Open Access: ULB fördert Veröffentlichungen und Projekte

06.12.2017 von Tom Leonhardt in Wissenschaft, Forschung
Wissenschaft frei und für jeden zugänglich machen, das ist das Ziel von Open Access und Open Science. Forscherinnen und Forscher der Universität Halle erhalten dabei Unterstützung vom Open Science Team der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB). Dr. Susann Özüyaman leitet das Open Science Team und stellt im Interview mit „campus halensis“ das Angebot vor.
Dr. Susann Özüyaman leitet das Open Science Team der ULB.
Dr. Susann Özüyaman leitet das Open Science Team der ULB. (Foto: Markus Scholz)

Warum ist es sinnvoll, eine Studie in einem Open Access-Journal zu veröffentlichen?
Susann Özüyaman: Die Ergebnisse sind für alle frei zugänglich und in der Regel auch besser auffindbar. Dadurch werden Open-Access-Artikel unter Umständen schneller und stärker wahrgenommen: Studien zeigen, dass diese Artikel häufiger zitiert werden. Natürlich müssen die Wissenschaftler für sich selbst einschätzen, ob das für sie infrage kommt. Dabei spielt auch das Renommee eine Rolle.

Wenn ein Artikel in einem Open-Access-Journal veröffentlicht wird, fallen Gebühren an. Wie unterstützen Sie die Forscher an dieser Stelle?
Wir haben seit Juli dieses Jahres einen Publikationsfonds für diesen Fall geschaffen. Uni-Angehörige können hier bis zu 2.000 Euro Zuschuss für eine Publikation beantragen. Diese Grenze entspricht dem Standard der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die uns im Rahmen unserer Open-Access-Bestrebungen finanziell unterstützt. Natürlich gibt es Zeitschriften, die höhere Kosten veranschlagen …

… und was ist mit Artikeln, die mehr als 2.000 Euro kosten?
Hier können wir die Kosten aufteilen: Die ULB übernimmt bis zu 2.000 Euro der Kosten, den Rest müssen die Forscher selbst tragen. Wir haben auch einen weiteren Fördertopf für die Etablierung neuer Open-Access-Formate: Hier können Wissenschaftler Gelder beantragen, um entweder eine bestehende Zeitschrift in ein Open-Access-Format umzuwandeln, oder um das Layout anderer wissenschaftlicher Open-Access-Publikationen zu gestalten.

Worauf müssen Forscher achten, wenn sie eine Unterstützung beantragen?
Wir überprüfen bei jeder Publikation, ob sie in einem Journal erscheint, das im „Directory of Open Access Journals“ geführt wird. Die Antragssteller müssen außerdem Uni-Angehörige und die Haupt-Autoren sein. Den Antrag auf Förderung können die Forscher stellen, sobald sie ein Paper bei einem Journal eingereicht, oder bereits die Zusage für die Veröffentlichung erhalten haben – aber möglichst vor der Veröffentlichung.

Für die Open-Access-Formate prüfen wir den Antrag darauf, ob es sich um ein nachhaltiges Projekt mit einer schlüssigen Idee handelt. Hier arbeiten wir eng mit der Rektoratskommission Open Access unter der Leitung des Prorektors für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs Prof. Dr. Michael Bron zusammen, um die Anträge zu bewerten.

Wie lange dauert es, bis Sie einen Antrag bearbeitet haben?
Für die Anträge zu Open-Access-Artikeln haben wir uns intern eine Frist von einer Woche gesetzt. In der Regel sind wir aber wesentlich schneller. Bei den Mitteln für Open-Access-Formate dauert es etwas länger, weil hier mehr Abstimmungsbedarf notwendig ist.

Bewerten Sie auch den Inhalt der Studien?
Nein, den kennen wir auch gar nicht. Die Bewertung nehmen die Gutachter der Journale vor. Wir überprüfen nur, ob die formalen Kriterien für die Förderung erfüllt sind.

Fördern Sie auch Publikationen in hybriden Journalen, die eine zusätzliche Open-Access-Option haben?
Wir fördern nur eine Veröffentlichung in echten Open-Access-Journalen. Wir möchten damit vermeiden, dass wir bestimmte Verlage doppelt bezahlen – also für die Abonnements der Zeitschriften und dann noch einmal für die Veröffentlichung von Artikeln. So ist es auch in den Förderlinien der DFG geregelt. Den Forschern ist es natürlich freigestellt, in anderen Journalen zu publizieren – unterstützen können wir diese Publikationen derzeit aber nicht.

Wie wird das Programm bisher an der Universität angenommen?
Gerade im Bereich Medizin und Naturwissenschaften haben wir schon viele Anträge für die Förderung von Zeitschriftenartikeln erhalten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es in diesen Disziplinen bereits viele echte Open-Access-Journale gibt. Die Anträge aus den Geistes- und Sozialwissenschaften richten sich eher an unsere zweite Förderlinie, die Etablierung neuer Open-Access-Formate.

Wie wird das Angebot in den nächsten Jahren fortgeführt?
Für die Jahre 2018 und 2019 haben wir von der DFG eine Förderung über 96.000 Euro für Open-Access-Publikationen erhalten. In Zukunft sollen diese Mittel fester Bestandteil des Bibliotheksbudgets werden. Wir möchten damit und mit weiteren Maßnahmen aktiv die Initiative Open Access 2020 unterstützen, die die Transformation vom Subskriptionssystem für Zeitschriften hin zur reinen Open-Access-Publikation von wissenschaftlichen Ergebnissen fördert.

Weitere Informationen auf der Website der ULB: http://bibliothek.uni-halle.de/dbib/openaccess/

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