promovenden getestet haben. Den prinzipiellen Ablauf hatten wir eine Woche vorher besprochen, einen Tag vor der Verteidigung haben wir alles aufgebaut und eine Generalprobe durchgeführt. So konnte ich ihm live Tipps geben, was er wie wo machen soll, damit es einer normalen Verteidigung nahekommt.

Können Sie einige Beispiele nennen? Worauf sollte man achten?
In den Naturwissenschaften ist es beispielsweise üblich, dass Kandidaten an die Tafel schreiben. Dazu habe ich einen zweiten Laptop aufgestellt und eingerichtet wie einen Zuhörer, die Kamera war auf die Tafel gerichtet. Wir haben im Vorfeld mit dem Promovenden geübt, wo und wie groß er schreiben sollte, Markierungen auf der Tafel angebracht und festgelegt, wo er stehen kann, damit über MLUconf das Tafelbild frei und gut sichtbar ist. Auch das Sprechen ins Mikrofon sollte man üben.

Und bei technischen Problemen während der Verteidigung?
Einer der Prüfer saß mit dem Promovenden im Raum, um in diesem Fall einzugreifen. Der Kandidat steht unter enormem Druck während seiner Disputation – da muss man ihn bei der Technik so weit wie möglich unterstützen.

Ist dieser Fall eingetreten, sind technische Probleme aufgetreten?
Es gab einmal Verbindungsprobleme. Als Moderator habe ich den Promovenden unterbrochen, bis wieder alles stabil war und er seine letzten Gedankengänge wiederholen konnte.

Wie lief die Kommunikation während der Verteidigung ab?
Während des Vortrags waren außer dem Promovenden und mir alle Teilnehmer auf stumm geschaltet. Danach wurden die Gutachter mit Kamera zugeschaltet. Per Chat konnten sie Redebedarf anzeigen, dann habe ich sie der Reihe nach aufgerufen und ihre Mikrofone freigeschaltet. Das hat auch gut funktioniert, ebenso in der öffentlichen Diskussion.

Wie haben Sie die interne Beratung der Prüfer organisiert?
Bei Breakout-Räumen hatte ich Sorge, dass jemand von außen hineinkommen könnte. Darum habe ich zur Beratung das öffentliche Web-Meeting vorübergehend geschlossen mit dem Hinweis, dass der Raum in einer halben Stunde wieder geöffnet wird. Wir haben uns dann in einem anderen Meeting-Raum getroffen, zu dem nur Personen mit zugehörigem Link Zutritt hatten. Wichtig ist bei diesem Vorgehen, dass die Teilnehmer den neuen Meeting-Link händisch kopieren und in die URL-Zeile einfügen – sonst führen manche Browser sie wegen der Cache-Einstellungen wieder in den vorherigen Raum.

Und was war der Eindruck der Prüfer und des Promovenden – ist das digitale Format geeignet für die Disputation?
Die Prüfer und auch der Promovend hatten im Vorfeld Sorgen und waren im Nachgang positiv beeindruckt, dass es so gut abgelaufen ist. Schade ist, dass man die Präsentation nur als nicht animiertes PDF hochladen oder im Bildschirm teilen kann – beim Teilen hatten wir öfter Probleme, weshalb wir diese Option ausschlossen und die Präsentation im PDF-Format statisch blieb. Dafür ist die Teilnehmerliste sehr hilfreich, um die Anwesenden zu protokollieren. Technischen Problemen kann man nur bedingt vorbeugen. Bei uns lief es glatt, bei einer späteren Verteidigung gab es häufiger Verbindungsfehler. Dennoch konnte sie erfolgreich abgeschlossen werden.

Was haben Sie aus diesem ersten Durchlauf gelernt, was möchten Sie optimieren für künftige digitale Verteidigungen?
Abgesehen vom vorherigen Üben würde ich jedem dringend empfehlen, mit der fakultätseigenen Technik zu arbeiten: mit fakultätseigenem Headset, fakultätseigenem Laptop, vielleicht auch einem Tablet als digitale Tafel. Am besten nutzt man einen eigens dafür eingerichteten Raum mit stabiler Internetverbindung. So kann man technischen Fehlern am besten vorbeugen.

Tipps von Prof. Dr. Jochen Balbach für Dissertationsverteidigungen über MLUconf:

  • Ablauf im Vorfeld durchsprechen und üben – als detaillierte Generalprobe
  • Fakultätseigene Technik in fakultätseigenen Räumen nutzen und die Räumlichkeiten insbesondere auf die Internetverbindung hin prüfen
  • Technische Unterstützung für den Promovenden im selben Raum zum direkten Support
  • Der Vorsitzende der Promotionsverteidigung sollte die Rolle des Moderators übernehmen und mit allen Funktionen von MLUconf sehr gut vertraut sein.

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