Sprachstörungen: Uni beteiligt sich an weltweiter Kampagne

09.10.2020 von Tom Leonhardt in Wissenstransfer
Sprachentwicklungsstörungen gehören zu den häufigsten Entwicklungsstörungen bei Kindern. Knapp sieben Prozent sind in Deutschland betroffen. Häufig werden die Probleme jedoch erst spät erkannt und therapiert. Am 16. Oktober findet der internationale Tag der Sprachentwicklungsstörungen statt, der die Aufmerksamkeit auf dieses Thema richten soll. Auch die Uni Halle beteiligt sich. Im Interview spricht Sprachheilpädagoge Prof. Dr. Stephan Sallat über die geplanten Aktionen.
Stephan Sallat mit einer Puppe, die in der Sprachheilpädagogik zum Einsatz kommt
Stephan Sallat mit einer Puppe, die in der Sprachheilpädagogik zum Einsatz kommt (Foto: Michael Deutsch)

Warum beteiligen Sie sich an dem Aktionstag?
Stephan Sallat: Es geht darum, Sprachentwicklungsstörungen bekannter zu machen und stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung – vor allem der Eltern und Lehrkräfte – zu bringen. Denn langfristig sind die Kinder bezüglich ihrer Bildungsbiographie gefährdet, erreichen geringere Bildungsabschlüsse und bilden häufig eine Lese-Rechtschreib-Schwäche aus. Wenn man sich die sieben Prozent einmal bildlich vor Augen führt, dann betrifft es eines von 14 Kindern oder eben zwei Kinder pro Schulklasse. In Halle gibt es viele Akteure aus Wissenschaft, Lehre und Praxis, die sich mit den betroffenen Kindern beschäftigen: Dazu gehören an der Universität neben meiner Abteilung der Bereich der Klinischen Sprechwissenschaft von Prof. Dr. Susanne Voigt-Zimmermann, aber auch die Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie der HNO-Klinik und das Ausbildungszentrum für Gesundheitsfachberufe des Universitätsklinikums Halle, wo Logopäden ausgebildet werden. Insofern sehen wir es als unsere Verpflichtung an, uns hier aktiv einzubringen.

Was haben Sie geplant?
Zunächst einmal wollen wir einen Geburtstag nachfeiern: Die Sprachheilschule Halle ist die älteste Einrichtung dieser Art in Deutschland. In diesem Jahr hätte sie eigentlich ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert, die Veranstaltung musste aufgrund der Pandemie jedoch abgesagt werden. Gemeinsam mit Dr. Christian Walbrach, dem Behindertenbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalt, werde ich der Sprachheilschule bereits am 15. Oktober einen Besuch abstatten und der Schulleitung einen Geburtstagskuchen überreichen, um das Jubiläum so zumindest ein wenig nachzufeiern.

Für den Abend ist noch eine weitere Aktion bei den Franckeschen Stiftungen geplant.
Genau. Wir als verantwortliche Bereiche der Uni Halle wollen am Abend alle Fachpersonen, die Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen und ihren Familien helfen, zu den Franckeschen Stiftungen einladen. Dies sind die Kinderärzte, Sprachtherapeuten, Sprachheilpädagogen und Heilpädagogen in Halle. In den Gebäuden der Stiftung hat mein Arbeitsbereich seinen Sitz und was viel wichtiger ist: Hier hatte die Sprachheilschule in den Gründungsjahren nach 1910 ihren Sitz. Das Hauptgebäude der Stiftungen soll daher am Abend in den Farben der Kampagne – Lila und Gelb – erleuchtet werden. Außerdem wollen wir, natürlich unter Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln, die Möglichkeit für einen informellen und vor allem interdisziplinären Austausch der Fachkolleginnen und Fachkollegen bieten. Außerdem rufen wir für Freitag, den eigentlichen Aktionstag, alle Studierenden und Auszubildenden aus der Sprachtherapie und Sprachheilpädagogik zu einer kleinen Challenge auf, bei der sie ihre Social-Media-Profile mit dem Logo des Aktionstags verzieren oder ihr Profil in den Farben der Kampagne gestalten. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in den nächsten Tagen viele lilafarbene und gelbe Profile sehen.

 

Weitere Informationen zu den geplanten Aktionen unter: https://www.reha.uni-halle.de/arbeitsbereiche/sprachbehindertenpaedagogik/1555966_3321968/  

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