Pharmazeut holt erneut Forschungspreis

19.11.2019 von Katrin Löwe in Wissenschaft, Forschung
Bereits zum zweiten Mal hat Prof. Dr. Andreas Hilgeroth, Pharmazeut an der Uni Halle, den Wulf Vater-Dihydropyridine-Forschungspreis erhalten. Geehrt wurde er damit für eine Arbeit zur Wirkverstärkung von Mitteln gegen Tuberkulose. Verliehen wird der Preis von der Wulf Vater-Stiftung an der Universität Mainz.
Andreas Hilgeroth im Labor
Andreas Hilgeroth im Labor (Foto: Markus Scholz)

Der hallesche Pharmazeut Prof. Dr. Andreas Hilgeroth ist in seiner Forschung breit aufgestellt. Sie reicht von Wirkstoffen in der Alzheimerforschung über Mittel gegen aggressiven Brustkrebs bis hin zu Möglichkeiten im Kampf gegen Antibiotika-resistente Bakterien. Gerade erst hat er mit einer neuen Klasse von Wirkstoffen Schlagzeilen gemacht, die in ersten Tests in Zellkulturen und bei Insekten mindestens genau so effektiv gegen Bakterien wirkten wie gängige Antibiotika. Allein elf Patente – darunter eines in diesem neuesten Projekt - hat Hilgeroth in den vergangenen Jahren bereits eingereicht. „Es war immer mein Ziel, Innovationen früh zu verankern“, sagt der Wissenschaftler, der seit 1995 an der MLU lehrt und seit 2015 außerplanmäßiger Professor ist. „Die Industrie ist in vielen Bereichen nicht mehr aktiv“, fügt er an.

Um innovative Forschung geht es auch bei dem von der Wulf Vater-Dihydropyridine-Stiftung ausgelobten Preis, den Hilgeroth am vergangenen Freitag bereits zum zweiten Mal innerhalb von nur vier Jahren erhalten hat. Dotiert ist er mit 9.000 Euro. Grundlage für die Verleihung war Hilgeroths Arbeit zu Wirkstoffen gegen Tuberkulose (TB), die 2018 in einer Studie in der internationalen Fachzeitschrift „Molecules“ veröffentlicht wurde. TB gehört zu den weltweit am häufigsten verbreiteten oft tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten. Üblicherweise wird die durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis übertragene TB mit Antibiotika behandelt – auch dabei kämpfen Forschung und Medizin mit dem Problem der Resistenzen. In ihrer Studie haben die Forscher um Hilgeroth und PD Dr. Norbert Reiling vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung in Borstel eine Möglichkeit vorgestellt, die Wirksamkeit bereits bestehender Medikamente zu verbessern. Mithilfe einer neuen chemischen Verbindung wird dabei ein Prozess blockiert, bei dem Tuberkulose-Bakterien Antibiotika-Substanzen wieder aus ihrem Zellinneren abpumpen, bevor diese eine Wirkung entfalten können. „Einen solchen Wirkverstärker gibt es noch nicht“, sagt Hilgeroth. In ihrer Studie konzentrierten sich die Wissenschaftler damals auf gängige Standard-Antibiotika wie Isoniazid, seither sei die Forschung mit weiteren Antituberkulotica – unter anderen mit einem Reserve-Präparat – fortgesetzt worden, so Hilgeroth. „Bis zur praktischen Anwendung vergeht allerdings noch Zeit.“

Bereits im Jahr 2015 hatte der hallesche Pharmazeut den Preis der Wulf Vater-Stiftung für eine Forschung zur Bekämpfung der Resistenz von Tumorzellen gegenüber Arzneistoffen erhalten. Der Preis wird seit 1996 jährlich von der an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz eingerichteten Stiftung ausgelobt, die von dem Arzt und Pharmakologen Dr. Wulf Vater ermöglicht wurde. Sie dient der Förderung der mit seinem wissenschaftlichen Lebenswerk untrennbar verbundenen Grundlagenforschung und der therapeutischen Anwendung der Dihydropyridine – das sind Arzneimittel, die vor Jahrzehnten ein neues Zeitalter in der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen eingeleitet haben.

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Pharmazie

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