Sprachkurse für Geflüchtete: Aufs Studium vorbereitet

26.07.2018 von Katrin Löwe in Campus, Studium und Lehre
Vor gut zwei Jahren sind an der Uni Halle Angebote für Geflüchtete gestartet, die ein Studium aufnehmen wollen. Rund 600 junge Frauen und Männer haben seitdem allein spezielle Sprachkurse genutzt. Mit Hilfe von Fördermitteln des Landes und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) geht es neben den notwendigen Sprachkenntnissen um die Beratung vor dem Studienbeginn. Auch studentische Hilfsprojekte werden unterstützt.
Fatih Palabiyik aus der Türkei, Anas Ramadan aus Syrien, die Iranerin Sareh Molaie Birgani und Saeed Radawi (v.l.) haben Sprachkurse am An-Institut besucht oder besuchen sie noch.
Fatih Palabiyik aus der Türkei, Anas Ramadan aus Syrien, die Iranerin Sareh Molaie Birgani und Saeed Radawi (v.l.) haben Sprachkurse am An-Institut besucht oder besuchen sie noch. (Foto: Michael Deutsch)

Saeed Radawi hat große Pläne. Im Wintersemester 2017/18 hat der 23-Jährige sein Studium an der Uni Halle aufgenommen. Er hat sich für Judaistik und die Wissenschaft vom Christlichen Orient entschieden und weiß heute bereits, dass er den Master absolvieren und in der Wissenschaft bleiben möchte. „Ich wollte auch etwas mit vielen Sprachen“, sagt Radawi zu seiner Studienwahl. In seinem Fach wird er unter anderem mit Hebräisch, Koptisch oder Altgriechisch zu tun haben. Davor stand allerdings eine andere Sprache auf dem Programm: Deutsch. Anfang 2016 ist der junge Syrer aus seinem Heimatland geflohen. Die Situation dort sei zu gefährlich geworden, sagt er. Noch im Jahr seiner Ankunft in Deutschland startete Radawi am An-Institut für deutsche Sprache und Kultur e.V. an der Martin-Luther-Universität einen Intensiv-Sprachkurs für Studieninteressierte. „Das ist viel besser als die normalen Integrationskurse“, erklärt er heute in sehr gutem Deutsch.

Saeed Radawi ist einer von rund 430 Geflüchteten, die an den beiden Standorten des An-Institutes in Wittenberg und Halle die Kurse belegt haben. Finanziell ermöglicht wurde dies durch Landesmittel. Insgesamt hatte das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung 2016 für zwei Jahre knapp 1,2 Millionen Euro bewilligt, aus denen neben den Sprachkursen auch die Stelle eines Referenten für flüchtlingsbezogene Projekte und Integration an der Universität finanziert wurde. Letzterer führte zum Beispiel Studienberatungen durch – allein 350 im Jahr 2017 –, half bei Bewerbungen und akquirierte für zwei Jahre über den DAAD rund 94.000 Euro für mehrere studentische Hilfsinitiativen wie Buddyprogramme oder Sprachtandems.

Die Sprachkurse wurden gut genutzt. „Es gab Zeiten, in denen die Nachfrage so groß war, dass wir zwei Kursrunden angeboten haben – eine von 8 bis 13 und eine von 13.30 bis 18.30 Uhr“, sagt Stefanie Rieger, Geschäftsführerin des An-Institutes. So lernten bis zu 80 Studieninteressierte am Tag Deutsch. 2017 war mit 251 Teilnehmern das stärkste Jahr. „Wir hatten die Freiheit, Menschen zu fördern, die zu uns kommen“, so Rieger. Ihnen gute Bedingungen auf ihren Weg – idealerweise ins Studium – mitzugeben. Es sind Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Studienwünschen wie auch Fatih Palabiyik aus der Türkei, Anas Ramadan aus Syrien oder die Iranerin Sareh Molaie Birgani. Letztere hat im Iran bereits Festkörperphysik studiert, möchte in Deutschland gern einen Masterstudiengang absolvieren. Seit fünf Monaten lernt sie dafür am An-Institut. Schon ein Stück weiter ist Ramadan, der bereits seine Zulassung für ein Informatikstudium in Halle in der Tasche hat, während Palabiyik gerade den letzten Sprachkurs beendet hat mit dem Ziel, dann Physik zu studieren. In der Türkei hat er Mathematik auf Lehramt studiert und als Lehrer gearbeitet. Die Erfahrungen im Sprachkurs seien gut gewesen, sagt Anas Ramadan. „Ich habe in den zwei Monaten mehr gelernt als vorher in anderthalb Jahren.“

Am Landesstudienkolleg in Halle startete ebenfalls im Mai 2016 ein vom Deutschen Akademischen Austauschdienst gefördertes Sprachprojekt für Geflüchtete, „Deutsch+“. „Für die beiden ersten Kurse hatten wir 180 Bewerber“, sagt Projekt-Koordinatorin Katrin Horn – 50 konnten damals starten. Inzwischen sei die Zahl der Bewerber geringer, aber die Nachfrage immer noch groß. So sie die Voraussetzungen erfüllen, werde versucht, alle Bewerber anzunehmen. Die meisten Sprachschülerinnen und -schüler stammen aus Syrien, gefolgt von Menschen aus Afghanistan, ab und an aus dem Iran oder Afrika. Auffällig sei heute, dass die Geflüchteten schon eine Weile im Land seien. „Viele Bewerber kommen schon mit Sprachniveau B1 oder B2 zu uns und wollen sich jetzt gezielt auf ein Studium vorbereiten“, so Horn. Am Studienkolleg werden derzeit vier studienvorbereitende Kurse in unterschiedlichen Niveaustufen angeboten, in denen neben Deutsch auch Mathematik, Geschichte und Englisch unterrichtet wird. Nach dem erfolgreichen Abschluss des B2.2-Kurses können die Teilnehmer dann in die Fachkurse am Studienkolleg oder den Vorbereitungskurs für die „Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang“ (DSH) wechseln. Darüber hinaus gibt es Beratungen, Theaterbesuche, Exkursionen oder es wird die Universität erkundet.

Das Studienkolleg zählte seit Mai 2016 rund 170 Geflüchtete, die zum Teil mehrere aufeinander aufbauende Kurse belegt haben. Die Teilnehmerzahl liegt damit insgesamt bei mehr als 450. Zum Ende des Sommersemesters 2017 gab es die ersten Absolventen der „Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang“ (DSH), von denen einige bereits ein Studium aufgenommen haben. Ab März 2017 starteten erste Geflüchtete ihre einjährigen Fachkurse am Kolleg. Auch die Absolventen dieser Kurse haben inzwischen ihr Studium begonnen oder die Zulassung für das kommende Wintersemester erhalten.

Das „integra“-Programm  des DAAD, mit dem „Deutsch+“ am Studienkolleg gefördert wird, läuft zunächst bis Frühjahr 2020. Die Förderphase für die Kurse am An-Institut für deutsche Sprache und Kultur ist offiziell im Mai ausgelaufen. Derzeit werde noch mit Restmitteln gearbeitet, so Rieger. Sie hoffe allerdings auf weitere Förderungen.

 

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